Jetzt wird’s kri­tisch!

Abendzeitung München - - PANORAMA/BAYERN - Von Alex­an­der Bay­er

Die An­zei­ge ge­gen den Fuß­ball-Dorf­ver­ein FC Laub we­gen ei­nes Watt-Tur­niers ver­setzt die baye­ri­sche Kart­ler-Sze­ne in Auf­ruhr. Nun er­mit­telt die Staats­an­walt­schaft – we­gen il­le­ga­len Glück­spiels

Der FC Laub aus Re­genst­auf ist ge­ra­de der be­rühm­tes­te Ama­teurFuß­ball­club Bay­erns. Das liegt nicht dar­an, dass die Dorf­ki­cker aus dem Raum Re­gens­burg mit 43 Punk­ten an der Spit­ze der A-Klas­se 3 Re­gens­burg ste­hen. Viel­mehr geht es um Max, Bel­le, Spitz und die Staats­an­walt­schaft Re­gens­burg, die nun we­gen il­le­ga­len Glücks­spiels er­mit­telt.

Seit An­fang März herrscht Auf­ruhr in der baye­ri­schen Kart­ler-Sze­ne. Weil der FC Laub für ein Watt-Tur­nier mit Geld­prei­sen wirbt, geht bei der Po­li­zei Re­genst­auf ei­ne an­ony­me An­zei­ge ein. Der Vor­wurf: il­le­ga­les Glücks­spiel. In den so­zia­len Netz­wer­ken kocht der Fall hoch, an den Stamm­ti­schen ist die Un­ru­he groß. Vie­le se­hen ein Kul­tur­gut in Ge­fahr. Seit An­fang der Wo­che liegt der Fall bei der Staats­an­walt­schaft Re­gens­burg. Ausg’schafft!

Weil beim Wat­ten nicht al­le Kar­ten aus­ge­teilt wer­den und bluf­fen mög­lich ist, han­delt es sich laut Ge­setz um Glücks­spiel. Und wer bei ei­nem Wat­tTur­nier Geld­prei­se aus­lobt, der ver­an­stal­tet il­le­ga­les Glücks­spiel. Tur­nie­re mit Sach­prei­sen sind le­gal. Das be­sagt Pa­ra­graf 284 im Straf­ge­setz­buch.

Beim FC Laub wuss­te das schein­bar kei­ner. Eben­so we­nig wie bei Hun­der­ten an­de­ren Ver­an­stal­tern in Ost­bay­ern. Ver­eins­hei­me, Wirts­häu­ser und Kan­ti­nen – über­all fin­den re­gel­mä­ßig Watt-Tur­nie­re statt. Meist mit Sach­prei­sen, aber eben auch mit Geld­prei­sen. Al­les il­le­gal? Ver­bor­ge­ne Spiel­höl­len?

Die Kart­ler ver­ste­hen die Welt nicht mehr. Den Spie­lern geht es laut ei­ge­ner Aus­sa­ge eher um die Gau­di, ei­nen lus­ti­gen Abend. Nicht um Preis­gel­der. Aber klar: Wenn’s mal läuft, freut man sich am En­de über ei­nen Fress­korb oder 50 Eu­ro. Die Ver­ei­ne sam­meln mit den Tur­nie­ren ein paar Eu­ro, um ih­re Ju­gend­ar­beit zu fi­nan­zie­ren oder ei­nen neu­en Satz Tri­kots zu kau­fen. Zwei­mal im Jahr lädt der Fuß­ball­club Laub zum Preis­wat­ten ein. In die­sem März gibt es ei­ne Neue­rung: Geld- statt Sach­prei­se. Das zieht laut Ver­eins­chef Chris­ti­an Teu­fel bes­ser. 200 Eu­ro für das Sie­ger-Duo, 100 für die Zwei­ten und 50 Eu­ro für das dritt­plat­zier­te Team. Start­geld: neun Eu­ro.

