Die­ter Rei­ter: Der OB-Kan­di­dat von A bis Z

Heu­te Abend wird er auf ei­nem Par­tei­tag der Münch­ner SPD of­fi­zi­ell ge­kürt. Wie tickt der Mann, der im Früh­jahr der Nach­fol­ger von Chris­ti­an Ude wer­den will?

Abendzeitung München - - Thema Des Tages -

MÜNCHEN OB-Kan­di­dat ist Die­ter Rei­ter schon seit zwei Jah­ren. Im Jahr 2011 hat­ten sich die SPD-Orts­ver­ei­ne da­für aus­ge­spro­chen, dass er als Nach­fol­ger von OB Ude ins Ren­nen ge­hen soll. Heu­te Abend wol­len die Münch­ner So­zi­al­de­mo­kra­ten den 55-Jäh­ri­gen bei ei­nem Par­tei­tag ganz of­fi­zi­ell aufs Schild he­ben. Wer ist die­ser Die­ter Rei­ter? Ein A bis Z.

Ar­beits- und Wirt­schafts­re­fe­rent. Ist er seit 2009. Zu­vor war Rei­ter Käm­me­rei-Vi­ze. Das Re­fe­rat ist die idea­le PR-Ba­sis: Er ist mit Münch­ner Bos­sen im Ge­spräch und steht als Wies­nChef in der Öf­fent­lich­keit.

Be­kannt­heit. Ein Po­litPro­mi ist Rei­ter trotz Kan­di­da­tur nicht, im Ge­gen­teil: Sein Be­kannt­heits­grad war bis­her eher mau. Bei der jüngs­ten Um­fra­ge des Münch­ner In­sti­tuts für Markt­for­schung vom Mai hat­ten nur 21,1 Pro­zent der Teil­neh­mer sei­nen Na­men schon mal ge­hört.

Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­le. We­gen ei­ner Gra­tis­Rei­se nach Lon­don ge­rie­tWirt­schafts­re­fe­rent Rei­ter im Ju­ni un­ter Druck. Der FC Bay­ern, der üb­ri­gens Rei­ters Lieb­lings­ver­ein ist, hat­te al­le Kos­ten über­nom­men. For­mal­war Rei- ter kein Feh­ler nach­zu­wei­sen, die CSU warf ihm den­noch man­geln­des Ge­spür vor.

Dia­lekt. Nein, schwä­beln tut er nicht. Sei­ne Wur­zeln lie­gen zwar in Schwa­ben, auf­ge­wach­sen ist er aber in Send­ling – und das hört man. Je nach Ge­sprächs­part­ner wird sein Ober­bai­risch gern mal brei­ter, er weiß da­mit zu ko­ket­tie­ren.

Ehe­frau und Fa­mi­lie. Rei­ter ist seit 25 Jah­ren mit Pe­tra zu­sam­men und seit zehn Jah­ren mit ihr ver­hei­ra­tet. Sie ar­bei­tet als Buch­hal­te­rin in ei­ner mit­tel­stän­di­schen Fir­ma. Rei­ter hat drei er­wach­se­ne Kin­der und Opa ist er auch schon: Die Zwil­lings-En­kel­töch­ter sind drei Jah­re alt.

Freun­de und Fein­de. Zwei von Rei­ters engs­ten Ver­trau­ten im Rat­haus sind OB Chris­ti­an Ude und Käm­me­rer Ernst Wo­lo­wicz, des­sen Vi­ze er mal war. Das Wort „Feind“ist na­tür­lich zu hart. Aber zu­min­dest als be­las­tet könn­te man wohl das Ver­hält­nis zwi­schen Rei­ter und dem SPD-Frak­ti­ons­chef Alex­an­der Reissl be­zeich­nen. Der wä­re auch ger­ne OB-Kan­di­dat ge­wor­den. Ob bei vie­len Ver­kehrsthe­men oder was Reissls rup­pi­ge Art ge­gen­über den Grü­nen an­geht – da sind die Män­ner nicht ei­ner Mei­nung.

Geld. Als Re­fe­rent ver­dient Rei­ter rund 9500 Eu­ro brut­to im Mo­nat. Als OB wür­de er frei­lich mehr be­kom­men: Ude er­hält der­zeit rund 167 000 Eu­ro im Jahr.

