AfD: Un­treue-Vor­wurf ei­ne „Lach­num­mer“?

Abendzeitung München - - POLITIK -

Die Bre­mer AfD hat den Un­treue-Vor­wurf ge­gen ih­ren Lan­des­vor­sit­zen­den Frank Ma­gnitz zu­rück­ge­wie­sen. Der Vor­wurf auf­grund der An­zei­ge ei­nes ehe­ma­li­gen AfD-Schatz­meis­ters sei halt­los, heißt es in ei­ner am Wo­che­n­en­de ver­öf­fent­lich­ten Pres­se­mit­tei­lung.

Die Par­tei re­agier­te da­mit auf Be­rich­te über Er­mitt­lun­gen der Bre­mer Staats­an­walt­schaft we­gen Un­treue ge­gen Ma­gnitz, der auch Ab­ge­ord­ne­ter des Bun­des­ta­ges ist. Da­für hat­te der Bun­des­tag sei­ne Im­mu­ni­tät auf­ge­ho­ben. Der 66-Jäh­ri­ge ist in den Schlag­zei­len, weil er Op­fer ei­ner Ge­waltat­ta­cke wur­de.

Aus­lö­ser für das Ver­fah­ren we­gen des Ver­dachts der Un­treue ist ei­ne Straf­an­zei­ge aus dem De­zem­ber. In­halt­lich ge­he es um Par­tei­gel­der, sag­te der Spre­cher der Staats­an­walt­schaft, Frank Pas­sa­de.

Ma­gnitz selbst sag­te der Zei­tung „Bild am Sonn­tag“: „Es geht um un­ge­fähr 724 Eu­ro.“Der Ma­gis­trat ha­be ihm die Ord­nungs­mä­ßig­keit der Abrech­nung be­reits be­stä­tigt. „Das ist ei­ne Lach­num­mer“, mein­te der AfD-Po­li­ti­ker.

Von ei­ner Mi­ni-Mer­kel ist längst kei­ne Re­de mehr. Fünf Wo­chen ist es erst her, dass der Ham­bur­ger Par­tei­tag An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (AKK) zur Vor­sit­zen­den und da­mit nach 18 Jah­ren An­ge­la Mer­kel zur neu­en mäch­ti­gen Frau der CDU ge­wählt hat. Doch seit­her hat sich schon ei­ni­ges ge­än­dert.

Die künf­ti­gen Auf­ga­ben ih­res un­ter­le­ge­nen Wi­der­sa­chers Fried­rich Merz sind ge­re­gelt – mehr oder min­der je­den­falls. Auch der quä­len­de Dau­er­streit mit der CSU scheint be­en­det, vor­erst zu­min­dest.

Und die Neue zeigt Zäh­ne: Vor der Klau­sur des CDU-Bun­des­vor­stan­des, die ges­tern be­gon­nen hat, wies AKK ei­ne Per­so­nal­de­bat­te um die Nach­fol­ge der Kanz­le­rin zu­rück. Es sei ihr Recht als Par­tei­che­fin, ei­nen Spit­zen­kan­di­da­ten für die nächs­te Kan­di­da­tur vor­zu­schla­gen. „Das galt für al­le Vor­sit­zen­de der CDU und das wird auch für mich gel­ten“, sag­te sie der „Welt am Sonn­tag“. Ei­ne Spit­ze in Rich­tung des Mer­zLa­gers.

Zwar sind die in­ter­nen Kri­ti­ker, die lie­ber den Sau­er­län­der an der Spit­ze ge­se­hen hät­ten, lei­ser ge­wor­den. Doch AKK wird sich kaum täu­schen las­sen. 2019 wird ein knall­har­tes Jahr für sie. Es wird das Jahr, in dem sie ih­re Meis­ter­stü­cke ab­lie­fern muss.

Kramp-Kar­ren­bau­er pocht auf ihr Vor­schlags­recht in Sa­chen Kanz­ler­kan­di­da­tur und führt die CDU erst­mals als Chefin in die Vor­stands­klau­sur. Die Themen: Eu­ro­pa, Ren­te und Mi­gra­ti­on

Die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen kom­men mit der Eu­ro­pa­wahl am 26. Mai und im Herbst mit den wich­ti­gen Land­tags­wah­len in Sach­sen und Bran­den­burg am 1. Sep­tem­ber und in Thü­rin­gen am 27. Ok­to­ber.

Kann Kramp-Kar­ren­bau­er der an­ge­sichts von Wahl­plei­ten und mie­sen Um­fra­gen ver­un­si­cher­ten Par­tei so viel Kamp­fes­mut ein­imp­fen, dass die Wah­len nicht wie­der zum De­sas­ter wer­den? Viel wird da­von ab­hän­gen, ob die CDU mit ihr das voll­bringt, was auch Merz ver­spro­chen hat­te: der AfD ei­ne gro­ße Zahl der aus Ent­täu­schung zu den Rechts­po­pu­lis­ten über­ge­lau­fe­nen Wäh­ler wie­der ab­zu­ja­gen.

Die CDU-Vor­stands­klau­sur in Pots­dam soll da­zu den Start­schuss ge­ben – mehr nicht. Um­fang­rei­che theo­re­ti­sche Ma­ni­fes­te sei­en nicht ge­plant, war zu hö­ren. Es ge­he um ei­ne Ar­beits­klau­sur. Nach ei­nem eher kur­zen Rück­blick auf die ver­korks­ten ein­ein­halb Jah­re nach der Bun­des­tags­wahl 2017 soll vor al­lem die Pla­nung für die nächs­ten Mo­na­te fest­ge­zurrt wer­den. Ei­ne Idee da­bei könn­te ein Ren­ten­kon­zept sein. Kramp-Kar­ren­bau­er kün­dig­te im „Be­richt aus Ber­lin“an, die CDU wer­de hier ei­nen ei­ge­nen Vor­stoß ma­chen.

Auch über das „Werk­statt­ge­spräch“zur Mi­gra­ti­ons­po­li­tik, das im Fe­bru­ar statt­fin­den soll, will die CDU-Spit­ze spre­chen. AKK muss da­bei den Spa­gat hin­be­kom­men, sich nicht zu stark von ih­rer För­de­re­r­in Mer­kel zu dis­tan­zie­ren – aber doch deut­lich ge­nug, um den Dau­er­streit mit der CSU zu be­frie­den und das Ge­mur­re in den ei­ge­nen Rei­hen zu be­en­den.

Im Fo­kus der Klau­sur steht je­doch die Eu­ro­pa­wahl – das The­ma, das CDU und CSU der­zeit zu­sam­men­schweißt wie lan­ge nichts mehr. Ge­mein­sam wol­len die schwar­zen Schwes­tern aus dem Tief. Auch des­we­gen ist der Streit ge­ra­de vor­bei, der die Uni­ons­ge­mein­schaft ver­gan­ge­nen Som­mer in der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik bei­na­he ge­sprengt hät­te. Die CDU-Chefin hat für heu­te CSU-Vi­ze Man­fred Weber nach Pots­dam ein­ge­la­den, den Spit­zen­kan­di­da­ten der kon­ser­va­ti­ven Eu­ro­päi­schen Volks­par­tei (EVP). In ei­nem am Sams­tag ins In­ter­net ge­stell­ten Vi­deo zei­gen bei­de trau­te Ein­tracht. Weber be­teu­ert: „Kämp­fen wer­den wir!“

Fo­to: dpa

Seit fünf Wo­chen Vor­sit­zen­de der CDU: An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er.

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