Denk­mal­ak­ti­on: Künst­ler schei­tert mit Be­ru­fung

Abendzeitung München - - MÜNCHEN -

Fünf Buch­sta­ben we­ni­ger, und schon ver­kehrt sich der Sinn: Aus „Für Deutsch­lands Ruhm und Eh­re“am Denk­mal für die im Ers­ten Welt­krieg Ge­fal­le­nen der Ei­sen­bahn­trup­pe in der Dach­au­er Stra­ße hat der Ak­ti­ons­künst­ler Wolf­ram Kast­ner im Fe­bru­ar 2015 „für Deutsch­lands Un­eh­re“ge­macht.

Die ent­fern­ten Buch­sta­ben schick­te er ins Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um. Das prompt re­agier­te und die Buch­sta­ben wie­der an ih­rem ur­sprüng­li­chen Platz in­stal­lie­ren ließ. Nur dies­mal fest ver­schraubt.

Kast­ner, der das Mi­nis­te­ri­um zu­vor in ei­nem Brief zum Um­den­ken be­we­gen woll­te, gab sich nicht ge­schla­gen und ant­wor­te­te mit ei­ner Text­ta­fel, die er mit ei­nem Spe­zi­al­kle­ber am Denk­mal an­brach­te. Die Ent­fer­nung der Ta­fel und des Kle­bers kos­te­te knapp 500 Eu­ro.

Ge­mein­schäd­li­che Sach­be­schä­di­gung und Stö­rung der To­ten­ru­he ist das für die Staats­an­walt­schaft, not­wen­di­ge Kor­rek­tur ei­nes mi­li­ta­ris­ti- schen Tex­tes für Wolf­ram Kast­ner, der in der ers­ten In­stanz zu ei­ner Geld­stra­fe von 400 Eu­ro „auf Be­wäh­rung“ver­ur­teilt wur­de. Der Ak­ti­ons­künst­ler ging wie die Staats­an­walt­schaft in Be­ru­fung.

Ge­fal­le­nen-Denk­mal an der Dach­au­er Stra­ße: Es bleibt bei Geld­stra­fe auf Be­wäh­rung für Kast­ner

Kast­ners Ver­tei­di­ger Gerald Pro­mo­li weist ges­tern in sei­nem Plä­doy­er dar­auf hin, dass das Denk­mal im Krieg zer­stört wur­de. „Wenn das nicht der Fall ge­we­sen wä­re, hät­te es nach dem Krieg zer­stört wer­den müs­sen.“Im Zu­ge der Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung Deutsch­lands wä­re ein sol­ches Denk­mal wohl kaum ste­hen­ge­blie­ben.

1962 wur­de das ur­sprüng­lich 1922 ein­ge­weih­te Denk­mal neu er­rich­tet. Für Pro­mo­li ein „un­glaub­li­cher“Vor­gang. Er re­kla­miert die Kunst­frei­heit für sei­nen Man­dan­ten.

Der Rich­ter er­klärt in sei­ner Ur­teils­be­grün­dung, dass man in die­sem Fall tat­säch­lich zwi­schen dem Grund­recht der Kunst­frei­heit und dem Schutz des Ei­gen­tums ab­wä­gen müs­se. Das Er­geb­nis sei­ner Ab­wä­gung: Das Ei­gen­tum geht vor. Die Be­ru­fun­gen wer­den zu­rück­ge­wie­sen.

Un­wahr­schein­lich, dass Kast­ner jetzt klein bei­gibt. Das Ver­fah­ren geht wohl in die nächs­te In­stanz. J. Schnei­der

Fo­to: jot

Wolf­ram Kast­ner mit dem Text sei­ner Denk­mal-Ta­fel.

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