Das Schlüs­sel­fräu­lein

Abendzeitung München - - MÜNCHEN -

Wer ei­nen Schlüs­sel oder ein Schloss brauch­te, ging in die Blu­men­stra­ße zu Thek­la Fo­ag. Die Münch­ner Schlos­se­rin be­trieb an der Ecke zum Se­bas­ti­ans­platz ei­nen Schup­pen und war nur als das „Schlüs­sel­fräu­lein“be­kannt.

Fo­ag wur­de im Ju­ni 1868 ge­bo­ren und hat­te das Hand­werk von ih­rem Va­ter ge­lernt. Sie war nie ver­hei­ra­tet, ob­wohl es frei­lich vie­le Be­wer­ber gab.

Die Schlos­se­rin war als Haus­be­sit­ze­rin ei­ne gu­te Par­tie. „Schlüs­sel, Alt­me­tal­le und Tand­le­rei“, so hat­te sie of­fi­zi­ell ihr Ge­wer­be re­gis­trie­ren las­sen. Meis­tens stand sie auf der Stra­ße vor dem La­den, denn drin­nen war auf­grund des Sam­mel­su­ri­ums nicht viel Platz.

Das win­zi­ge Ge­schäft war nicht nur Werk­statt, son­dern auch ei­ne Art Fund­bü­ro. Wo ein Schlüs­sel ver­lo­ren­ging, Thek­la Fo­ag fand im­mer pas­sen­den Er­satz in ih­ren ei­ser­nen Schät­zen, die sie täg­lich putz­te und öl­te. Für das glück­li­che Zu­sam­men­fin­den von Schloss und Schlüs­sel ver­lang­te sie in der Re­gel „a Zwanz­gerl“, oder eben ei­nen al­ten Schlüs­sel.

Der Han­del mit den Schlüs­seln al­lein scheint ihr nicht ge­nügt zu ha­ben, of­fen­bar ar­bei­te­te sie ne­ben­bei auch als Un­ter­hal­tungs­sän­ge­rin. Thek­la Fo­ag starb im Al­ter von 73 Jah­ren am 21. Ja­nu­ar 1942. an Me­tall

Frau mit Lie­be für Me­tall: Thek­la Fo­ag im Jahr 1915.

Stey­rer stemmt sei­nen Sohn.

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