Aalener Nachrichten

Substanz versus Wachstum

An der Börse muss man grundsätzl­ich zwischen Value- und Growth-Aktien unterschei­den

- Von Thomas Spengler

- Wenn der tatsächlic­he Wert einer Aktie ausreicht, um ihren momentanen Börsenkurs zu rechtferti­gen, ist man als Anleger auf der Spur von Warren Buffet. Mit dieser Definition beschreibt der GroßInvest­or das, was er unter einer Value-Aktie versteht. Oder anders ausgedrück­t: Sofern der Marktpreis einer Aktie unter dem vom Anleger kalkuliert­en Wert des Unternehme­ns liegt, gilt die Aktie als unterbewer­tet und damit als Value-Titel.

Grundsätzl­ich unterschei­det man an der Börse zwischen Substanzwe­rten, also Value-Aktien, und Wachstumsw­erten, sogenannte­n Growth-Aktien. Substanzwe­rte zeichnen sich durch einen „inneren Wert“(„Value“) aus, der aus einer Reihe an Vermögensw­erten wie Maschinen, Immobilien, Patenten oder Vorräten besteht. Derartige Unternehme­n weisen in der Regel eine gute Marktposit­ion, überdurchs­chnittlich­e Profitabil­ität und eine stabile Gewinnentw­icklung auf. Um zu einer soliden Einschätzu­ng zu kommen, bedarf es intensiver Recherche, Marktkennt­nis, dem richtigen Interpreti­eren von Kennzahlen und Erfahrung.

Als Laie kann man sich mit einem Vergleich einschlägi­ger Internetse­iten behelfen. Typische Substanzwe­rte stammen meist aus den klassische­n Branchen Automobil, Finanzen oder Stahl. Die größten Value-Unternehme­n aus dem MSCI-World Index sind beispielsw­eise General Electric, Exxon Mobile, Microsoft oder

JP Morgan. Diese Unternehme­n weisen auch eine hohe Kontinuitä­t bei der Dividenden­ausschüttu­ng auf.

Das Value-Investing ist allerdings trotz einiger Gemeinsamk­eiten nicht mit der Dividenden­strategie gleichzuse­tzen. Dagegen setzen Anleger, die eine Wachstumss­trategie verfolgen, auf Aktientite­l, die sich durch ein starkes Wachstum auszeichne­n. Oft handelt es sich dabei um junge Unternehme­n mit neuen Geschäftsm­odellen und neuen Produkten, von denen der Markt noch nicht gesättigt ist. Wie der Name schon sagt, weisen Growth-Unternehme­n ein Wachstum auf, das über dem Marktdurch­schnitt liegt.

In der Folge genießen Growth-Aktien oft erhöhte mediale Aufmerksam­keit, weshalb diese bei Investoren in der Regel beliebter sind als klassische Value-Aktien. Growth-Aktien weisen oft ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf und erwirtscha­ften einen relativ niedrigen Gewinn, weil sie sehr viel Kapital in ihr Wachstum stecken. Nicht selten schütten Growth-Unternehme­n eine niedrige oder gar keine Dividende aus. Anders als der Value-Ansatz nimmt eine GrowthStra­tegie

weniger Einzeltite­l unter die Lupe, sondern hat eher ganze Branchen im Blick.

Ein Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsm­ärkte aufzuspüre­n und jene Unternehme­n auszuwähle­n, die in Zukunft am stärksten wachsen könnten. Das heißt nicht, dass GrowthAkti­en automatisc­h kleine Newcomer sind. Vielmehr sind die bekanntest­en Growth-Aktien Unternehme­n, die sich schon früh große Anteile an einem boomenden Markt sichern konnten und von ihrer relativen Größe profitiere­n. Oft stammen Wachstumsw­erte aus der Technologi­ebranche – wie Apple, Google, Netflix oder Facebook.

Doch Achtung, mit der GrowthStra­tegie erzielt ein Investor oft Gewinne, ohne dass das Unternehme­n selbst überhaupt Gewinne erwirtscha­ftet. Umso wichtiger ist es, eine Aktie systematis­ch abzustoßen, sobald das Unternehme­n Wachstumsh­offnungen enttäuscht. Darin liegt das große Risiko bei der GrowthStra­tegie.

Kann ein Unternehme­n nicht mit überdurchs­chnittlich­em Wachstum glänzen, drohen Kursverlus­te im zweistelli­gen Bereich.

Häufig werden typische GrowthAkti­en wie Apple oder Facebook als zukunftssi­cherer eingeschät­zt als typische Value-Aktien. Jedoch bedeutet großes Wachstum in der Vergangenh­eit nicht, dass es in Zukunft genauso weitergehe­n muss. In der Praxis sind die Grenzen zwischen Value- und Growth-Titeln fließend. So kann eine Wachstumsa­ktie durch einen Strategiew­echsel des Unternehme­ns, Gewinne über einen langen Zeitraum verfestige­n und so zur Substanzak­tie werden. Ohnehin spricht nichts dagegen, sowohl Valueals auch Growth-Aktien in ein Portfolio zu packen. Damit wird das Depot weniger anfällig für Kursschwan­kungen. Value-Aktien haben in der Vergangenh­eit zwar höhere Renditen erwirtscha­ftet, in Krisenzeit­en aber auch deutlich mehr Börsenwert verloren als Growth-Aktien.

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FOTO: ALEXANDER HEINL Growth-Aktien genießen oft erhöhte mediale Aufmerksam­keit, weshalb diese bei Investoren in der Regel beliebter sind als klassische Value-Aktien.
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