Kar­di­nal Marx for­dert: „Mehr für die Ärms­ten“

Abendzeitung München - - MÜNCHEN -

Zu Be­such bei den Ärms­ten der Ar­men: Kar­di­nal Marx am Frei­tag im Män­ner­wohn­heim im Ge­spräch mit Be­woh­nern.

Men­schen ha­ben Grund­rech­te, und da­zu ge­hört ein Dach über dem Kopf, ge­nug Es­sen und ei­ne ge­sund­heit­li­che Ver­sor­gung.“Der Mann, der dies sagt, sticht im Män­ner­wohn­heim an der Pil­gers­hei­mer Stra­ße her­vor: Es ist Kar­di­nal Marx, der hier­her, nach Un­ter­gie­sing, zum Ad­vents­be­such bei den Ärms­ten der Ar­men ge­kom­men ist – zu Münch­nern, die kein Dach über dem Kopf und oft nicht ge­nug Es­sen ha­ben. Marx nimmt sich Zeit, hört ih­nen zu – und feu­ert ne­ben­her auch ein paar Breit­sei­ten in Rich­tung Stadt und Staat ab. Das Män­ner­wohn­heim wird von der Ka­tho­li­schen Kir­che mit­fi­nan­ziert. Er sei dank­bar, sagt Marx, dass die Kir­che Be­dürf­ti­gen ih­re Grund­rech­te hier zur Ver­fü­gung stel­len kön­ne. Dar­über, dass das über­haupt nö­tig ist, zeigt sich der Kar­di­nal aber frus­triert: Er be­klagt feh­len­de staat­li­che und städ­ti­sche Hil­fen.

Die Woh­nungs­not in Mün­chen sei pre­kär, es ge­be im­mer mehr Leu­te, die ar­bei­ten und sich trotz­dem kei­ne Woh­nung in der Stadt leis­ten kön­nen. Auch, dass im­mer mehr Men­schen viel zu schnell aus dem Kran­ken­haus ent­las­sen wer­den und dann me­di­zi­ni­sche Hil­fe bei kirch­li­chen In­sti­tu­tio­nen su­chen müs­sen, sei be­denk­lich. An­ge­lou:ist 83 und trinkt im Haus an der Pil­gers­hei­mer Stra­ße ger­ne Kaf­fee. Er hat ei­ne Woh­nung in Mün­chen, al­ler­dings ist nach der Mie­te nichts mehr von sei­ner Ren­te üb­rig. Er ist sehr dank­bar, dass er im Haus güns­tig Es­sen und trin­ken kann. In sei­ner Hei­mat Grie­chen­land sei das an­ders. „Al­les ist kor­rupt. Ich ha­be für Grie­chen­land ge­kämpft, aber von mei­nem Land spü­re ich kei­ne Dank­bar­keit.“Hier sei er sehr zu­frie­den, und er kom­me, wann im­mer es die Ge­sund­heit zu­lässt. Pro­to­kol­le: P. Nöll­ke „Wir hel­fen ja ger­ne, aber Grund­be­dürf­nis­se dür­fen nicht von frei­wil­li­ger Spen­den­ba­sis ab­hän­gen. Das kann so nicht blei­ben, das ist un­mög­lich“, mahnt Marx.

In Un­ter­gie­sing trifft Marx auch Münch­ner, die zwar Ar­beit Ni­co be­ginnt im Ja­nu­ar sei­ne Aus­bil­dung zur Al­ten­pfle­gerFach­kraft. Er wohnt nicht in der Pil­gers­hei­mer Stra­ße, son­dern kommt zum Es­sen vor­bei. Frü­her zahl­te er 800 Eu­ro Mie­te, da­durch hat­te er kaum et­was von sei­nem Mo­nats­ge­halt. „Die Ein­rich­tung ist ei­ne tol­le Sa­che, auch für äl­te­re Men­schen. Die­se ver­ein­sa­men oft, aber hier fin­det man im­mer Kon­tak­te.“Von der Kir­che wünscht sich Ni­co vor al­lem aber mehr En­ga­ge­ment. „Man soll­te nicht nur an Weih­nach­ten spen­da­bel sein.“ ha­ben, aber trotz­dem auf An­ge­bo­te in dem Haus an­ge­wie­sen sind. Hin­ter­her zeigt er sich be­trof­fen. Der Kar­di­nal be­zeich­net es als „schlimm“, dass Men­schen die ar­bei­ten, in Mün­chen nicht ge­nug Geld zum Le­ben ha­ben. Man dür­fe „die Ar­men und ih­re Pro­ble­me nicht ver­ges­sen“, mahnt Marx. An der Pil­gers­hei­mer Stra­ße auf je­den Fall ste­hen die Ar­men seit Jahr­zehn­ten im Mit­tel­punkt – und das mit Un­ter­stüt­zung der Kir­che. Da­bei hat sich das An­ge­bot wei­ter­ent­wi­ckelt.

Im tra­di­ti­ons­rei­chen Wohn­heim teil­ten sich einst schon mal 15 Män­ner ein Zim­mer – heu­te sind es nicht mehr als zwei. Auch psy­cho­lo­gi­sche und ärzt­li­che Be­treu­ung spie­len heu­te ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Und: Heu­te kom­men mehr jün­ge­re Män­ner ins Haus als frü­her. Die­ses Jahr ha­ben knapp 1000 Män­ner Über­nach­tun­gen in An­spruch ge­nom­men, 1400 wur­den so­zi­al be­ra­ten.

Zu sei­nem Be­such bringt der Kar­di­nal ei­ne Spen­de von 15 000 Eu­ro mit. Die Kir­che müs­se sich wei­ter für sol­che Pro­jek­te ein­set­zen, auch ge­ra­de, wenn es der Staat nicht tue. Denn: „Die Kir­che kann nur die Kir­che Je­su Chris­ti sein, wenn sie sich auch für ih­re Ärms­ten ein­setzt.“

Paul Nöll­ke

Beim Be­such bei Woh­nungs­lo­sen in Un­ter­gie­sing kri­ti­siert er man­geln­de staat­li­che Un­ter­stüt­zung

Fo­tos: Pe­tra Schra­mek

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