„Je­de Stim­me ist 2

Abendzeitung München - - POLITIK -

AZ: Herr Good­win, am Sonn­tag ste­hen die Land­tags­wah­len an. Ihr Ver­ein „Ich wäh­le mit“hat es sich zur Auf­ga­be ge­macht, so vie­le Men­schen wie mög­lich zum Wäh­len zu ani­mie­ren. War­um? BERN­HARD GOOD­WIN: Weil es ein Feh­ler ist, nicht zu wäh­len. Man ist ja qua­si al­le fünf Jah­re ein­mal be­ru­fen, ei­ne Art baye­ri­scher Kö­nig zu sein und wird ge­fragt: Wie wür­dest Du ent­schei­den? Es ist wich­tig, dass man dann auch die­se Ent­schei­dung trifft. De­mo­kra­tie kommt aus der Über­zeu­gung her­aus, dass, wenn wir al­le ge­mein­sam Ent­schei­dun­gen tref­fen, es die bes­se­ren Ent­schei­dun­gen sind. Bei den letz­ten Wah­len gab es bun­des­weit im­mer wie­der vie­le Pro­test­wäh­ler. Ei­ne klu­ge Stra­te­gie – oder nutz­los? Blei­ben wir beim Bild ei­nes Kö­nigs: Wie wür­de der re­agie­ren, wenn das ei­ge­ne Ka­bi­nett nicht so han­delt, wie er will? Er könn­te na­tür­lich sa­gen: „Ich nehm’ jetzt ir­gend­ei­nen Bau­ern, der kei­ne Ah­nung hat – und von dem ich das auch weiß – und ge­be dem jetzt ei­nen Sitz im Ka­bi­nett. Um den an­de­ren zu zei­gen, dass ich un­zu­frie­den bin.“Das ist doch Un­sinn. Ein gu­ter Kö­nig wür­de im­mer die­je­ni­gen aus­wäh­len, von de­nen er über­zeugt ist, dass sie die ei­ge­nen In­ter­es­sen am bes­ten ver­tre­ten. Das Bild vom Kö­nig und dem Bau­ern ist wohl ei­ne An­spie­lung auf die AfD? Wenn je­mand fin­det, dass die AfD ei­ne gu­te Par­tei ist, dann ver­ste­he ich, dass er die AfD wählt. Er soll­te sich dann aber auch vor­her mit dem teils über­ra­schen­den Wahl­pro­gramm be­schäf­ti­gen. Vie­le der AfD-Wäh­ler sa­gen den Sta­tis­ti­ken zu­fol- ge ja selbst, dass sie die­ser Par­tei nicht die Lö­sung der Pro­ble­me zu­trau­en. Was Pro­test­wah­len an­rich­ten kön­nen, hat man an der Br­ex­it-Ab­stim­mung in Groß­bri­tan­ni­en ge­se­hen – wo hin­ter­her vie­le gern wie­der zu­rück­ge­ru­dert wä­ren. Das stimmt, da­zu kommt aber noch, dass die ein­zel­nen Stim­men ja auch ei­nen er­heb­li­chen Wert ha­ben. Wir ha­ben das für die letz­te Land­tags­wahl 2013 mal aus­ge­rech­net und uns an­ge­schaut: Wie hoch ist der baye­ri­sche Haus­halt in­ner­halb von fünf Jah­ren? Und ha­ben die­se Sum­me, 277 Mil­li­ar­den Eu­ro, ge­teilt durch die An­zahl der Wahl­be­rech­tig­ten, das wa­ren über neun Mil­lio­nen Men­schen. Das Er­geb­nis: Je­de ein­zel­ne Stim­me hat ei­nen Wert von 29 400 Eu­ro. Ei­ne ho­he Sum­me. Wenn ich so et­was pri­vat aus­ge­be, dann tref­fe ich doch auch ei­ne ver­nünf­ti­ge Ent­schei­dung – und kau­fe nicht et­wa ei­ne Mar­ke, die ich sel­ber für schlech­ter hal­te, nur da­mit mein ei- gent­lich be­vor­zug­ter Mar­ken­her­stel­ler sieht, dass ich nicht von ihm kau­fe. Die, die wäh­len, be­stim­men die The­men. Und nicht nur Pro­test­wäh­ler be­ein­flus­sen die Po­li­tik, son­dern auch ver­schie­de­ne Ge­ne­ra­tio­nen. Was heißt das für Bay­ern? In ei­ner al­tern­den Ge­sell­schaft wie bei uns sind na­tur­ge­mäß mehr Äl­te­re wahl­be­rech­tigt. Die­se ha­ben meist auch ei­ne hö­he­re Wahl­be­reit­schaft. In­so­fern ha­ben Po­li­ti­ker ein star­kes In­ter­es­se, die­je­ni­gen, die zur Wahl ge­hen, zu­frie­den zu stel­len. Al­lein des­halb schon soll­ten jun­ge Men­schen un­be­dingt wäh­len. Sie sind noch lan­ge von den heu­ti­gen Ent­schei­dun­gen be­trof­fen. Den­noch fra­gen sich man­che Men­schen, was ei­ne ein­zel­ne Stim­me groß aus­rich­ten kann. Durch Par­tei nicht wer­de gen s chen dat au zent d nen w zel­ne sehr e Was Nichtw Ab­stim An­gen 100 W stimm die m lehnt: nur 5 dann men s heit e den 10 zur W chen d noch e deshal für zu gen, den gr Wäh­le ger Sc Ja. De zur W

„Wäh­len schützt vor Ex­tre­mis­ten“

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