Ihr Auf­trag: ver­söh­nen

Abendzeitung München - - POLITIK -

Was für ei­ne Kar­rie­re! Vor zwölf Mo­na­ten noch war An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er die Mi­nis­ter­prä­si­den­tin des kleins­ten deut­schen Flä­chen­lan­des, die weit­hin un­be­ach­tet und un­auf­ge­regt mit der SPD in Saar­brü­cken re­gier­te. Nun löst sie An­ge­la Mer­kel als CDU-Che­fin ab.

Auch wenn der kan­ti­ge und schnei­dig for­mu­lie­ren­de Fried­rich Merz der Fa­vo­rit der Ba­sis war, ge­ra­de weil er nie­mals in das Sys­tem Mer­kel in­vol­viert war und für ei­nen ech­ten Neu­an­fang stand, woll­ten die De­le­gier­ten in Ham­burg kei­ne ab­rup­te Kehrt­wen­de um 180 Grad, son­dern ei­ne eher mo­de­ra­te Kurs­kor­rek­tur. Denn lan­ge Zeit war Mer­kels Stra­te­gie, die Uni­on so breit in der Mit­te auf­zu­stel­len, dass sie wahl­wei­se mit der FDP, der SPD oder neu­er­dings so­gar mit den Grü­nen re­gie­ren kann, über­aus er­folg­reich. Die Uni­on hat­te ei­ne struk­tu­rel­le Mehr­heits­fä­hig­keit, die SPD wur­de mar­gi­na­li­siert.

Im Ge­gen­satz zum Ein­zel­kämp­fer und So­lis­ten Merz ist Kramp-Kar­ren­bau­er mit ih­rer Em­pa­thie, ih­rer zu­ge­wand­ten Art und ih­rer Team­fä­hig­keit ge­fragt. Sie muss ei­ne dop­pel­te Ver­söh­nungs­ar­beit leis­ten – ei­ner­seits den tie­fen Riss, der quer durch die CDU selbst geht, so kit­ten, dass es zu kei­ner Spal­tung der Par­tei kommt, an­de­rer­seits das tie­fe Zer­würf­nis mit der baye­ri­schen Schwes­ter­par­tei be­en­den. Das kann ge­lin­gen, weil in Kürze auch CSU-Chef Horst See­ho­fer ab­tritt und sein de­si­gnier­ter Nach­fol­ger Mar­kus Sö­der die Hand zur Zu­sam­men­ar­beit be­reits aus­ge­streckt hat.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.