„Kei­ne Bau­sün­de, son­dern Ra­che“

Abendzeitung München - - LESERFORUM -

Die AZ-Le­ser schrei­ben zur al­ten Tier­kli­nik, zu 100 Jah­ren Frei­staat Bay­ern, Ren­te mit 70 und Riss am Hoch­vo­gel

Zu: 100 Jah­re Frei­staat Bay­ern, Fest­akt und AZ-Bei­la­ge (8.11.)

In Reih und Glied

Die Groß­mut­ter mei­ner Frau, Ro­sa Kö­nig, ge­bo­ren 1895, Ar­bei­te­rin bei BMW, hat in ih­rem Ta­ge­buch ih­re Er­leb­nis­se um die Ge­burt des Frei­staa­tes be­schrie­ben. Hier ein Aus­zug:

„Die letz­ten Mo­na­te wa­ren sehr un­ru­hig, bis es end­lich zum Zu­sam­men­bruch vom 8. auf 9. No­vem­ber kam. Und plötz­lich Welt­re­vo­lu­ti­on. Nun war der Tag an­ge­bro­chen, wo sich die Men­schen­mas­sen sam­mel­ten und ei­ne Fir­ma nach der an­de­ren sich an­schloss, um am Kriegs­schluss teil­zu­neh­men.

Mas­sen von Men­schen mar­schier­ten in Reih und Glied durch die Lud­wig­stra­ße und die Thea­ti­ner­stra­ße. Vor­an der Men­ge schritt die Mu­sik. Als wir die Po­li­zei­wa­che in der Wein­stra­ße pas­sier­ten, stürm­ten Män­ner in das Ge­bäu­de. Sie hol­ten die dienst­ha­ben­den Schutz­leu­te raus und war­fen sie un­ter die Men­ge, dass ih­re Pi­ckel­hau­ben un­ter die Mas­sen fie­len. Ein Ent­kom­men war aus­sichts­los, sie wa­ren ge­gen die Mas­se wehr­los und muss­ten eben­so mit­mar­schie­ren ob sie woll­ten oder nicht. Im­mer schrien ei­ni­ge Ar­bei­ter „Nie­der mit der Resl, nie­der mit der Ge­bär­ma­schi­ne“, sie mein­ten die Kö­ni­gin Ma­ria The­re­sia. Der Zug be­weg­te sich schrei­end und lär­mend zum Frie­dens­en­gel. Es war ein grau­sa­mes Durch­ein­an­der-Ge­schrei.

Am Frie­dens­en­gel wur­de Halt ge­macht, es spiel­te noch­mals die Mu­sik und lang­sam ver­streu­te sich die Mas­se und man trat den Heim­marsch an. Es war ei­ne lan­ge Stre­cke für mich bis nach Mil­berts­ho­fen. Das Werk war ge­schlos­sen, aber wir be­ka­men noch ei­nen Ab­schlag von vier Wo­chen aus­be­zahlt, den wir uns wö­chent­lich ab­ho­len muss­ten.“

Wolf­gang Sto­epha­si­us

Dank für die Bei­la­ge

Sapp­ra­lott, was für a Freid, die Bei­la­ge zur so­wie­so gschma­cki­gen Abend­zei­tung. D’Oma hat im­mer gsagt, de Bel­eig macht’s und d’Suppn. Oh­ne Kas und oh­ne Schmarrn, auch vom Lay­out, Pres­se­kunst pur. Baye­risch, an­sehn­lich, ap­pe­tit­lich. Von dem von mir ver­ehr­ten Wolf­gang Krebs, Oma Mat­hil­da, Mühlhi­asl, Schof­kopfa, Mül­ler bis zum Spreisl-Rät­sel.

No wos, i ko no Boarisch und es mir a Freid, wenn i’s hör. Das Deck­blatt, die Ti­tel­sei­te 1 mit *. Mei­ne Ehe­frau, mei­ne Buam (Söh­ne), de­ren Part­ne­rin­nen, Münch­ner.

Ob­wohl, ehr­lich gsagt war München frü­her au­then­ti­scher. Und vor al­lem, ned so hek­tisch.

Wolf­gang Bau­mann

„De­mo­kra­tie braucht Hu­mor“(7.11.)

Bloß kein Mu­se­um

Von Ger­hard Polt stammt der Spruch „Wo Hei­mat auf­ge­hört hat, Hei­mat zu sein, ent­steht ein Hei­mat­mu­se­um“. Vi­el­leicht emp­fiehlt es sich des­halb, den Hu­mor am Le­ben zu las­sen und das ge­plan­te Fo­rum „Hu­mor und ko­mi­sche Kunst“nicht wei­ter­hin Hu­mor­mu­se­um zu nen­nen. Hans Hu­ber

„Hoch­vo­gel: Angst vor rie­si­gem Fels­sturz“(8.11.)

