Abendzeitung München

Semmeln und Gold

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Ich könnte reich sein – würde ich nur auf ihn hören. Das versichert mir mein Bäcker jede Woche, wenn ich mir eine Semmel oder ein paar Brezn bei ihm hole. „Wissen Sie, wie viel Gold es auf der Welt gibt?“, fragt er. Wenn ich ihm sage, dass ich das nicht weiß, beugt er sich geheimnisk­rämerisch über die Theke und flüstert: „Nur ganz wenig, alles Gold der Welt passt in einen Würfel.“Wie groß der Würfel ist, führt er nicht aus, aber einen Tipp hat er trotzdem: „Da müssen Sie jetzt zuschlagen, noch ist es günstig!“

Doch er empfiehlt, nicht nur Gold zu kaufen, sondern auch Kryptowähr­ungen, Aktien von obskuren Unternehme­n oder sogar Kaffeebohn­en. Wenn ich ihn frage, ob er denn selbst investiert habe, wiegelt er immer ab: „Ich habe schon genug Geld...“. All das ist nicht besonders vertrauens­erweckend, weshalb ich noch nie einen Investment-Tipp meines Bäckers befolgt habe. Vielleicht ein Fehler, der Goldpreis ist letzte Woche immerhin 0,4 Prozent gestiegen und zumindest bei meinem Bäcker wird auch der Kaffee immer teurer. Paul Nöllke

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