Noch vor dem Tur­nier steht die Po­li­zei bei den Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen auf der Mat­te. Dem Or­ga­ni­sa­tor Kon­rad Ka­ser droht nach der an­ony­men An­zei­ge im schlimms­ten Fall ei­ne Frei­heits­stra­fe von ei­nem Jahr. Ka­ser än­dert den Mo­dus, statt Geld- gibt es wie­der Sach­prei­se. Auch die Pla­ka­te, mit de­nen er für das Tur­nier wirbt, hängt Die Kar­ten ste­hen schlecht für das Kul­tur­gut Wat­ten. er so­fort ab. Der „Ein­satz“der Spie­ler wird zum „Un­kos­ten­bei­trag“. Das Tur­nier fin­det dann doch noch statt, doch die An­zei­ge bleibt – das Wer­ben fürs Preis­wat­ten war il­le­gal.

Dem Or­ga­ni­sa­tor droht im schlimms­ten Fall ei­ne Frei­heits­stra­fe

„Die Ge­fahr beim Glücks­spiel ist, dass man das Ver­lust­ri­si­ko nicht durch Kön­nen und Tak­tik mi­ni­mie­ren kann“, er­klärt ein Staats­an­walt. Das Wat­ter-Herz blu­tet. Ob die Staats­an­wäl­te schon mal den rau­chi­gen Bier­dunst in halb­dunk­len St­überln an Ei­chen­ti­schen ge­schnup­pert ha­ben, wäh­rend beim Stand von zwölf zu zwölf aus­ge­schafft wird? Den Bel­le auf der Hand, beim Geg­ner ein Ma­xMu­cken er­späht. Kein Kön­nen? Kei­ne Tak­tik? – Kei­ne Ah­nung!

Kon­rad Land­graf kennt sich aus mit Glücks­spiel. Der Ge­schäfts­füh­rer der Lan­des­stel­le für Glücks­spiel­sucht

(LSG) sagt: „Kar­ten­spie­le spie­len bei un­se­rer Be­ra­tung ei­ne ge­rin­ge Rol­le.“Von al­len Kli­en­ten der LSG ga­ben 2016 ge­ra­de mal 1,1 Pro­zent „Po­ker und Kar­ten­spie­le im In­ter­net“als be­vor­zug­te Spiel­form an. „Der LSG ist kein Fall be­kannt, dass ein Kli­ent we­gen Wat­ten ei­ne Be­ra­tungs­stel­le auf­ge­sucht hät­te“, sagt Land­graf.

Watt-Tur­nie­re mit Geld­prei­sen: Wo kein Klä­ger, da kein Rich­ter

Ei­ne In­ter­net-Re­cher­che zeigt, dass Watt-Tur­nie­re – auch mit Geld­prei­sen – nach wie vor kei­ne Sel­ten­heit sind. Da gilt aber wohl wie bis­her: wo kein Klä­ger, da kein Rich­ter.

Weil da al­le Kar­ten aus­ge­teilt wer­den, han­delt es sich nicht um Glücks­spiel, Geld­prei­se sind er­laubt. Da­für ist das Spiel an­spruchs­vol­ler, for­dert das gan­ze Kart­ler-Hirn­schmalz. Das lässt be­kannt­lich nach ein paar Bier in ge­sel­li­ger Run­de et­was nach. Wohl mit ein Grund, war­um Watt-Tur­nie­re oft bes­ser be­sucht sind.

Am Ran­de des gan­zen Tru­bels bleibt dem Fuß­ball­club Laub ein or­dent­li­ches Trost­pflas­ter. Trotz sei­ner ge­ra­de 600 Mit­glie­der ist der Dorf­ver­ein jetzt Welt­klas­se: Er hat das wohl be­rühm­tes­te Watt-Tur­nier al­ler Zei­ten ver­an­stal­tet.

Fo­tos: Her­mann His­to­ri­ca Mün­chen

Das Fern­rohr von Lud­wig II. (kl. Bild) lässt sich in fünf Schü­ben auf 55 Zen­ti­me­ter aus­zie­hen.

Die drei Kri­ti­schen (v.l.): Spitz, Bel­le und Max. Wer auf Num­mer si­cher ge­hen will, der muss Schaf­kopf-Tur­nie­re ver­an­stal­ten.

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