Knapp da­ne­ben

Un­ter dem Fo­to ist in der zwei­ten Spal­te zu le­sen: „... Die ge­mes­se­nen Mil­li­me­ter der­zeit stel­len kei­ne bri­ti­sche Ver­schie­bung dar“. Müss­te wohl lau­ten: „kri­ti­sche“.

Le­on­hard Frank

Ve­ry bri­tish?

Auch am Hoch­vo­gel „kei­ne bri­ti­sche Be­schleu­ni­gung“. Hat wohl was mit dem Br­ex­it zu tun. Man kann nur hof­fen, dass der­sel­be nicht auch ei­nen Ab­sturz in nächs­ter Zeit er­lei­det.

Uwe Ko­s­tel­ecky

Kon­trol­liert spren­gen

Die Na­tur rich­tet sich be­kannt­lich nicht nach un­se­rem Ter­min­ka­len­der – soll hei­ßen – das „ir­gend­wann“kann je­der­zeit ein­tre­ten.

Oh­ne dass ich jetzt die nä­he­re/n Um­ge­bung/Um­stän­de vor Ort ken­ne, soll­te hier nicht ge­war­tet wer­den, bis et­was pas­siert, son­dern be­reits jetzt ei­ne ge­ziel­te Spren­gung durch­ge­führt wer­den. Der nächs­te Schnee/Frost steht vor der Tür

und der Spalt wird grö­ßer wer­den – so si­cher wie das Amen in der Kir­che. Micha­el Fi­gul­la Ab­riss der al­ten Tier­kli­nik

Ein Traum!

Wenn man den Bild­ver­gleich der al­ten Tier­kli­nik und neu­en Bau­ten an­schaut, dann kom­men ei­nem die Wut­trä­nen. So ei­ne „Fuß­gän­ger­be­reich-Kauf­haus­schach­tel“am Ein­gang zum Eng­li­schen Gar­ten hin­zu­stel­len, ist kei­ne Frech­heit, Fehl­pla­nung oder Bau­sün­de, son­dern die Ra­che des Ex-Kul­tus­mi­nis­ter Lud­wig Spa­en­le (als Bau­herr) an den Münch­ner Bür­gern, die ihn ein­fach nicht lei­den kön­nen.

War­um er­neu­ert man nicht die klei­nen Flach­bau­ten eben­falls im Ju­gend­stil mit den Haupt­ge­bäu­den? Und un­ter den al­te Stal­lun­gen wä­re ge­nü­gend Platz für ei­ne Tief­ga­ra­ge! Und dar­über das al­te Tor mit ei­nem Ju­gend­stil-Ca­fe, of­fen zum Eng­li­schen Gar­ten. Ein Traum! Se­bas­ti­an Ewen­der

„Ren­te mit 70!“(8.11.)

Spür­ba­re Ent­las­tung

Die so­ge­nann­ten fünf Wei­sen aus dem eins­ti­gen Wirt­schafts­wun­der­land Deutsch­land hat­ten wie­der ih­ren gro­ßen Tag und ta­ten das, was die­se Theo­re­ti­ker be­son­ders gut kön­nen: schlau da­her­re­den. An­sons­ten fast al­les wie ge­habt, auch wie­der die For­de­rung, das Ren­ten­ein­tritts­al­ter auf 70 an­zu­he­ben. Sehr gut aber, wie­der ein­mal an die­sen ver­ma­le­dei­ten So­li zu er­in­nern mit dem Ver­lan­gen, ihn kom­plett ab­zu­schaf­fen. Das wä­re ei­ne spür­ba­re Er­leich­te­rung für uns Nor­mal­bür­ger. Pe­ter Kühn

Zu: Er­fah­run­gen mit der MVG

Nicht hin­set­zen!

Vor ei­ni­ger Zeit stieg ich in die Li­nie 19, mei­ne Strei­fen­kar­te zum Stem­peln hat­te ich in der Hand. Die Tram­bahn fuhr an, ich set­ze mich auf den Sitz ne­ben dem Ent­wer­ter und woll­te ent­wer­ten. Da hielt mir ei­ne Kon­trol­leu­rin den Ent­wert­er­schlitz zu. Ich woll­te an ei­nem an­de­ren Ent­wer­ter das Glei­che tun, jetzt ste­hend, da hielt ih­re Kol­le­gin eben­falls mit ih­rer Hand den Ent­wer­ter zu.

Auf mei­ne Be­schwer­de wur­de mir mit­ge­teilt: „Hin­set­zen vor dem Ent­wer­ten ist ver­bo­ten!“Auch wenn die Tram oder der Bus ruck­ar­tig an­fah­ren und dann ei­ne Fall­ge­fahr be­steht. 60 Eu­ro wa­ren fäl­lig!

Ros­ma­rie Mai­er

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