Ei­ne in­tel­li­gen­te Klei­dung für Pfle­ger

Abendzeitung München - - Wirtschaft -

He­ben, bü­cken, kni­en – die schlau­en Stof­fe er­ken­nen die Be­we­gun­gen von Pfle­ge­kräf­ten, um ih­nen die Ar­beit zu er­leich­tern. Ein Pro­to­typ wird auf der In­ter­na­tio­na­len Hand­werks­mes­se vor­ge­stellt

Die Pfle­ge­rin setzt den Pa­ti­en­ten im Bett auf, hebt ihn auf ei­nen Stuhl und bückt sich, um ihm die Schu­he an­zu­zie­hen. Auf der Rück­sei­te ih­res T-Shirts zieht sich ein Band aus Ka­beln und Pla­ti­nen die Wir­bel­säu­le ent­lang: Vier Sensoren mes­sen, wie schnell die Pfle­ge­rin sich be­wegt, ob sie in die Knie geht und den Rumpf dreht.

Die Schnei­de­rei von Knut Star­rin­ger aus Schro­ben­hau­sen hat das T-Shirt her­ge­stellt, das er auf der In­ter­na­tio­na­len Hand­werks­mes­se (IHM) in Mün­chen prä­sen­tiert. Ziel ist es, den Pfle­gern ih­re Ar­beit zu er­leich­tern. „Wenn wir die Leis­tung der Pfle­ge­kräf­te mess­bar ma­chen, wird das auch mehr ge­wür­digt wer­den“, sagt Star­rin­ger. Seit 2013 ent­wi­ckelt er zu­sam­men mit dem Fraun­ho­fer In­sti­tut und drei wei­te­ren Fir­men die schlaue Be­rufs­klei­dung.

Noch sind die Sensoren nicht in den Stoff ein­ge­ar­bei­tet, noch kann man sie nicht mit­wa­schen. „Aber wir wis­sen, dass die Idee rea­li­sier­bar ist“, sagt Star­rin­ger. In drei Jah­ren soll das Pro­dukt ein­satz­be­reit sein.

Auf Hö­he der Hüf­te ist im T-Shirt ein Plätt­chen ein­ge­ar­bei­tet, das die Be­we­gungs­da­ten per Blue­tooth an ein Ta­blet oder Smart­pho­ne sen­det. Die Sensoren sol- len er­fas­sen, wel­chen Be­las­tun­gen Pfle­ger aus­ge­setzt sind. Dem­ent­spre­chend wird die Soft­ware den Pfle­gern Übun­gen vor­schla­gen – et­wa, wie sie ih­ren Rü­cken stär­ken kön­nen. Au­ßer­dem hakt sie ab, wel­che Auf­ga­ben der Pfle­ger schon er­le­digt hat. Das spart Ar­beit bei der Do­ku­men­ta­ti­on.

Vor al­lem am­bu­lan­te Pfle­ge­diens­te sol­len von der schlau­en Klei­dung pro­fi­tie­ren: Mit ei­ner Pla­nungs­soft­ware kön­nen sie die Tou­ren der Pfle­ger in Echt­zeit an­pas­sen. Die Mit­ar­bei­ter sol­len die Sensoren ein­schal- ten, wenn sie das Haus des Pa­ti­en­ten be­tre­ten.

Ge­werk­schaf­ter blei­ben arg­wöh­nisch. „Die Tech­nik ist ge­eig­net, die Ar­beit­neh­mer-Leis­tung zu über­wa­chen“, sagt ein Ver­di-Be­auf­trag­ter. „Das kann da­zu füh­ren, dass ein Ar­beit­ge­ber Sank­tio­nen ge­gen Mit­ar­bei­ter er­greift, bei de­nen et­wa län­ge­re Ar­beits­un­ter­bre­chun­gen auf­ge­zeich­net wer­den.“

Fo­to: dpa

Drei Frau­en de­mons­trie­ren auf der Hand­werks­mes­se die Funk­ti­ons­wei­se des For­schungs­pro­jek­tes. Sensoren in der Klei­dung – wie sol­che auf dem rech­ten Bild – re­agie­ren auf die Be­we­gung der Pfle­ger.

Ein Ta­blet spei­chert die Be­las­tun­gen der Pfle­ger.

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