Flam­men­in­fer­no stoppt Fern­zug nach Mün­chen

Abendzeitung München - - PANORAMA/BAYERN -

Der ICE mit ei­nem völ­lig aus­ge­brann­ten Wag­gon. Die rund 500 In­sas­sen konn­ten den Zug na­he­zu un­ver­letzt ver­las­sen.

Ein zu­fäl­lig mit­rei­sen­der Bun­des­po­li­zist be­merkt den Rauch – und ver­hin­dert wo­mög­lich ei­ne Ka­ta­stro­phe für die rund 500 Rei­sen­den

Ver­brann­te Kof­fer, ver­kohl­te Sit­ze, ei­ne völ­lig zer­stör­te Me­tall­ver­klei­dung – viel ist von dem aus­ge­brann­ten Ab­schnitt des ICEWag­gons nicht üb­rig ge­blie­ben. Zer­bors­te­nes Fens­ter­glas auf den Glei­sen na­he Dier­dorf im Wes­ter­wald zer­streut, in der Bö­schung liegt ei­ne her­aus­ge­ris­se­ne, ver­bo­ge­ne Zug­tür.

Die­ses Sze­na­rio könn­te oh­ne wei­te­res Schau­platz ei­ner gro­ßen Ka­ta­stro­phe sein. Dass der Brand an der ICE-Schnell­stre­cke zwi­schen Köln und Frank­furt am Frei­tag mit fünf Leicht­ver­letz­ten ex­trem glimpf­lich ver­lief, ist nur glück­li­chen Um­stän­den zu ver­dan­ken. Im Un­glücks­wa­gen saß zu­fäl­lig ein Bun­des­po­li­zist, wie ein Spre­cher der Be­hör­de sagt. Be­reits in Uni­form sei der Kol­le­ge ge­gen 6.30 Uhr un­ter­wegs zur Ar­beit ge­we­sen, als er Rauch be­merk­te und rou­ti­niert die Ret­tung or­ga­ni­sier­te. Der Be­am­te ha­be nicht nur den Nothalt ein­ge­lei­tet, son­dern auch da­für ge­sorgt, dass nicht al­le Pas­sa­gie­re plan­los aus den of­fe­nen Tü­ren stür­men. Er ha­be im Blick ge­habt, dass her­ab­ge­ris­se­ne Ober­lei­tun­gen ei­ne töd­li­che Ge­fahr sind und dass noch wei­te­re Zü­ge auf der Stre­cke un­ter­wegs sein könn­ten. Der Kol­le­ge ha­be die Men­schen dann auf ei­nem be­stimm­ten Kor­ri­dor in Si­cher­heit ge­lei­tet, er­zählt der Spre­cher der Bun­des­po­li­zei.

510 Pas­sa­gie­re wa­ren in dem Fern­zug. Hil­fe bei der Räu­mung be­kam das Zug­per­so­nal auch von an­de­rer er­fah­re­ner Sei­te: „Es wa­ren wei­te­re An­ge­hö­ri­ge von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen im Zug“, sagt der Kreis­feu­er­weh­r­inspek­tor Wer­ner Bö­cking, dar­un­ter meh­re­re Feu­er­wehr­leu­te. Und noch ein wei­te­rer glück­li­cher Um­stand ha­be den Ret­tern in die Kar­ten ge­spielt: das Wet­ter. Es war tro­cken am Frei­tag­mor­gen und nicht all­zu kalt. „Das Ver­hal­ten der Leu­te war sehr vor­bild­lich“, sagt der Hel­fer. Vie­le Rei­sen­de hät­ten sich aus­drück­lich bei den Ein­satz­kräf­ten be­dankt.

Der Un­glücks­ort liegt hin­ter ei­ner Bö­schung zur Au­to­bahn 3, da war der Zu­gang nach An­ga­ben der Hel­fer zwar „et­was schwie­rig“. Wenn man aber ein­mal auf der ICE-Stre­cke sei, sei es re­la­tiv eben und al­le Fahr­gäs­te hät­ten über be­fes­tig­te We­ge die nächs­te Stra­ße er­rei­chen kön­nen. Die Rei­sen­den sei­en zu ei­nem Dorf­ge­mein­schafts­haus in der Nä­he und dann teils zum ICE-Bahn­hof Montabaur ge­bracht wor­den. Ei­ni­ge wur­den von An­ge­hö­ri­gen ab­ge­holt oder setz­ten ih­re Rei­se im Ta­xi fort.

Der 20 Jah­re al­te Tim Hüb­ner war mit sei­nem Va­ter un­ter­wegs zu ei­nem Arzt­ter­min in Ulm. Er ha­be im mitt­le­ren Teil des Zu­ges ge­ses­sen und zu­nächst nichts vom Brand mit­be­kom­men, als der Zug plötz­lich ge­hal­ten ha­be und Si­cher­heits­leu­te die Men­schen nach drau­ßen ge­lei­te­ten, er­zählt er. Erst dann ha­be er die Flam­men ge­se­hen. „Bei uns war die Stim­mung ge­nervt bis in­ter­es­siert“, sagt er. „Als man den Brand ge­se­hen hat, war das schon an­ders.“Den Rei­sen­den, die aus dem hin­te­ren Teil des Zu­ges ka­men, sei der Schock teil­wei­se deut­lich an­zu­mer­ken ge­we­sen.

Es ge­be für die ICE-Stre­cke ei­nen Alarm- und Ein­satz­plan, sagt Kreis­feu­er­weh­r­inspek­teur Bö­cking. „Ge­nau nach die­sem Plan wur­de vor­ge­gan­gen und es hat funk­tio­niert.“Man kön- ne von Glück spre­chen, dass der Brand auf frei­er Stre­cke war und nicht in ei­nem Tun­nel.

Die Brand­ur­sa­che war zu­nächst noch un­klar. Die A3 wur­de am Frei­tag für die Lösch­ar­bei­ten zeit­wei­lig ge­sperrt. Auf der Tras­se Frank­furt-Köln bleibt die Schnell­fahr­stre­cke bis min­des­tens Sonn­tag­abend ge­sperrt. löb

Fo­to: Tho­mas Frey/dpa

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