Bau­ern wol­len städ­ti­sche Plä­ne kip­pen

Abendzeitung München - - MÜNCHEN - Von Flo­ri­an Zick

Der Streit um die Fel­der im Münch­ner Nord­os­ten geht in die nächs­te Run­de. Die Stadt will dort bau­en – doch die Land­wir­te weh­ren sich

Es wä­re die größ­te Bau­stel­le in ganz Eu­ro­pa. 30 000 Men­schen sol­len auf den Fel­dern im Münch­ner Nord­os­ten ir­gend­wann mal woh­nen. Mo­men­tan lie­fern sich die dor­ti­gen Bau­ern und die Stadt al­ler­dings noch ei­nen un­er­bitt­li­chen Streit. Der Grund für den Kon­flikt hat drei Buch­sta­ben: SEM. Die­ses Kür­zel steht für städ­te­bau­li­che Ent­wick­lungs­maß­nah­me. Mit die­sem Pla­nungs­in­stru­ment kann sich die Stadt, ver­ein­facht ge­sagt, gro­ße Flä­chen für Bau­pro­jek­te re­ser­vie­ren. Die ört­li­chen Land­wir­te füh­len sich durch die­ses In­stru­ment je­doch mas­siv vor den Kopf ge­sto­ßen.

Dass die Emo­tio­nen so hoch­ko­chen, hat meh­re­re Grün­de. Na­tür­lich geht’s auch um die Bo­den­prei­se. Die wur­den mit der An­kün­di­gung der SEM näm­lich bei zehn Eu­ro pro Qua­drat­me­ter ein­ge­fro­ren. Es geht den Bau­ern aber ganz grund­sätz­lich auch um den Stil.

Ih­nen ein­fach so ein Pla­nungs­in­stru­ment über­stül­pen, oh­ne mit ih­nen zu re­den? „Das kön­nen wir uns nicht bie­ten las­sen“, sagt Land­wirt Hans Ober­franz, der sei­nen Hof in Dagl­fing hat.

Mit ih­rer In­itia­ti­ve Hei­mat­bo­den ver­su­chen die Bau­ern im Um die­ses 680 Hekt­ar gro­ße Ge­biet öst­lich der Flug­ha­fen­li­nie S8 geht’s. Nord­os­ten der Stadt des­halb schon län­ger, die SEM zu Fall zu brin­gen. Und nun glau­ben sie, da­für auch ei­nen viel­ver­spre­chen­den An­satz­punkt ge­fun­den zu ha­ben. Der ju­ris­ti­sche Kern ei­ner städ­te­bau­li­chen Ent­wick­lungs­maß­nah­me ist näm­lich die Ent­eig­nung. Soll­te sich ein Grund­ei­gen­tü­mer quer­stel­len, kann die Stadt im äu­ßers­ten Fall auch zu die­sem Mit­tel grei­fen. Auf Ent­eig­nun­gen will Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Rei­ter (SPD) aber auf je­den Fall ver­zich­ten.

Al­ler­dings: Ei­ne SEM oh­ne Op­ti­on auf Ent­eig­nung – das sei kei­ne SEM mehr. Die An­ord­nung der Stadt sei des­halb „nich­tig und nicht durch­setz­bar“, sagt Hei­mat­bo­den-An­walt Ben­no Zieg­ler.

Bei der Stadt sieht man das frei­lich an­ders. Im Pla­nungs­re­fe­rat von Stadt­bau­rä­tin Eli­sa­beth Merk (par­tei­frei) geht man da­von aus, dass recht­lich al­les ein­wand­frei ist. Die Bau­ern im Nord­os­ten hof­fen nun, dass ihr Pro­test zu­min­dest be­wirkt, dass man di­rekt mit ih­nen re­det. Der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ro­bert Bran­ne­käm­per springt ih­nen da­bei bei. Statt Weih­nachts­lie­der ein­zu­spie­len (AZ be­rich­te­te), sol­le sich der OB lie­ber mal bei den Be­trof­fe­nen bli­cken las­sen, schimpft CSU-Mann Bran­ne­käm­per.

– er war sechs Wo­chen nach der Tat ge­schnappt wor­den – be­gin­nen. Der Pro­zess platz­te je­doch, weil die Ver­tei­di­ger die Ge­richts­be­set­zung mo­nier­ten. Ei­ne vor­ge­se­he­ne Rich­te­rin war im Ur­laub.

Am Frei­tag nun der zwei­te An­lauf. Die Ver­hand­lung wird nach Ver­le­sung der An­kla­ge aber gleich wie­der un­ter­bro­chen. Die Ver­tei­di­ger des Geld­trans­port­er­fah­rers re­gen ein Rechts­ge­spräch an.

Tat­säch­lich kommt es zu ei­ner Ei­ni­gung der Pro­zess­be­tei­lig­ten. Bei ei­nem Ge­ständ­nis darf Ri­jad K. da­von aus­ge­hen, dass er nicht län­ger als vier Jah­re Haft zu be­fürch­ten hat, er­klärt die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Ju­dith En­gel. Der An­ge­klag­te.

Gra­fik: Hei­mat­bo­den

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