Sie gön­nen der CSU den Knast

Abendzeitung München - - MÜNCHEN - Von Flo­ri­an Zick

In Mün­chen ist die Luft im­mer noch dre­cki­ger als er­laubt. Um­welt­ver­bän­de hof­fen des­halb auf ein Durch­grei­fen der Jus­tiz

Die Deut­sche Um­welt­hil­fe (DUH) hat ih­ren Sitz in Ra­dolf­zell am Bo­den­see – tiefs­tes Ba­den-Würt­tem­berg. Man muss Ver­eins­chef Jür­gen Resch al­so gar nicht fra­gen, was er am Sonn­tag wählt. Aber ei­nes ist klar: Dürf­te er ir­gend­wo sein Kreu­zerl ma­chen, bei der CSU wä­re es si­cher nicht.

„Par­tei­en, die of­fen­siv an­kün­di­gen, dass sie sich an Ge­richts­be­schlüs­se nicht hal­ten, sind un­wähl­bar“, pol­ter­te Resch am Frei­tag im Ei­neWelt-Haus. Ge­mein­sam mit an­de­ren Um­welt­ver­bän­den hat­te sei­ne DUH dort­hin ge­la­den, um kurz vor der baye­ri­schen Land­tags­wahl noch ein­mal Stim­mung ge­gen die Um­welt­po­li­tik der Staats­re­gie­rung zu ma­chen. Hin­ter­grund ist na­tür­lich die De­bat­te um mög­li­che Die­sel-Fahr­ver­bo­te. Der eu­ro­päi­sche Stick­oxid-Grenz­wert von 40 Mi­kro­gramm je Ku­bik­me­ter Luft wird in Mün­chen im­mer noch in vie­len Stra­ßen­zü­gen deut­lich über­schrit­ten. Der Die­sel ist als Haupt­ver­ur­sa­cher längst aus­ge­macht. Kon­se­quen­zen gibt’s aber trotz­dem kei­ne. Der Frei­staat sitzt das Pro­blem bis­lang er­folg­reich aus. Jür­gen Resch von der Deut­schen Um­welt­hil­fe.

Zwar hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof den Frei­staat an­ge­hal­ten, für Mün­chen auch Fahr­ver­bo­te vor­zu­be­rei­ten – so, wie das in Stutt­gart, Ham­burg oder jüngst auch in Ber­lin pas­siert ist. Der CSU sei aber im­mer noch die Au­to­in­dus­trie wich­ti­ger als die Ge­sund­heit der Men­schen, schimpf­te am Frei­tag Chris­toph von Ga­gern vom Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD).

Weil Straf­gel­der bis­her kein Ein­len­ken be­wirkt ha­ben, will der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zur Not auch füh­ren­de baye­ri­sche Po­li­ti­ker in Beu­ge­haft neh­men, um sein Ur­teil durch­zu­set­zen. Ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge an den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof, schät­zen Ex­per­ten, könn­te noch die­sen Ok­to­ber raus­ge­hen. „Ei­ne sol­che An­ru­fung wä­re ei­ne gro­ße Bla­ma­ge für Deutsch­land“, sag­te Re­mo Klin­ger, ein re­nom­mier­ter Um­welt­an­walt aus Ber­lin. Denn dass es im Streit zwi­schen Po­li­tik und Jus­tiz der­art zum Äu­ßers­ten kam, das gab es so bis­lang noch nicht.

Soll­te der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof ei­nem be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren zu­stim­men, so könn­te wohl tat­säch­lich schon An­fang nächs­ten Jah­res ein Haft­be­fehl raus­ge­hen. Be­trof­fen wä­re in ers­ter Li­nie der Baye­ri­sche Um­welt­mi­nis­ter – wer auch im­mer das dann sein wird. Aber auch der Mi­nis­ter­prä­si­dent selbst kommt als Adres­sat in Fra­ge.

So ein biss­chen Knast wür­de man der CSU-Spit­ze bei den Um­welt­ver­bän­den schon gön­nen. Wo­bei nie­mand glaubt, dass es tat­säch­lich so weit kommt. Da wür­de die Staats­re­gie­rung dann wohl doch noch recht­zei­tig ein­kni­cken, schät­zen die Ver­tre­ter der Ver­bän­de.

Scha­de aber, dass es über­haupt so weit kom­men muss­te, fin­det Andre­as Schus­ter von Gre­en Ci­ty. Acht Jah­re lang ha­be die Po­li­tik Zeit ge­habt, um et­was zur Ver­bes­se­rung der Luft zu tun. Nichts sei pas­siert. Auch bei ihm ist des­halb klar, wo er am Sonn­tag sein Kreu­zerl si­cher nicht macht. Die CSU? Am bes­ten in die Op­po­si­ti­on ab­schie­ben, so Schus­ter.

Fo­to: Jens Bütt­ner/dpa

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