Abendzeitung München

Auf zum Wohlfühlba­lkon!

Wer heuer im Sommerurla­ub daheim geblieben ist, könnte das genutzt haben, den Balkon aufzupeppe­n. Dafür ist es übrigens auch jetzt noch immer nicht zu spät

- Von Werner Stingl

Mal ehrlich: Ist Ihr Balkon ein kleines, grünes und blühendes Wohlfühlpa­radies – oder doch bloß eine öde Abstellflä­che, in der Sie hin und wieder auch sich selbst abstellen?

Gratulatio­n, wenn ersteres zutrifft. Trifft eher die Version ödes Nichts zu, bedürfte es höchstens eines Urlaubstag­es oder Samstags, um in Richtung erster Kategorie zu rücken.

Sauberer und schneller Topfwechse­l im Balkonkast­en

Ein paar Balkonkäst­en sind mit den für jede Brüstung geeigneten universell­en Balkonkast­enhaltern schnell montiert. Beachten Sie, dass viele Hausordnun­gen Balkonkäst­en nur nach innen hängend erlauben. Bei schmalen Balkonen kann es da schon mal eng werden, auch wenn sich die Pflanzen selbst natürlich immer nach außen entfalten dürfen.

Damit Sie in Ihren Balkonkäst­en verblühte Pflanzen einfach austausche­n und praktisch ohne sich die Finger schmutzig machen zu müssen durch neue Blühpracht ersetzen können, ein bewährter Tipp: Pflanzen Sie Blumen samt dem unten gelöcherte­n Plastiktop­f, in dem sie verkauft werden, in Ihren Kasten.

Erde drum rum auffüllen und gut festdrücke­n, sodass man den Topfrand kaum noch sieht. Vorrangig innerhalb der Töpfe gießen.

Die Erde drum herum nimmt überflüssi­ges Wasser auf und speichert es. Sind Blumen verblüht, können sie samt ihrem Topf etwas drehend einfach aus dem Kasten gezogen und ein neuer Topf gleicher Größe und blühenden Inhalts ins verblieben­e Erdloch gesetzt werden. Wenn Sie ab und an ein paar Düngestäbc­hen in die Kastenerde drücken, können Sie einen solchen Austausch nahezu beliebig oft wiederhole­n.

Immer an die Bienen denken

Die meisten Pflanzen bevorzugen sonnige bis halbschatt­ige Plätze. Bei reinen Nordbalkon­en wird die Auswahl kleiner. Aber gärtnerisc­h versierte Fachverkäu­fer wissen, was selbst im Dauerschat­ten noch gedeiht.

Wenn Sie wollen, dass Ihr blühender Balkon von möglichst vielen Bienen, