Rent­ner, weib­lich – arm

Abendzeitung München - - WIRTSCHAFT -

In Bay­ern be­kom­men mehr als 70 Pro­zent der Frau­en ei­ne ge­setz­li­che Al­ters­si­che­rung, die kaum zum Le­ben reicht. Die Fak­ten, die Fol­gen

Der Frei­staat ist reich. Doch seit Jah­ren zeich­net sich ein Trend ab, der be­un­ru­higt. Denn die­je­ni­gen, die nach ei­nem lan­gen Be­rufs­le­ben in Ren­te ge­hen, ha­ben nur we­nig vom baye­ri­schen Wohl­stand – ins­be­son­de­re, wenn sie weib­li­chen Ge­schlechts sind. Der Baye­ri­sche Ver­band des Deut­schen Ge­werk­schafts­bunds (DGB) hat in sei­nem vier­ten Ren­ten­re­port Zah­len der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung aus­ge­wer­tet, die teils er­schre­ckend sind: Dem­nach lie­gen im Schnitt mehr als 70 Pro­zent der Frau­en, die 2017 in Bay­ern in Ren­te gin­gen, mit ei­ner ge­setz­li­chen Ren­te von we­ni­ger als 900 Eu­ro un­ter der Ar­muts­ge­fähr­dungs­schwel­le (1074 Eu­ro). Nicht er­fasst sind da­bei an­de­re For­men der Al­ters­si­che­rung, al­so et­wa Be­triebs­ren­te oder pri­va­te Vor­sor­ge. Al­ler­dings, sagt Mat­thi­as Je­na, Vor­stand des DGB Bay­ern, sei die ge­setz­li­che Al­ters­vor­sor­ge nach wie vor die zen­tra­le Säu­le der Vor­sor­ge.

Zu­dem könn­ten ge­ra­de die Men­schen, die im Be­rufs­le­ben we­nig ver­die­nen und so­mit auch nur ei­ne nied­ri­ge Ren­te be­zie­hen, es sich nicht leis­ten, Geld fürs Al­ter zu­rück­zu­le­gen. „Nied­ri­ge Löh­ne und pri­va­te Vor­sor­ge schlie­ßen sich fak­tisch aus“, so Je­na. Ei­ne Rent­ne­rin sitzt be­sorgt über ih­ren Rech­nun­gen. Vie­le Frau­en in Bay­ern er­hal­ten nach ih­rem Ar­beits­le­ben nur we­nig Al­ters­si­che­rung.

Der Ab­stand zwi­schen Män­nern und Frau­en im Frei­staat ist bei der Ren­te groß: Män­ner, die 2017 in Ren­te gin­gen, er­hiel­ten ei­ne durch­schnitt­li­che Ren­te von 1081 Eu­ro, Frau­en mit den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen da­ge­gen nur 684 Eu­ro.

Da­mit er­hiel­ten die Rent­ne­rin­nen 37 Pro­zent we­ni­ger Geld als die Män­ner. Die Lü­cke bei den Ren­ten klafft da­mit so­gar noch wei­ter aus­ein­an­der als beim Ver­dienst – hier liegt die Dif­fe­renz in Bay­ern „nur“bei 24 Pro­zent.

Doch nicht nur zwi­schen Män­nern und Frau­en gibt es gro­ße Ren­ten­un­ter­schie­de – auch in­ner­halb des Frei­staats ist die ge­setz­li­che Al­ters­si­che­rung un­ter­schied­lich ver­teilt. Das meis­te Geld ha­ben Neu­rent­ner im Schnitt im Land­kreis Er­lan­gen-Höch­stadt zur Ver­fü­gung, näm­lich 1368 Eu­ro. Am we­nigs­ten ge­setz­li­che Ren­te be­kom­men Män­ner in der Stadt Augs­burg: Hier wa­ren es 2017 nur 662 Eu­ro. War­um es aus­ge­rech­net in der Fug­ger­stadt so we­nig Ren­te gibt, ist nicht er­fasst.

Die Neu­rent­ne­rin­nen be­kom­men mit durch­schnitt­lich 883 Eu­ro im Land­kreis Mün­chen am meis­ten vom Staat, am we­nigs­ten im nie­der­baye­ri­schen Land­kreis Re­gen (527 Eu­ro). In Mün­chen Stadt be­ka­men Neu­rent­ner durch­schnitt­lich 944 Eu­ro, Neu­rent­ne­rin­nen 823 Eu­ro.

Eben­falls er­fasst der Re­port, wann die Men­schen in Bay­ern in Ren­te ge­hen. Da­bei zeigt sich, dass die schritt­wei­se Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters auf 67 – wie von der Po­li­tik an­ge­strebt – in der Rea­li­tät noch lan­ge nicht an­ge­kom­men ist. Sta­tis­tisch ar­bei­ten Män­ner und Frau­en im Schnitt zwar 1,7 Jah­re län­ger als noch im Jahr 2000, je­doch lag das durch­schnitt­li­che Ren­ten­ein­tritts­al­ter für Frau­en im Jahr 2017 bei 64,2 Jah­ren. Män­ner gin­gen im letz­ten Jahr schon mit 63,9 Jah­ren in Ren­te. Die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des DGB Bay­ern, Ve­re­na Di Pas­qua­le, wies auch auf den Zu­sam­men­hang zwi­schen nied­ri­ger Ren­te und pre­kä­ren Ar­beits­ver­hält­nis­sen hin. „Nur mit gu­ter Ar­beit ge­hen auch gu­te Ren­ten ein­her“, so Di Pas­qua­le. Des­halb sei ei­ne der zen­tra­len For­de­run­gen des DGB, den Nied­rig­lohn­sek­tor in Deutsch­land end­lich aus­zu­trock­nen und mehr Leu­te in Nor­mal­ar­beit zu brin­gen. Zu­dem un­ter­stützt der DGB Bay­ern die Be­stre­bung der Bun­des­re­gie­rung, das Ren­ten­ni­veau bei min­des­tens 48 Pro­zent zu hal­ten. Die­ses müs­se lang­fris­tig je­doch an­ge­ho­ben und sta­bi­li­siert wer­den, sagt Di Pas­qua­le. Ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­ben, et­wa die Zah­lung der Müt­ter­ren­te, müss­ten nicht aus den Ren­ten-Bei­trä­gen, son­dern aus Steu­er­mit­teln fi­nan­ziert wer­den.

Ein wei­te­rer Vor­schlag, um nied­ri­gen Ren­ten vor­zu­beu­gen: Nied­ri­ge Ein­kom­men soll­ten in der Ren­ten­ver­si­che­rung auf­ge­wer­tet wer­den – et­wa, in­dem man die Ent­gelt­punk­te für Ge­ring­ver­die­ner er­höht.

Li­sa Ma­rie Al­brecht

Fo­to: ima­go

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