Hartz IV: Schar­fe Kri­tik an Scholz

Abendzeitung München - - POLITIK -

In der SPD ist der Streit um das so­li­da­ri­sche Grund­ein­kom­men voll ent­brannt

Un­ter den Ge­nos­sen ver­schärft sich der Zoff um die Grund­si­che­rung Hartz IV. Nach­dem der kom­mis­sa­ri­sche SPD-Chef Olaf Scholz be­tont hat­te, am Hartz-IV-Grund­prin­zip nicht rüt­teln zu wol­len, ge­riet er in­tern so­fort un­ter Druck. Meh­re­re pro­mi­nen­te Par­tei­mit­glie­der warn­ten ihn vor Denk­ver­bo­ten. Rü­cken­de­ckung er­hielt Vi­ze­kanz­ler Scholz von den Ar­beit­ge­bern, der FDP und dem Vor­stands­chef der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA), Det­lef Schee­le.

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Scholz hat­te der „Fun­ke Me­di­en­grup­pe“mit Blick auf Ber­lins Re­gie­rungs­chef Micha­el Mül­ler und SPD-Vi­ze Ralf Steg­ner ge­sagt: „Auch Herr Mül­ler und Herr Steg­ner stel­len das Prin­zip des För­derns und For­derns nicht in­fra­ge.“Mül­ler hat­te als Hartz-Al­ter­na­ti­ve ein „so­li­da­ri­sches Grund­ein­kom­men“von 1200 Eu­ro im Mo­nat für Bür­ger vor­ge­schla­gen, die zu ge­mein­nüt­zi­ger, so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Ar­beit be­reit sind (AZ be­rich­te­te).

Steg­ner poch­te am Frei­tag auf die Ein­füh­rung ei­nes so­li­da­ri­schen Grund­ein­kom­mens. „Wir füh­ren die Dis­kus­si­on in der SPD nach vor­ne“, teil­te der SPD-Lin­ke im Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter mit: „So­zia­ler Ar­beits­markt und Chan­cen­kon­to. Exis­tenz­mi­ni­mum, Kin­der­grund­si­che­rung und so­li­da­ri­sches Grund­ein­kom­men, stei­gen­de Min­dest­löh­ne und Ver­bes­se­run­gen bei pre­kä­rer Be­schäf­ti­gung und Nied­rig­lohn­sek­tor.“

Ber­lins SPD-Frak­ti­ons­chef Ra­ed Sal­eh warf Scholz ein Ab­wür­gen der De­bat­te vor. Will Hartz IV bei­be­hal­ten: Scholz.

SPD-Vi­ze Na­ta­scha Koh­nen for­der­te, auf ei­nem ei­ge­nen the­men­be­zo­ge­nen Par­tei­tag grund­le­gend über die künf­ti­ge Aus­ge­stal­tung des So­zi­al­staats zu dis­ku­tie­ren.

Grü­nen-Chef Ro­bert Ha­beck warf Scholz Bas­ta-Po­li­tik vor. „Kaum dis­ku­tiert die SPD mal über Hartz IV, will Olaf Scholz die De­bat­te im Keim er­sti­cken“, sag­te er. Linken-Chef Bernd Ri­ex­in­ger for­der­te ei­ne Min­dest­si­che­rung von 1050 Eu­ro.

Die Ar­beit­ge­ber si­cher­ten Scholz da­ge­gen ih­re Un­ter­stüt­zung zu. Er spre­che we­der Denk­ver­bo­te aus noch be­trei­be er Bas­ta-Po­li­tik, wenn er in der So­zi­al­po­li­tik aus­schlie­ße, „vom Staat au­to­ma­tisch Geld zu er­hal­ten, auch wenn man durch Ei­gen­an­stren­gung sei­nen Le­bens­un­ter­halt ganz oder teil­wei­se ver­die­nen könn­te“, er­klär­te die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA).

FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner sag­te, die SPD-So­zi­al­staats­de­bat­te ge­he in ei­ne völ­lig fal­sche Rich­tung. Das Grund­ein­kom­men füh­re zur Ent­wer­tung von Jobs mit klei­nem Ein­kom­men. BA-Chef Schee­le, zu­vor un­ter Scholz Ar­beits­se­na­tor in Ham­burg, kri­ti­sier­te, der Be­griff ver­spre­che Men­schen et­was, das man nicht hal­ten kön­ne.

Im Fe­bru­ar be­ka­men 5,95 Mil­lio­nen Men­schen Hartz IV.

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