„Schwal­be“stürzt ab

Abendzeitung München - - WIRTSCHAFT -

Ei­ne Elek­tro-„Schwal­be“in München. Die Klein­kraft­rä­der kön­nen mit ei­ner App auf dem Smart­pho­ne ge­mie­tet wer­den.

Seit Jahr­zehn­ten knat­tert die „Schwal­be“um die Welt: Ei­ne Mil­li­on der Klein­kraft­rä­der wur­den in der DDR ge­baut – und wur­den Kult. Bis heu­te hat das Mo­dell vie­le Fans in Ost und West. Knapp drei Jahr­zehn­te nach dem Mau­er­fall soll­te die „Schwal­be“zu ei­nem neu­en Hö­hen­flug an­set­zen: Das Münch­ner Start-up Go­ve­cs ver­treibt seit 2017 un­ter dem­sel­ben Na­men ei­nen Elek­trorol­ler, des­sen Form an die Sim­son „Schwal­be“an­ge­lehnt ist. Am Diens­tag woll­te es mit der Re­tro-„Schwal­be“an die Bör­se ge­hen. Doch die Nach­fra­ge hielt sich ganz of­fen­sicht­lich in Gren­zen. Der Bör­sen­gang ist nun we­gen des „schwie­ri­gen Markt­um­felds“auf un­be­stimm­te Zeit ver­scho­ben. Da­bei zei­gen die Zu­las­sungs­zah­len elek­tri­scher Zwei­rä­der in Eu­ro­pa ei­nen ra­san­ten Auf­wärts­trend: Nach den Da­ten des eu­ro­päi­schen Mo­tor­rad­her­stel­ler­ver­bands ACEM wur­den in der EU im ers­ten Halb­jahr 14 150 Elek­trom­o­peds neu an­ge­mel­det. „Wir ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr cir­ca 3000 Fahr­zeu­ge ver­kauft, in die­sem Jahr er­war­ten wir cir­ca 4200 und im kom­men­den Jahr rech­nen wir mit cir­ca 9000“, sagt Go­ve­cs-Chef Tho­mas Gr­ü­bel.

Ab­neh­mer sind bis­lang vor al­lem Sharing-Fir­men, die in gro­ßen Städ­ten wie München Mie­trol­ler an­bie­ten. Fach­leu­te pro­phe­zei­en dem Fahr­zeug-Sharing wei­ter­hin ho­he Wachs­tums­ra­ten – ob zwei- oder vier­räd­rig. Die BMW-Toch­ter Dri­veNow et­wa geht da­von aus, dass in zehn Jah­ren et­wa ein Drit­tel al­ler Au­to­fahr­ten in Deutsch­land mit Car­sha­ring-Wa­gen zu­rück­ge­legt wer­den wird.

Doch auch ab­ge­se­hen vom Sharing-Trend er­freu­en sich Elek­trorol­ler ge­ne­rell stei­gen­der Be­liebt­heit. „Der Zwei­rad­markt wächst“, sagt Go­ve­cs- Chef Gr­ü­bel. „Der Trend hat ganz klar mit der Ur­ba­ni­sie­rung zu tun.“Bei Ben­zin­rol­lern ge­be es in der EU ein jähr­li­ches Wachs­tum der Zu­las­sungs­zah­len von sie­ben Pro­zent. „Bei Elek­trorol­lern sind es mehr als 70 Pro­zent.“ Doch der Wett­be­werb ist hart – und die Kon­kur­renz sehr viel um­satz­stär­ker: Ein ehr­gei­zi­ger Kon­kur­rent der „Schwal­be“ist der „Büf­fel“, so die deut­sche Über­set­zung des chi­ne­si­schen Wor- Fo­to: Ste­phan Jansen/dpa

Das Münch­ner Start-up Go­ve­cs hat mit sei­ner elek­tri­schen Neu­auf­la­ge des Kraft­rads auf ei­nen Hö­hen­flug an der Bör­se ge­setzt – ver­geb­lich

tes „Niu“vom gleich­na­mi­gen Elek­trorol­ler-Her­stel­ler aus der Volks­re­pu­blik. Mitt­ler­wei­le ist auch Eu­ro­pas größ­ter Zwei­rad­her­stel­ler in das E-Ge­schäft ein­ge­stie­gen: Die ita­lie­ni­sche Piaggio-Grup­pe star­te­te im Sep­tem­ber die Pro­duk­ti­on der Ve­s­pa „Elett­ri­ca“, on­line kann der E-Rol­ler aus der Stadt Pi­sa be­reits vor­be­stellt wer­den. Dem Ver­kaufs­start in Eu­ro­pa sol­len 2019 die USA fol­gen.

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