Die baye­ri­schen Be­son­der­hei­ten

Abendzeitung München - - POLITIK -

Bei der Land­tags­wahl in Bay­ern hat je­der Wahl­be­rech­tig­te zwei Stim­men – auf den ers­ten Blick ge­nau wie bei der Bun­des­tags­wahl: Erst­stim­me und Zweit­stim­me.

Es gibt aber ei­nen ganz zen­tra­len Un­ter­schied – und der ist für die künf­ti­ge Zu­sam­men­set­zung des Land­tags von enor­mer Be­deu­tung: Zur Er­mitt­lung der Sitz­ver­tei­lung werden Erst- und Zweit­stim­me zu­sam­men­ge­zählt und in Mandate um­ge­rech­net.

Die An­zahl der Ge­samt­stim­men ent­schei­det al­so dar­über, welche Par­tei künf­tig wie vie­le Ab­ge­ord­ne­te im Land­tag hat.

Die Erst­stim­me ist so­mit für die Sitz­ver­tei­lung gleich wich­tig wie die Zweit­stim­me. Das ist der gro­ße Un­ter­schied zur Bun­des­tags­wahl, wo al­lein die Zweit­stim­me für die Sitz­ver­tei­lung aus­schlag­ge­bend ist.

Rund 9,5 Mil­lio­nen Men­schen dür­fen ih­re Stim­me ab­ge­ben, rund 36 000 mehr als vor fünf Jah­ren. Dar­un­ter sind 600 000 Erst­wäh­ler.

Zur Wahl ste­hen nach An­ga­ben des Lan­des­wahl­lei­ters bay­ern­weit 18 Par­tei­en und Wäh­ler­grup­pen (da­von 17 in Ober­bay­ern) mit ins­ge­samt 1923 Kan­di­da­ten.

De­ren Durch­schnitts­al­ter liegt bei 48 Jah­ren. 31 Pro­zent sind Frau­en.

Der Baye­ri­sche Land­tag be­steht aus 180 Sit­zen. Da­von werden 91 über Di­rekt­man­da­te ver­ge­ben, 89 an Lis­ten­kan­di­da­ten.

Mit ihr wählt man ei­nen Kan­di­da­ten in ei­nem der ins­ge­samt 91 Stimm­krei­se di­rekt. Sie­ger ist, wer dort je­weils die meis­ten Stim­men be­kommt, die ein­fa­che Mehr­heit reicht al­so.

Vor­aus­set­zung für den Ein­zug ei­nes Stimm­kreisSie­gers in den Land­tag ist al­ler­dings – an­ders als bei ei­ner Bun­des­tags­wahl – dass sei­ne Par­tei lan­des­weit min­des­tens fünf Pro­zent al­ler gül­ti­gen Ge­samt­stim­men er­hält.

ist ei­ne Lis­ten­stim­me – wo­bei die Par­tei­en nicht lan­des­weit mit ei­ner Bay­ern-Lis­te an­tre­ten, son­dern mit bis zu sie­ben selbst­stän­di­gen Lis­ten in den sie­ben baye­ri­schen Wahl­krei­sen, die den Re­gie­rungs­be­zir­ken ent­spre­chen.

Doch auch die Zweit­stim­me ist per­so­nen­be­zo­gen: Man kann da­mit ei­nen Wahl­kreis-Kan­di­da­ten ei­ner Par­tei aus­wäh­len und an­kreu­zen, egal, auf wel­chem Lis­ten­platz die­ser steht. An­ders als auf Bun­des­ebe­ne kön­nen die Wäh­ler so die Plat­zie­run­gen der Kan­di­da­ten auf den Lis­ten noch be­ein­flus­sen (of­fe­ne Lis­ten) – ein Spit­zen­kan­di­dat muss nicht an ers­ter Stel­le blei­ben. Auch die­se Stim­me fällt bei der Sitz­ver­tei­lung der Par­tei zu.

Kreuzt man kei­nen ein­zel­nen Kan­di­da­ten an, son­dern all­ge­mein ei­ne Par­tei oder Wäh­ler­grup­pe, wird die Stim­me nicht un­gül­tig, son­dern am En­de eben­falls der be­tref­fen­den Par­tei zu­ge­rech­net.

Erst- und Zweit­stim­me an ver­schie­de­ne Par­tei­en zu ver­ge­ben, ist mög­lich.

(be­ste­hend aus Erst- und Zweit­stim­men) werden nach dem Grund­satz der Ver­hält­nis­wahl auf Ebe­ne der Wahl­krei­se in Mandate der Par­tei­en um­ge­rech­net.

In den Land­tag zie­hen nur Par­tei­en ein, die ei­nen An­teil von min­des­tens fünf Pro­zent der Stim­men be­kom­men (die so­ge­nann­te Fünf-Pro­zent-Hür­de).

Ins­ge­samt werden bei der Land­tags­wahl in Bay­ern 91 Di­rekt- und 89 Lis­ten­man­da­te ver­ge­ben.

Der Land­tag kann aber am En­de auch mehr als 180 Mit­glie­der ha­ben – durch so­ge­nann­te Über­hang- und Aus­gleichs­man­da­te:

Wenn ei­ner Par­tei mehr Di­rekt­man­da­te zu­fal­len, als ihr nach dem Stim­men­ver­hält­nis ei­gent­lich zu­ste­hen wür­den (Über­hang­man­da­te), so er­höht sich auch die Zahl der Mandate der an­de­ren Par­tei­en ent­spre­chend dem tat­säch­li­chen Stim­men­ver­hält­nis (Aus­gleichs­man­da­te).

Und ge­nau das dürf­te am Sonn­tag der Fall sein. Un­ter dem Strich ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Land­tag künf­tig deut­lich mehr Ab­ge­ord­ne­te ha­ben wird als die 180 bis­her.

Ob­wohl die CSU in ei­ni­gen Münch­ner Stimm­krei­sen wa­ckelt, dürf­te sie na­he­zu al­le an­de­ren ge­win­nen – und wä­re da­mit im Land­tag deut­lich über­re­prä­sen­tiert, weil ihr Ge­samt­stim­men­an­teil nach al­len Um­fra­gen weit nied­ri­ger aus­fal­len dürf­te.

Des­halb wird es ver­mut­lich vie­le Aus­gleichs­man­da­te ge­ben.

Man­chen Be­rech­nun­gen zu­fol­ge könn­te der neue Land­tag bis zu 215 Ab­ge­ord­ne­te ha­ben – das wä­re ein neu­er Re­kord.

ZAH­LEN UND FAKTEN: DIE ERST­STIM­ME: DIE ZWEIT­STIM­ME Der Stimm­kreis­zet­tel: Bei der Land­tags­wahl ist die Erst­stim­me aber ge­nau­so wich­tig wie die Zweit­stim­me. DIE GE­SAMT­STIM­MEN ÜBER­HANG- UND AUS­GLEICHS­MAN­DA­TE:

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