Hei­mat. Ist seit Früh­jahr 2012 wie­der Send­ling: Da­mals ist Rei­ter aus dem idyl­li­schen Häu­schen bei Straß­lach aus- und in ei­ne Alt­bau­woh­nung in der Nä­he des Har­ras ein­ge­zo­gen. Man kann schlecht OB wer­den, wenn man nicht in München wohnt. Das Vier­tel mag er: „Ich ha­be 30 Jah­re lang am Her­zo­gErnst-Platz ge­lebt, bin dort auf­ge­wach­sen.“

Isar. AmFluss ent­lang­ra­deln zählt zu sei­nen liebs­ten Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen. Ein Isar-Spa­zier­gang nach dem Früh­stück ge­hört für ihn zu ei­nem per­fek­ten Sonn­tag.

Ju­gend. Als Rei­ter zwei Jah­re alt war, zog er mit sei­ner Fa­mi­lie nach Send­ling. Sei­ne 82-jäh­ri­ge Mut­ter und sei­ne Brü­der le­ben noch heu­te in München.

Kom­mu­nal­wahl. Am 16. März wird’s ernst: Dann ent­schei­den die Münch­ner, wer ihr neu­er Stadt­va­ter sein soll. Ein kla­rer Sieg, wie man ihn bei Ude ge­wohnt war, ist der SPD dies­mal nicht so si­cher (sie­he Swie Schmid).

Le­sen. Rei­ter ist gro­ßer Fan von schwe­di­schen Kri­mis – und vom Schrift­stel­ler Li­on Feucht­wan­ger. Sein letz­tes Buch war „1913: Der Som­mer des Jahr­hun­derts“von Flo­ri­an Il­lies. Au­ßer­dem ge­hö­ren Ak­ten zur täg­li­chen Lek­tü­re. „Da ist die li­te­ra­ri­sche Qua­li­tät aber meist über­schau­bar.“

Mu­sik. Ist Rei­ters liebs­tes Hob­by: E- und Akus­tik-Gi­tar­re hat er in der Schü­ler­band ge­lernt. Be­vor­zugt spielt er Mark Knopf­ler, auch Leo­nard Co­hen, Bob Dy­lan und die To­ten Ho­sen. „Be­schwert hat sich noch nie­mand“, sagt Rei­ter über sei­ne Gi­tar­ren­küns­te. Auch für die AZ hat Rei­ter schon mal ge­sun­gen – ein Ge­burts­tags­ständ­chen für Paul McCart­ney.

Nal­lin­ger, Sa­bi­ne. So heißt sei­ne Her­aus­for­de­rin von den Grü­nen. Wäh­rend Chris­ti­an Ude und sein Freund, der grü­ne Ex-OB-Kan­di­dat Hep Mo­nat­ze­der, sich bei Wahl­kämp­fen nicht wirk­lich at­ta­ckier­ten, ha­ben sich Nal­lin­ger und Rei­ter schon das ein oder an­de­re hüb­scheWort­ge­fecht ge­lie­fert. Rei­ters Wunsch­bünd­nis wä­re den­noch klar ein rot-grü­nes.

Oide Wiesn. Die hat Rei­ter als Wiesn-Chef ein- ge­führt – und da­mit bei den Münch­nern ei­nen Rie­sen­er­folg ge­lan­det. Die tra­di­tio­nel­le Wiesn mit al­ten Fahr­ge­schäf­ten und ge­müt­li­chen Zel­ten ist ein Pu­bli­kums­ren­ner.

Par­tei. Rei­ter ist seit 25 Jah­ren in der SPD. Dem lin­ken Flü­gel ist der Wirt­schafts­re­fe­rent si­cher nicht zu­zu­ord­nen. Geht’s nach ihm, soll­te man ihn lie­ber in gar kei­ne Schub­la­de ste­cken. Wirt­schaft­li­cher Er­folg ist für ihn kein reiner Selbst­zweck, son­dern dient da­zu, So­zia­les und Bil­dung zu fi­nan­zie­ren.

Que­ru­lant. Das ist Rei­ter nicht: Im Ge­gen­teil, manch­mal wird ihm vom­po­li- ti­schen Geg­ner eher vor­ge­wor­fen, zu un­schein­bar zu sein. Und sein Kar­rie­re­weg un­ter Udes Fuch­tel ver­lief pfeil­grad.

