Vier We­ge, kei­ne Lö­sung

Abendzeitung München - - SPORT -

Lö­wen-Ge­schäfts­füh­rer Scha­rold stellt ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en für die 1860-Zu­kunft vor – mit und oh­ne In­ves­tor. Wor­um es geht, was das für den Sport be­deu­tet, was Is­ma­ik sagt: Fra­gen und Ant­wor­ten

Vier Mo­del­le. Zwei Ge­sell­schaf­ter. Al­les an­de­re als Ein­tracht. Kein Fuß­ball­klub der Welt kann den Er­folg pla­nen, doch der TSV 1860 hat es ob zwei­er Pla­nun­gen in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen gleich dop­pelt schwer. Wäh­rend sich Trai­ner Da­ni­el Bier­of­ka und sei­ne Spie­ler auf die Rest-Rück­run­de vor­be­rei­ten, sind sich Ver­eins­bos­se und In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik mal wie­der un­eins über Sech­zigs Stra­te­gie.

Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Scha­rold ist seit rund ei­nem Jahr im Amt. Im In­ter­view mit der „SZ“blick­te er auf „ein groß­ar­ti­ges Jahr für Sech­zig“zu­rück, stell­te aber klar: „1860 ist nach wie vor ein kran­kes Un­ter­neh­men.“Den Bos­sen um Prä­si­dent Ro­bert Rei­sin­ger und Is­ma­ik ha­be er vier We­ge auf­ge­zeigt – von der schmerz­haf­ten Lin­de­rung bis hin zu ei­ner mög­li­chen Hei­lung. Die AZ mit den wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zur Lö­wen-Zu­kunft.

Seit Is­maiks Ein­stieg 2011 ver­stri­cken sich die Sechz­ger in Wir­run­gen. Jetzt hat Scha­rold vier neue Va­ri­an­ten vor­ge­stellt.

„Ich ha­be den Ge­sell­schaf­tern im De­zem­ber schrift­lich vier ver­schie­de­ne We­ge – mit oder oh­ne Ge­sell­schaf­ter­mit­tel – auf­ge­zeigt, wie wir mit­tel­fris­tig zu dem Ziel kom­men, ein aus­ge­gli­che­nes und wett­be­werbs­fä­hi­ges Bud­get auf­stel­len zu kön­nen“, so der KGaA-Boss. Die­ses sei zu­al­ler­erst, „Er­lö­se zu stei­gern“, wo­bei man auch „die Kos­ten sen­ken“kön­ne.

Je nach Zeit und Mög­lich­kei­ten kön­ne Scha­rold an ge­wis­sen Stell­schrau­ben dre­hen, bis sich das Un­ter­neh­men selbst tra­gen kön­ne.

Ak­tu­ell scheint es auf ei­nen har­ten „Kon­so­li­die­rungs­kurs“hin­aus­zu­lau­fen, wie es Scha­rold be­zeich­net. Dem wür­de wohl die U21 zum Op­fer fal­len, der Etat für die Pro­fis wie das NLZ deut­lich re­du­ziert – für die ers­te Elf wohl um bis zu zwei Mil­lio­nen.

Die 1860-Ver­eins­obe­ren sa­gen noch gar nichts, auch nicht auf AZ-Nach­fra­ge. Is­maiks Spre­cher Sa­ki Sti­mo­nia­ris äu­ßer­te sich ges­tern Abend – und warf Rei­sin­ger und Co. durch de­ren an­ge­kün­dig­te Ver­weh­rung von Dar­le­hen und Ge­nuss-Schei­nen Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit vor. „Die Ver­wei­ge­rung von Ge­nuss­Schei­nen sei­tens des e.V. ist ins­be­son­de­re für die sport­li­che Ent­wick­lung der Mann­schaft nicht nur fahr­läs­sig, son­dern aus un­se­rer Sicht auch höchst be­dau­er­lich“, schrieb der Auf­sichts­rat in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung: „Ei­ne ein­sei­ti­ge Be­zahl­pflicht bei Un­ter­neh­men mit meh­re­ren Ge­sell­schaf­tern ist we­der exis­tent noch trag­fä­hig.“Is­ma­ik da­ge­gen wol­le sei­ner Ver­ant­wor­tung ge­gen­über „Trai­ner, Mann­schaft und al­len vor­an der treu­en Fans“des TSV ge­recht wer­den. Heißt: Is­ma­ik er­klärt sei­ne Ab­sicht, 1860 wei­ter un­ter die Ar­me zu grei­fen. Zwar nicht zu wel­chen Be­din­gun­gen, doch er er­höht da­mit den Druck auf die Ver­eins­sei­te, der er da­mit un­ter­stellt, Sech­zig klein halten zu wol­len. Geld be­deu­tet kei­ne Win­terVer­stär­kun­gen.

Kein Seit ei­nem Jahr im Amt: Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Scha­rold. „Es wird kei­ne Zu­gän­ge ge­ben“, stellt Co-Trai­ner Oli­ver Beer klar – Bier­of­ka und Go­ren­zel schwei­gen. Der As­sis­tenz­coach ver­traue „un­se­ren Jungs und den jun­gen Spie­lern“. Der ein­ge­schla­ge­ne Spar­kurs be­deu­te viel­mehr wei­te­re Ab­gän­ge. Hier­zu konn­te Beer kei­ne Aus­künf­te ge­ben und ver­wies auf die Pha­se nach dem Trai­nings­la­ger – das Trans­fer­fens­ter schließt am 31. Ja­nu­ar. Das Ziel Auf­stieg in Li­ga zwei müs­se man laut Bier­of­ka nach hin­ten ver­schie­ben.

Ne­ben ei­ner Ka­pa­zi­täts­er­wei­te­rung des Grün­wal­der Sta­di­ons und ei­ner ver­bes­ser­ten Ver­mark­tung heißt das Stich­wort: Spon­so­ren.

Doch auch hier gibt’s Zoff: Die „Un­ter­neh­mer für Sech­zig“hel­fen der Lö­wen-Ju­gend be­reits mit meh­re­ren Trans­por­tern der Mar­ke „IVE­CO“und weh­ren sich nun ge­gen die von Scha­rold im SZ-In­ter­view ge­äu­ßer­te Kri­tik, man dür­fe das En­ga­ge­ment vor­han­de­ner Geld­ge­ber wie in die­sem Fall Fahr­zeug-Spon­sor MAN nicht „kon­ter­ka­rie­ren“: Scha­rolds Wor­te sei­en „ver­wun­der­lich“und man ha­be die Un­ter­stüt­zung „mit al­len zu­stän­di­gen Stel­len im Ver­ein ab­ge­spro­chen“. Wenn nur grund­sätz­lich al­le Gre­mi­en bei 1860 mit­ein­an­der spre­chen wür­den, wä­ren vie­le un­ge­lös­ten Zu­kunfts­fra­gen schnel­ler ge­klärt – vi­el­leicht auch tat­säch­lich die­je­ni­ge, wie Is­ma­ik 1860 zur Zuf­rie­den­heit bei­der Ge­sell­schaf­ter un­ter­stüt­zen könn­te. Mat­thi­as Ei­cher

Fo­to: im­a­go

Was be­deu­tet der Still­stand für den sport­li­chen Weg?

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