„Bei Merz klingt ein Hauch See­ho­fer mit“

Abendzeitung München - - POLITIK -

Hält man so ei­ne Re­de, wenn man Stim­men ge­win­nen will? Die De­le­gier­ten konn­ten sa­gen: Ja, das ist ei­ne von uns. So füh­len wir doch auch. Sie kennt die Par­tei von in­nen. Sie hat die Par­tei auch von in­nen ver­kos­tet. Das spürt man. Da­ge­gen war die Rhe­to­rik von Merz viel schär­fer und här­ter. AKK ist al­so die Rich­ti­ge für die CDU, aber ist sie auch die Der Nie­der­ge­schla­ge­ne: Fried­rich Merz. Ex­per­te Wei­den­feld sagt: „Je nach The­ma wä­re die CSU mit Merz pro­vo­ziert wor­den.“ Bes­te bei Wah­len? Wä­re das nicht Merz mit sei­nem schär­fe­ren Pro­fil? Mit ih­rer Art hat Frau Kramp­Kar­ren­bau­er Wah­len ge­won­nen. Sie hat nach­ge­wie­sen, dass sie Wah­len ge­win­nen kann. Sie wird sich be­mü­hen, dass ih­re Ge­gen­kan­di­da­ten die CDU in spür­ba­rer Form mit ver­tre­ten. Das wür­de ich ihr auch ra­ten, denn was man in Ham­burg an Hö­hen­flug er­lebt hat, ist ja nicht das Werk ei­ner ein­zel­nen Per­son. Der Wett­be­werb, die Art der Dis­kus­si­on, die da­bei vor­ge­brach­ten Ide­en – man könn­te fast sa­gen, das Trio AKK/Merz/Spahn war ei­ne Art Ge­samt­kunst­werk. Hat die CDU ih­rer Schwes­ter­par­tei CSU vor­ge­macht, wie man ei­nen „ge­ord­ne­ten Über­gang“hin­be­kommt? Ja, das kann man wohl sa­gen. Die CSU hat sich ein que­ru­la­to­ri­sches Mar­ken­pro­fil er­ar­bei­tet und es fällt ihr sehr schwer, sich da­von zu er­ho­len, denn so et­was ver­gisst man nicht von heu­te auf mor­gen. Der CDUÜber­gang wä­re ein Mo­dell für die an­de­ren Par­tei­en, auch für die SPD. Die Füh­rungs­de­bat­te bei der SPD und der Zorn der Par­tei­vor­sit­zen­den über ih­re Kri­ti­ker zei­gen, dass es bei der SPD auch nicht so ge­klappt hat. Die kön­nen sich al­le bei der CDU was ab­gu­cken. Vie­len in der CSU wä­re Fried­rich Merz als CDU-Chef lie­ber ge­we­sen. Wie wird die Schwes­ter­par­tei mit AKK zu­recht­kom­men? Ich ha­be von An­fang an ge­sagt, Kramp­Kar­ren­bau­er und nicht Merz wä­re für die CSU am an­ge­nehms­ten. Denn Merz hat ei­ne ganz schar­fe Form der Po­in­tie­rung und Rhe­to­rik, mit der man sich schnell in Kon­flik­te ver­stri­cken kann. Bei ihm klingt ein Hauch See­ho­fer mit, was pro­vo­ziert. Je nach The­ma wä­re die CSU mit Merz pro­vo­ziert wor­den, wäh­rend Frau Kramp-Kar­ren­bau­er sehr viel wei­cher und kom­pro­miss­be­rei­ter im Um­gang ist. Sie hat ei­ne so­zia­le Kom­po­nen­te, wel­che die CSU ja auch hat. Im All­tag wä­re es für die CSU mit Fried­rich Merz kom­pli­zier­ter ge­wor­den. Wer­den wir AKK als Kanz­le­rin se­hen? Am En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode – ja. Es gibt jetzt ei­ne gu­te Lö­sung für die Ko­ali­ti­ons­par­tei CDU, aber es gab am Frei­tag auch ei­nen gu­ten Auf­tritt der Kanz­le­rin. Frau Mer­kel hat ei­ne Art his­to­ri­sche Bi­lanz auf­ge­macht. Die De­le­gier­ten wa­ren stolz, dass sie da­bei wa­ren. War­um soll man das jetzt in ir­gend­wel­che Streit­lö­cher fal­len­las­sen? Mer­kel wird bis zum En­de durch­ma­chen. Die Haupt­bot­schaft von Frei­tag war: Die­ser Geist von Ham­burg darf nicht das En­de, son­dern muss der An­fang ei­ner Ent­wick­lung sein. In­ter­view: Ralf Müller „Kramp-Kar­ren­bau­er hat die See­le der CDU be­son­ders in­ten­siv ge­strei­chelt“, sagt Wei­den­feld.

Fo­to: Micha­el Kap­peler/dpa

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