Re­ser­vie­rungs­re­geln. In sei­ner Funk­ti­on als Wiesn-Chef hat Rei­ter neue Re­geln für Wiesn-Re­ser­vie­run­gen auf den Weg ge­bracht, über die hef­tig dis­ku­tiert wor­den ist. Auf der SPD-Bank war es wäh­rend der De­bat­ten im Aus­schuss zwar ver­däch­tig ru­hig. Am Schluss stimm­ten Rei­ters Par­tei­kol­le­gen aber für sei­nen Vor­schlag.

Schmid, Jo­sef. Rei­ters größ­ter Kon­kur­rent! Nicht aus­ge­schlos­sen, dass es zur Stich­wahl mit dem CSU-OB-

Kan­di­da­ten kommt.

Tos­ka­na-Frak­ti­on. Auch zu der ge­hört Rei­ter nicht: An­ders als man­chen Sa­lon-So­zi zieht es Rei­ter we­ni­ger in süd­li­che Ge­fil­de. Er mag den win­di­gen, rau­en Nor­den, macht ger­ne Ur­laub in Dä­ne­mark oder an der Nord­see.

Ude, Chris­ti­an. Mün­chens Dau­er-OB war Rei­ters größ­ter Für­spre­cher. Ude hat nie ver­hehlt, dass Rei­ter sein Wun­sch­nach­fol­ger sein soll. Auch nicht, als die par­tei­in­ter­ne Aus­wahl noch lief.

Ver­wal­tungs­be­am­ter. Als er vor zwei Jah­ren auf den Schild ge­ho­ben wur­de, wirk­te Rei­ter oft noch wie das, was er ja ei­gent­lich ist – ein Ver­wal­tungs­be­am­ter. In­zwi­schen glückt ihm häu­fi­ger, ei­nen ge­wis­sen Laus­bu­ben­Charme aus­zu­spie­len.

Woh­nen. Das wird wohl das Top-The­ma der hei­ßen Wahl­kampf­pha­se. Rei­ter setzt auch auf ge­nos­sen­schaft­li­chen Woh­nungs­bau und will mit dem Um­land neue Lö­sun­gen für das Woh­nungs­pro­blem ent­wi­ckeln. Auch ge­gen Wohn-Tür­me mit rund zehn Ge­schos­sen hat er nichts ein­zu­wen­den.

XY-Chro­mo­so­men. Hat Rei­ter als ech­tes Manns­bild na­tür­lich. Dass es oh­ne die Frau­en aber nicht geht, weiß er genau. Sein gro­ßes Vor­bild ist die Oma, die sie­ben Kin­der durch zwei Krie­ge ge­bracht hat. „Mich be­ein­dru­cken star­ke Frau­en“, sagt er. „Man muss sich nur mal ei­nen Ge­ne­ral­streik der Frau­en vor­stel­len, was dann los wä­re.“

Zua­gro­as­ter. Streng ge­nom­men ist Rei­ter ei­ner: Er ist näm­lich nicht in München ge­bo­ren. Das Licht der Welt er­blick­te er am 19. Mai 1958 in Rain am Lech im Kreis Do­nau-Ries. Aber die Münch­ner sind ja to­le­rant.

Ju­lia Len­ders/An­net­te Zoch

Fo­tos: Wa­cker­bau­er, Feindt, Schra­mek, von Lo­eper, im­a­go, ho

Die­ter Rei­ter hoch zu Ross: Als Wiesn-Chef steht es ihm zu, al­le Fahr­ge­schäf­te zu tes­ten.

Die­ter Rei­ter als der Mark Knopf­ler von Send­ling. In sei­ner Frei­zeit greift der 55-jäh­ri­ge Hob­by-Sän­ger ger­ne mal zur Klamp­fe.

Noch nicht, Herr Rei­ter, noch nicht: Der Kan­di­dat macht beim An­zap­fen im Schot­ten­ha­mel Scher­ze mit Udes Re­ser­vie­rungs-Schild.

Im Ge­spräch mit Bür­gern. Im OB-Wahl­kampf wird Die­ter Rei­ter zu­neh­mend von sei­ner Ehe­frau Pe­tra (Mit­te) un­ter­stützt.

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