Für die SPD wird’s kaum leich­ter

Abendzeitung München - - POLITIK -

Der Macht­wech­sel bei der CDU sorgt bei den Ge­nos­sen für ge­misch­te Ge­füh­le

Ei­ne nüch­ter­ne Gra­tu­la­ti­on an die neue CDU-Vor­sit­zen­de An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, ver­bun­den mit dem An­ge­bot ei­ner gu­ten Zu­sam­men­ar­beit in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on. Viel mehr kommt am Frei­tag­abend nicht von SPD-Che­fin Andrea Nah­les. Nach der Rich­tungs­wahl beim Re­gie­rungs­part­ner CDU muss sich die SPD erst ein­mal sor­tie­ren. Dass AKK nach 18 Jah­ren An­ge­la Mer­kel an der CDU-Spit­ze ab­löst, wird auch Aus­wir­kun­gen auf die SPD ha­ben. Wel­che dies sein wer­den, ist nach dem Wahl-Kri­mi beim CDU-Par­tei­tag so un­klar wie um­strit­ten in der ums Über­le­ben kämp­fen­den So­zi­al­de­mo­kra­tie. Im Ber­li­ner Wil­ly-Brandt-Haus wur­de der Kampf um den CDU-Vor­sitz mit äu­ßerst ge­misch­ten Ge­füh­len ver­folgt, heißt es im Um­feld der SPD-Spit­ze. Von ei­nem „ge­wis­sen Neid“et­wa ist die Re­de, weil sich wo­chen­lang al­le Auf­merk­sam­keit im Land auf die Christ­de­mo­kra­ten ge­rich­tet hat. Die wirk­ten quick­le­ben­dig, wie ein Mus­ter­bei­spiel für in­ner­par­tei­li­che De­mo­kra­tie.

Vie­le So­zi­al­de­mo­kra­ten plagt die Furcht, dass die CDU ih­ren Ab­stand mit dem Schwung aus der Wahl Kramp-Kar­ren­bau­ers noch wei­ter ver­grö­ßern könn­te. Zwar steht die Saar­län­de­rin den al­ler­meis­ten So­zi­al­de­mo­kra­ten in in­halt­li­chen Fra­gen deut­lich nä­her als ih­re Mit­be­wer­ber Fried­rich Merz und Jens Spahn. An­de­rer­seits: In ei­nem deut­li­che­ren Rechts­ruck beim Ko­ali­ti­ons­part­ner CDU, wie er un­ter Spahn oder Merz zu er­war­ten ge­we­sen wä­re, hät­ten man­che in der SPD Vor­tei­le ge­se­hen.

Denn An­ge­la Mer­kel hat­te die CDU in­halt­lich weit nach links ge­rückt und da­mit die Spiel­räu­me für die SPD eng ge­macht. Mit der Link­s­par­tei und den bä­ren­star­ken Grü­nen aber ist die Kon­kur­renz im lin­ken Spek­trum groß. Dass die Chan­cen ge­stie­gen sind, dass An­ge­la Mer­kel mit ih­rer Ver­trau­ten AKK wei­te­re drei Jah­re Bun­des­kanz­le­rin bleibt, schmeckt nicht je­dem in der SPD. Vie­le fin­den, Mer­kel sei die Haupt­ver­ant­wort­li­che für den Nie­der­gang der SPD, weil sie scham­los so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Po­si­tio­nen „ge­klaut“ha­be. In der Be­wer­tung des Füh­rungs­wech­sels bei der CDU zeigt sich aber ein­mal mehr die Kluft zwi­schen den Be­für­wor­tern und Geg­nern der Gro­Ko. Die­je­ni­gen, die wie Par­tei-Che­fin Nah­les oder die sechs so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Bun­des­mi­nis­ter zu­min­dest im Mo­ment kei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Re­gie­ren se­hen, hof­fen, nun erst ein­mal Zeit ge­won­nen zu ha­ben. Je­ne Krei­se in der Par­tei, die von An­fang an ge­gen den Gang in die Gro­Ko wa­ren und glau­ben, nur in der Op­po­si­ti­on kön­ne die SPD wie­der stark wer­den, füh­len sich in ih­rer Po­si­ti­on be­stä­tigt. Par­tei­lin­ke Hil­de Matt­heis et­wa sag­te der AZ: „Die Wahl von AKK wird auch ei­nen Kurs­wech­sel nach rechts be­deu­ten und da­mit für die SPD den Druck er­hö­hen, mög­lichst rasch aus die­ser Gro­ßen Ko­ali­ti­on aus­zu­stei­gen.“bju

Fo­to: dpa

Nah­les.

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