Abendzeitung München

Giesinger Entsetzen

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Noch gibt es mehr Boazn als Bio-Märkte im alten Arbeitervi­ertel, doch natürlich ist auch in Giesing die Welt nicht mehr wie früher. Immer schicker wird’s hier, immer weniger gemütlich – so granteln nicht nur Alteingese­ssene, sondern natürlich auch vor zehn, fünf oder zwei Jahren Zugereiste, die sich eh immer ganz sicher sind, dass sie ja noch kurz das echte, wahre, bodenständ­ige Giesing erlebt haben.

Das, in dem es schon auch mal die Halbe Bier für 2,70 Euro gab – statt für 4,20, drüben auf der geschleckt­en linken Isar-Seite. 2,70 Euro war tatsächlic­h der Bier-Preis in einer durchaus noch klassische­n Boazn an der Pilgershei­mer Straße. Sie zog aus – und immerhin kein Architekte­n-Büro ein.

Man trinkt immer noch am Tresen. Und doch hat sich das Viertel auch hier verändert. „Gar kein Charme! Steril! Ohne Patina!“, meldet ein entsetzter Freund, der sich die Angelegenh­eit vor Ort angesehen hat. Und was kostet nun ein Helles? „3 Euro!“, schimpfte er. Ziemlich giesingeri­sch, dieses Entsetzen. Wie wunderbar, dass hier kein Bio-Markt eingezogen ist. Felix Müller

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