„Kanz­le­rin bin ich ja auch noch“

Abendzeitung München - - POLITIK -

In ih­rer Ab­schieds­re­de ruft An­ge­la Mer­kel die Christ­de­mo­kra­ten zur Zu­ver­sicht auf, wit­zelt über ih­ren ei­ge­nen Po­li­tik­stil – und er­hält da­für zehn Mi­nu­ten lang Ap­plaus

Zum Ab­schied gab’s für die schei­den­de Vor­sit­zen­de ei­nen Takt­stock von Star-Di­ri­gent Kent Na­ga­no: An­ge­la Mer­kels Vi­ze, der hes­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier, über­reich­te ihr den Stab, mit dem Na­ga­no wäh­rend des G20-Gip­fels in Ham­burg 2017 für die Staats­gäs­te Beet­ho­vens Neun­te di­ri­giert hat­te. In ei­ner Wid­mung be­zeich­net Na­ga­no Mer­kel als „die wich­tigs­te Di­ri­gen­tin der Welt­po­li­tik.“

Zu­vor hat­te Mer­kel die De­le­gier­ten in ih­rer Ab­schieds­re­de zu Zu­ver­sicht und Mut für die Zu­kunft auf­ge­ru­fen. Die CDU sei die Par­tei, die sich für den Zu­sam­men­halt ein­set­ze, sag­te sie. „Wir Christ­de­mo­kra­ten gren­zen uns ab, aber nie­mals aus.“Christ­de­mo­kra­ten wür­den nie­mals het­zen oder an­de­re Men­schen nie­der­ma­chen.

Es ge­be für sie kei­ne Un­ter­schie­de bei der Wür­de der Men­schen. „Wir Christ­de­mo­kra­ten die­nen den Men­schen un­se­res Lan­des.“

Die Zu­kunft gut ge­stal­ten kön­ne man nicht mit Miss­gunst und Zwie­tracht, son­dern nur mit Zu­ver­sicht und Freu­de. „Es ist die­se Fröh­lich­keit im Her­zen, die ich mei­ner Par­tei auch für die Zu­kunft wün­sche.“Wenn sie sich die­se be­hal­te, „wer­den wir Christ­de­mo­kra­ten auch in Zu­kunft zu­sam­men­füh­ren und zu­sam­men füh­ren“.

Mer­kel er­in­ner­te dar­an, dass es auf Bun­des­ebe­ne nur die CDU ge­schafft ha­be, mehr als 50 Jah­re an der Re­gie­rung be­tei­ligt zu sein. „Ge­lun­gen ist das, weil wir im­mer auf bei­des ge­ach­tet ha­ben: Po­li­tik zu ge- stal­ten auf der Grund­la­ge un­se­rer Wer­te – aber auch mit der Be­reit­schaft wahr­zu­neh­men, was um uns her­um ge­schieht. Weil wir im­mer wuss­ten, dass kon­ser­va­tiv nicht von Kon­ser­ve kommt, son­dern da­von, zu be­wah­ren, was uns stark macht, und zu ver­än­dern, was uns hin­dert.“Wo­hin Dan­ke für 18 Jah­re CDU-Vor­sitz: De­le­gier­te auf dem Par­tei­tag. nicht en­den wol­len­der Streit füh­re, hät­ten CDU und CSU in den letz­ten Mo­na­ten ge­zeigt.

Über ih­ren oft kri­ti­sier­ten Stil, nicht auf je­de Atta­cke des po­li­ti­schen Geg­ners gleich wort­reich zu re­agie­ren, wit­zel­te sie: „Ich weiß sehr wohl, dass ich Eu­re Ner­ven da­mit sehr auf die Pro­be ge­stellt ha­be.“Ab­schlie­ßend füg­te sie hin­zu: „Für mei­ne Ver­bun­den­heit mit der Par­tei brau­che ich kei­nen Par­tei­vor­sitz – und Bun­des­kanz­le­rin bin ich ja auch noch.“Nach 34 Mi­nu­ten schloss sie mit deut­lich zit­tern­der Stim­me. „Es war mir ei­ne gro­ße Freu­de, es war mir ei­ne Eh­re. Herz­li­chen Dank.“

Die De­le­gier­ten ver­ab­schie­de­ten Mer­kel mit knapp zehn­mi­nü­ti­gen Stan­ding Ova­tions. Vie­le hiel­ten „Dan­ke Che­fin!“-Schil­der in die Luft.

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