Wenn das Au­to Not­fall­da­ten funkt

Abendzeitung München - - WIRTSCHAFT -

Un­fall auf ei­ner ein­sa­men Land­stra­ße, Fah­rer ohn­mäch­tig: Künf­tig soll der Wa­gen in sol­chen Fäl­len au­to­ma­tisch Hil­fe ru­fen. Zum Wo­che­n­en­de geht in ganz Eu­ro­pa ein neu­es Sys­tem an den Start

Es ist ei­ne Idee, die mehr Men­schen­le­ben ret­ten soll: Ab Sams­tag, 31. März, müs­sen Neu­wa­gen in der EU mit ei­nem Not­fall­sys­tem aus­ge­stat­tet sein, das bei ei­nem Un­fall au­to­ma­tisch den No­t­ruf an­wählt. Ein Über­blick. Wie ge­nau funk­tio­niert die­ses eCall-Sys­tem? Das No­t­ruf­sys­tem eCall stellt nach ei­nem Un­fall au­to­ma­tisch ei­ne Sprach­ver­bin­dung (No­t­ruf­num­mer 112) zur nächst­ge­le­ge­nen Ret­tungs­leit­stel­le her. Aus­ge­löst wird es über Sen­so­ren des Wa­gens, et­wa wenn der Air­bag auf­geht. Falls die In­sas­sen nicht auf die Not­fall­zen­tra­le re­agie­ren, kön­nen auf Grund­la­ge von GPSDa­ten Ret­tungs­diens­te zum Un­fall­ort ge­schickt wer­den.

Bei der EU geht man da­von aus, dass sich so die Re­ak­ti­ons­zeit zwi­schen An­ruf und Ers­ter Hil­fe vor Ort auf dem Land um 50 und in der Stadt um 40 Pro­zent ver­rin­gern kann.

Las­sen sich da­durch mehr Men­schen ret­ten? Ex­per­ten zu­fol­ge sinkt die Über­le­bens­chan­ce bei le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen pro Mi­nu­te um zehn Pro­zent. Die EU-Kom­mis­si­on glaubt, dass mit eCall ge­ru­fe­ne Ein­satz­kräf­te eu­ro­pa­weit bis zu 2500 Men­schen pro Jahr das Le­ben ret­ten kön­nen. Ge­hört eCall jetzt zur Gr­und­aus­stat­tung al­ler Fahr­zeu­ge? Nein. Zu­nächst be­trifft die Vor­ga­be nur Neu­wa­gen, die auf ei­ne EUZu­las­sung war­ten. Be­reits im Han­del oder im Ver­kehr be­find­li­che Au­tos sind nicht von der Re­ge­lung be­trof­fen.

Al­te Fahr­zeu­ge müs­sen al­so nicht nach­ge­rüs­tet wer­den? Nein, ei­ne Pflicht da­zu gibt es nicht. Den­noch kön­nen Au­to­fah­rer ihr Au­to selbst­stän­dig mit ei­nem Not­fall­sys­tem aus­stat­ten.

Vie­le Ver­si­che­run­gen bie­ten da­zu ei­nen Un­fall­mel­de­ste­cker, der mit dem 12-Vol­tAn­schluss des Zi­ga­ret­ten­an­zün­ders kom­pa­ti­bel ist. Mo­der­ne­re Fahr­zeu­ge kön­nen die Blue­tooth-Funk­ti­on nut­zen. In Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner An­wen­dung für Smart­pho­nes kön­nen so im Not­fall eben­falls au­to­ma­ti­sche No­t­ru­fe aus­ge­löst wer­den. Al­ler­dings ist nicht je­des Smart­pho­ne mit dem Sys­tem kom­pa­ti­bel. Ver­brau­cher kön­nen dies prü­fen, in­dem sie mit ih­rem Mo­bil­te­le­fon die­se Sei­te be­su­chen: www.umd.mo­bi Bis wann wer­den al­le Fahr­zeu­ge flä­chen­de­ckend mit dem Schutz aus­ge­stat­tet sein? Der Bund der Deut­schen Ver­si­che­rer (GDV) geht da­von aus, dass noch fast ein Jahr­zehnt ver­ge­hen wird, bis nur die Hälf­te der Au­tos im Ver­kehr mit dem Not­fall­sys­tem aus­ge­rüs­tet ist.

Wel­che Da­ten wer­den von dem Sys­tem ei­gent­lich er­fasst? Das Sys­tem emp­fängt über das Mo­bil­funk­netz und die GPS-Da­ten den Un­fall­zeit­punkt und Stand­ort des Wa­gens. Au­ßer­dem er­kennt eCall, ob der No­t­ruf ma­nu­ell oder au­to­ma­tisch aus­ge­löst wur­de. Eben­falls über­mit­telt wird die 17-stel­li­ge Fahr­zeu­gi­den­ti­fi­zie­rungs­num­mer, An­triebs­art und Fahr­zeug­klas­se, Fahrt­rich­tung so­wie die An­zahl der In­sas­sen (die Er­fas­sung er­folgt über ge­schlos­se­ne Si­cher­heits­gur­te). Al­le neu­en Mo­del­le in Eu­ro­pa wer­den nun mit dem Not­fall­sys­tem eCall aus­ge­stat­tet.

Sind mei­ne Da­ten bei eCall si­cher? Ex­per­ten war­nen da­vor, dass nicht nur Smart­pho­nes, son­dern auch Fahr­zeu­ge sich zu mo­bi­len Da­ten­spei­chern ent­wi­ckeln. Ab Mai tritt aber die Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung der EU in Kraft. Die neu­en Sys­te­me dür­fen die Da­ten ih­rer Kun­den nicht an Drit­te wei­ter­ge­ben und kei­ne über­mä­ßi­ge Spei­che­rung be­trei­ben. Mir­jam Moll

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