Als Pink Floyd noch neu war

Abendzeitung München - - KULTUR - Ma­thi­as He­j­ny

Das Freie Thea­ter Mün­chen er­zählt in „Pop Amok“die Ge­schich­te ei­ner Band

Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Rei­ter kommt auch vor. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te er sich vom Kon­zert von Ro­ger Wa­ters in der Olym­pia­hal­le we­gen an­ti­se­mi­ti­scher Äu­ße­run­gen des bri­ti­schen Rock­mu­si­kers dis­tan­ziert. Ju­ris­tisch hat­te er kei­ne Hand­ha­be, die Ver­an­stal­tung zu ver­hin­dern.

Wa­ters und Pink Floyd sind wie­der­um nur ei­ne Rand­no­tiz, denn die Band, de­ren Ge­schich­te bis weit in ei­ne fer­ne Zu­kunft er­zählt wird, ist Die Hal­lo­dus. Ihr Er­fin­der ist der in Mün­chen ge­bo­re­ne und seit ei­ni­gen Jah­ren in Ber­lin le­ben­de Mar­kus Ri­ex­in­ger.

Der Schau­spie­ler, Ro­man­au­tor und Dra­ma­ti­ker ent­wi­ckelt sich zum Haus­au­tor des Frei­en Thea­ters Mün­chen, das nach dem Tod des Grün­ders Ge­or­ge Fro­scher 2015 von Kurt Bild­stein ge­lei­tet wird. „Pop Amok“ist das zwei­te Werk für das FTM und mit sei­nen schlan­ken 30 Sei­ten ein sa­ti­ri­scher Ritt über die Mi­nen­fel­der zwi­schen Kunst, Po­li­tik und Mo­ral.

Die Hal­lo­dus sind ein Pop­trio auf der Hö­he ih­res Er­folgs, das zu ei­nem an­ti­fa­schis­ti­schen Kon­zert in Nord­ko­rea ein­ge­la­den wird. Dort dreht ei­ner der Mu­si­ker durch, tö­tet die Band­mit­glie­der und schließ­lich sich selbst. Künf­ti­ge His­to­ri­ker fin­den nur noch Ar­te­fak­te wie ein Lexikon der Rock­mu­sik und aus al­ten Qu­el­len den Hin­weis, dass es sich bei „Na­zis“um ei­ne be­droh­te Be­völ­ke­rungs­grup­pe ge­han­delt ha­ben muss.

So­gar die Künst­ler des 21. Jahr­hun­derts hat­ten sich ge­gen sie ver­schwo­ren: „Kunst muss ein­deu­tig sein, ei­ne kla­re Bo­schaft

ha­ben“, er­klär­ten die Hal­lo­dus da­mals. „Die Bot­schaft ist: Ge­gen Na­zis. Tief­grün­di­ger geht es nicht“.

In sei­ner Urauf­füh­rungs­in­sze­nie­rung in der Hal­le des Muc­ca ver­webt Kurt Bild­stein die fik­ti­ve Pop­band mit au­then­ti­schen Kun­st­äu­ße­run­gen wie den Hit­ler-Gruß, der zu den Per­for­man­ces von Jo­na­than Mee­se ge­hört. Der Dis­kurs dar­über, ob Künst­ler be­un­ru­hi­gen dür­fen oder auf die Funk­ti­on der Hof­nar­ren be­schränkt sind, ge­rät bei Bild­stein mit sei­nem acht­köp­fi­gen En­sem­ble und den drei Mu­si­kern zu ei­nem Hap­pe­ning wie zu je­nen Zei­ten, als Pink Floyd noch et­was Neu­es war.

Ri­ex­in­gers kris­tal­len kla­re Spiel­vor­la­ge wird un­ter der lär­mi­gen Auf­ge­regt­heit der Chö­re und Cho­reo­gra­fi­en ver­schüt­tet. Doch man­che der star­ken Bil­der prä­gen sich tief ein.

Muc­ca, im Krea­ti­vquar­tier, Schwe­re-Rei­ter-Stra­ße 2, wie­der vom 21. bis 23. No­vem­ber um 20.30 Uhr, Kar­ten un­ter 0170114188­7

Fo­to: Tom Hau­zen­ber­ger

Das Freie Thea­ter Mün­chen ver­kör­pert recht glaub­haft die Band Hal­lo­dus.

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