„Boa“: Ein Ma­ga­zin mit po­li­ti­scher Bot­schaft

Abendzeitung München - - SPORT -

Hal­tung. Dar­um geht es Jé­rô­me Boateng in sei­nem Ma­ga­zin „Boa“, das an die­sem Sams­tag zum ers­ten Mal er­scheint (Preis: 4,90 ₠), eben auch – ne­ben den The­men Li­fe­style, Mo­de, Mu­sik und Sport, die den Ver­tei­di­ger des FC Bay­ern be­son­ders in­ter­es­sie­ren.

Und dar­um hat sich Boateng für die Pre­mie­ren­aus­ga­be ei­nen mei­nungs­star­ken Ge­sprächs­part­ner ge­sucht: Sän­ger Her­bert Grö­ne­mey­er, be­kannt für sein En­ga­ge­ment ge­gen Ras­sis­mus, ana­ly­siert in ei­nem Dop­pe­l­in­ter­view mit Boateng, was in Deutsch­land gera­de so al­les schief­läuft – der Bay­ern-Pro­fi wird da­bei deut­lich. „Wenn Rech­te auf­mar­schie­ren und Na­zi­pa­ro­len pro­pa­gie­ren, muss man den Mund auf­ma­chen“, sagt Boateng an ei­ner Stel­le.

Für ei­nen Fuß­ball­star ist ei­ne sol­che Po­si­tio­nie­rung nicht all­täg­lich. Das hat im Som­mer der Fall Me­sut Özil ge­zeigt, als vie­le Na­tio­nal­spie­ler schwie­gen, ob­wohl ihr Kol­le­ge Pö­be­lei­en aus der rech­ten Ecke er­tra­gen dem Fuß­ball kom­men. Das wird schwer. Wenn ich ei­nen wüss­te, wür­de ich nächs­tes Jahr auf­hö­ren.“

Ach, schon 2019? Zu den Fak­ten: Erst im No­vem­ber kom­men­den Jah­res ste­hen wie­der Wah­len zum Prä­si­di­um an. Zur Er­in­ne­rung: Seit 2009, mit der Un­ter­bre­chung we­gen sei­ner Ge­fäng­nis­stra­fe als ver­ur­teil­ter Steu­er­sün­der, ist Ho­en­eß Prä­si­dent

Bay­erns Jé­rô­me Boateng bringt ein Li­fe­style-Heft her­aus. Die AZ hat die ers­te Aus­ga­be ge­le­sen

muss­te. „Nach dem Tur­nier erst wur­de mir klar, dass wir im Team viel mehr für Me­sut hät­ten tun und uns öf­fent­lich für ihn stark ma­chen kön­nen“, sagt Boateng jetzt.

Der 30-Jäh­ri­ge, der als Kind selbst ras­sis­tisch be­lei­digt und so­gar „be­spuckt“wur­de, wie er er­zählt, und laut ei­ge­ner Aus­sa­ge auch heu­te noch in Sta­di­en als „Scheiß­ne­ger“be­schimpft wird, will ein an­de­res Bild von sei­nem Hei­mat­land zeich­nen. „Wir ste­hen für ein Deutsch­land, das coo­ler und bun­ter und op­ti­mis­ti­scher ist. Da­für will ich kämp­fen“, sagt er. Spe­zi­ell für sei­ne Zwil­ling­s­töch­ter. So sieht er aus – der Ti­tel des ers­ten „Boa“-Ma­ga­zins. „Sie sind sie­ben Jah­re alt. Bald wer­de ich mit ih­nen über das The­ma spre­chen müs­sen.“Es ge­be Or­te in Deutsch­land, an die er sei­ne Töch­ter nicht auf Klas­sen­rei­se fah­ren las­sen wür­de, in die Ber­li­ner Orts­tei­le Mar­zahn oder Wei­ßen­see et­wa – „mit an­de­rer Haut­far­be hast du da im­mer et­was zu be­fürch­ten“.

Da­für, dass Boateng sagt, er wol­le „nicht den Po­li­ti­ker spie­len“, steckt das Heft vol­ler po­li­ti­scher Bot­schaf­ten – ge­gen rechts, ge­gen Ras­sis­mus, für mehr To­le­ranz. Und das ist lo­bens­wert. „Boa“soll nach AZIn­for­ma­tio­nen sechs Mal jähr­lich er­schei­nen, Na­mens­ge­ber Boateng wird im­mer das Co­ver zie­ren. In der ers­ten Aus­ga­be sind u.a. In­ter­views mit Mu­sik­pro­du­zent DJ Kha­led, der Mo­de-In­flu­en­ce­rin Ca­ro Daur so­wie den Schau­spie­lern Ki­da Ra­ma­dan und Vey­sel Ge­lin („4 Blocks“) zu le­sen.

Wie die AZ er­fuhr, sieht der FC Bay­ern Boa­tengs neu­es Pro­jekt ent­spannt. Be­fürch­tun­gen, der Welt­meis­ter kön­ne ne­ben dem Fuß­ball zu viel Zeit da­für auf­wen­den, gibt es of­fen­bar nicht. Gut so. Es ist si­cher nicht ver­kehrt, dass ein Fuß­ball­star mal Hal­tung zeigt. Ganz und gar nicht. Ma­xi­mi­li­an Koch

Der Prä­si­dent ging noch ei­nen Schritt wei­ter. Stich­wort Nach­fol­ge-Re­ge­lung, die Ope­ra­ti­on Woll­milch­sau:

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.