Mie­se Ab­zo­cke mit „Wun­der­trop­fen“?

Abendzeitung München - - BAYERN -

Ein Mit­tel aus Un­garn soll ge­gen Au­tis­mus und Ar­thro­se hel­fen – für Ex­per­ten ein Schmarrn. Die Staats­an­walt­schaft Schwein­furt er­mit­telt

Die Hoff­nung stirbt zu­letzt – und sie kann die Grund­la­ge für ge­mei­ne Ab­kas­sie­re­rei sein. Von der zwei­ten Va­ri­an­te geht die Staats­an­walt­schaft Schwein­furt aus. Sie hat „La­vy­li­te“, die „Wun­der­trop­fen“aus Un­garn auf der Agen­da und er­mit­telt we­gen Be­trugs­ver­dachts, wie Be­hör­den­spre­che­rin Ur­su­la Ha­der­lein der AZ be­stä­tig­te.

Das Spek­trum po­ten­zi­el­ler Kun­den hat ei­ne un­glaub­li­che Brei­te. Wie auf den In­ter­net­sei­ten der Fir­ma mit Ge­schäfts­sit­zen in Un­garn und Hong­kong steht, hilft „La­vy­li­te“von Fuß­pilz bis Au­tis­mus, heilt Brü­che schnell und ist bei Schmer­zen und Krank­hei­ten jeg­li­cher Art ei­gent­lich nie ver­kehrt.

Der Be­trugs­ver­dacht hängt da­mit zu­sam­men, dass die Wun­der­trop­fen le­dig­lich aus Kräu­ter­ex­trak­ten und Vit­aminZu­sät­zen be­ste­hen, kaum Kos­ten bei der Her­stel­lung ver­ur­sa­chen, aber für ex­or­bi­tan­te End­prei­se bei den Ab­neh­mern lan­den. Das Star­ter-Pro­dukt­pa­ket et­wa kos­tet 500 Eu­ro.

„In jah­re­lan­ger For­schung“, heißt es, „ist es un­ga­ri­schen Wis­sen­schaft­lern ge­lun­gen, den ,Na­no-Ef­fekt‘ zu ent­wi­ckeln, der es mög­lich macht, In­for­ma­tio­nen von Wirk­stof­fen Die­se Pro­duk­te ma­chen wohl nur eins: die Ver­käu­fer reich. über die Haut in Se­kun­den­schnel­le bis tief auf die Zel­l­e­be­ne in den Zell­kern zu trans­por­tie­ren.“Wis­sen­schaft­ler spra­chen in der „Saa­le-Zei­tung“(Bad Kis­sin­gen) an­ge­sichts sol­cher Aus­sa­gen von Quatsch.

Ha­der­lein räumt ein, dass die Er­mitt­lun­gen schwie­rig sei­en. Ein Grund: die Ge­schäfts­sit­ze im Aus­land. Ein wei­te­rer sei, dass die Wun­der­trop­fen nicht als Arz­nei­mit­tel an­ge­bo­ten wür­den. Am Rand der In­ter­net­sei­te der Ver­triebs­fir­ma steht: „Die Heil­sprays sind kei­ne an­er­kann­ten Heil­pro­duk­te, sie er­he­ben kei­nen An­spruch auf Heil­er­fol­ge. Al­le Aus­sa­gen zu Hei­lun­gen be­ru­hen aus­schließ­lich auf Er­fah­rungs­be­rich­ten.“

In Kom­men­tar­spal­ten und In­ter­net­auf­trit­ten sind die­se „Er­fah­rungs­be­rich­te“zu fin­den – Be­geis­te­rung pur. Ba­na­li­tä­ten wie die, dass der „Er­fin­der“ge­nann­te Wis­sen­schaft­ler Ti­bor Jak­abo­vicz we­der im Netz noch in Uni­ver­si­täts­ver­zeich­nis­sen exis­tiert, spie­len da kei­ne Rol­le.

Helmut Reis­ter

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