Ein Hob­by­kel­ler ist auch be­wohn­bar

Abendzeitung München - - MÜNCHEN -

Vor dem Amts­ge­richt strei­ten Mie­ter und Ver­mie­ter, was zur Wohn­flä­che zählt

Welche Räu­me kön­nen zur Wohn­flä­che ge­zählt werden, welche nicht? Im Streit um die rich­ti­ge Be­rech­nung ei­nes Ein­fa­mi­li­en­hau­ses in Tauf­kir­chen setz­te sich am En­de der Ver­mie­ter beim Amts­ge­richt durch. Er hat­te das Mie­ter­paar ver­klagt.

Das Amts­ge­richt ver­ur­teil­te das Paar, das Haus an den kla­gen­den Ver­mie­ter her­aus­zu­ge­ben so­wie rück­stän­di­ge Mie­ten in Hö­he von 8865 Eu­ro zu be­zah­len.

Der Hin­ter­grund: En­de 2010 mie­te­ten die Be­klag­ten für brut­to 2255 Eu­ro mo­nat­lich ein Ein­fa­mi­li­en­haus. Im Miet­ver­trag stand: „Die Wohn­flä­che wird mit et­wa 210 Qua­drat­me­ter ver­ein­bart.“

Im In­ter­net war das Haus ähn­lich be­schrie­ben wor­den: „Sie­ben Zim­mer, 210 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che“. Bei der „Ob­jekt­be­schrei­bung“hieß es „groß­räu­mi­ges aus­ge­bau­tes Dach­stu­dio mit Bad; gro­ßer Hob­by­raum im Kel­ler“. Nach­dem der Klä­ger im Ja­nu­ar 2017 von den Be­klag­ten die Zu­stim­mung zu ei­ner Miet­erhö­hung ver­langt hat­te, ant­wor­te­ten die Be­klag­ten, dass sie nun die Wohn­flä­che über­prüft und da­bei fest­ge­stellt hät­ten, dass die­se nur bei 173,5 Qua­drat­me­ter lie­ge.

Da sie so­mit be­reits die orts­üb­li­che Mie­te zah­len wür­den, lehn­ten sie ei­ne Miet­erhö­hung ab und kürz­ten im Ge­gen­zug au­ßer­dem die Miet­zah­lung um je 700 Eu­ro, so dass der Klä­ger zu­letzt frist­los kün­dig­te.

Der Klä­ger ar­gu­men­tiert, dass so­wohl bei der Ver­trags­an­bah­nung als auch bei der Be­sich­ti­gung die Be­klag­ten dar­über im Kla­ren ge­we­sen sei­en, dass das Haus über ein aus­ge­bau­tes Dach­ge­schoss so­wie über ei­nen be­heiz­ten Hob­by­raum ver­fügt. Die­se Rä­um­lich­kei­ten sei­en so­mit als Wohn­raum mit zu be­rück­sich­ti­gen. Auch aus der In­ter­net­an­zei­ge sei dies er­sicht­lich ge­we­sen.

Das Haus sei von den Be­klag­ten vor Ein­zug be­sich­tigt und es sei mit ih­nen ge­nau be­spro­chen wor­den, was hier zur Wohn­flä­che zäh­le.

Die Be­klag­ten wi­der­spre­chen: Es lie­ge nicht im Gut­dün­ken des Ver­mie­ters fest­zu­le­gen, was Wohn­flä­che ist und was nicht. Letzt­lich sei die ver­ein­bar­te Miet­flä­che zwi­schen den Par­tei­en nicht ab­schlie­ßend de­fi­niert und ver­ein­bart wor­den, so dass die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten gel­ten wür­den, ins­be­son­de­re die Wohn­flä­chen­ver­ord­nung und die Baye­ri­sche Bau­ord­nung.

Die zu­stän­di­ge Rich­te­rin am Amts­ge­richt Mün­chen gab dem Klä­ger Recht: „Die Par­tei­en kön­nen frei ent­schei­den, was zur Wohn­flä­che ge­hö­ren soll.“Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung gä­be es in die­sem Fall – und die geht von 210 Qua­drat­me­tern Wohn­flä­che aus. „In ei­nem sol­chen Fall sind auch sol­che Räu­me bei der Be­mes­sung der Wohn­flä­che zu be­rück­sich­ti­gen, die aus Grün­den des öf­fent­li­chen Bau­rechts nicht zu Wohn­zwe­cken ge­eig­net sind“, er­klärt die Rich­te­rin.

Zwar kön­ne von ei­nem Mie­ter nicht ver­langt werden, dass er die Wohn­flä­chen bei Ver­trags­schluss nach­misst. In die­sem Fall hät­te aber ins Au­ge sprin­gen müs­sen, dass die ent­spre­chen­den Räu­me im Kel­ler und im Dach­ge­schoss zur Wohn­flä­che zäh­len soll­ten. Die ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung gel­te des­we­gen. jot

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