Der lie­be Herr Fey

Abendzeitung München - - MÜNCHEN -

Va­len­tin Lud­wig Fey war ein Münch­ner Spe­di­ti­ons­kind, sei­ne Mut­ter stamm­te aus Sach­sen, er pfleg­te Wort­spie­le, war manch­mal mür­risch, trank gern ein Bier, aß gern def­tig, rauch­te Zi­gar­ren, spa­zier­te durch die schöns­te Stadt der Welt, ha­der­te mit Mo­der­ni­sie­run­gen und ge­sell­schaft­li­chen Um­struk­tu­rie­run­gen, lieb­te die Isar und die Würm, hielt sich oft in Gast­häu­sern auf und scherz­te char­mant mit dem an­de­ren Ge­schlecht. Ein ty­pi­scher Münch­ner, wie man ihn sich wünscht: Mal gran­tig, mal über­mü­tig, mal zer­mürbt, mal eu­pho­risch, mal ent­gleist, mal er­zürnt, mal ko­kett.

Sei­ne Tex­te, Fil­me und Stü­cke ken­nen al­le, sei­nen Künst­ler­na­men Karl Va­len­tin auch, aber die vie­len pri­va­ten Sprüche und An­ek­do­ten sind weit­ge­hend un­be­kannt, drum schreib ich hier ein paar auf. Es sind sämt­lich nur münd­lich über­lie­fer­te Zi­ta­te, da­her mag der Wort­laut nicht eins zu eins stim­men, was man mir ver­zei­hen mö­ge. Zum Bei­spiel be­fin­den sich am al­ten Pe­ter ja auf je­der der vier Kirch­turm­sei­ten je­weils zwei Uh­ren, ei­ne oben in der grü­nen Spit­ze, ei­ne wei­ter unten im Ge­mäu­er. Va­len­tin wuss­te den Grund: „So kön­nen gleich­zei­tig acht Men­schen auf die Uhr schau­en.“Ein­mal gab er ei­ne Zei­tungs­an­non­ce auf: „2 Pfen­nig Fin­der­lohn! Ha­be am 02.03.1929 Zi­gar­ren­stum­mel in der Thea­ti­ner­stra­ße ver­lo­ren. Län­ge: ca. 3 Zen­ti­me­ter.“

Als ge­gen En­de des Kriegs das Ge­spräch im­mer wie­der auf Flie­ger­bom­ber kam, schlug er vor: „Ein­fach wä­re es, wenn die feind­li­chen Flie­ger ih­re Bom­ben bei sich ab­wer­fen wür­den und die uns­ri­gen bei uns. Das wä­re vom Re­sul­tat das­sel­be, aber man könn­te sich ei­nen Hau­fen Ben­zin spa­ren.“Ne­ben der Schran­nen­hal­le be­fin­det sich bis heu­te ein Hoch­bun­ker, der „Blu­men­bun­ker“. Da Karl Va­len­tin im­mer höchs­ten Re­spekt vor je­nen Bom­bern hat­te, hielt er sich meist in Wirt­schaf­ten in der Nä­he auf und war bei Flie­ger­alarm ei­ner der ers­ten hin­ter den si­che­ren Mau­ern des Bun­kers. Ein­mal ka­men trotz Alarm stun­den­lang kei­ne Flie­ger. Va­len­tins Kom­men­tar: „De­ne werd doch hof­fent­lich nix pas­siert sei.“

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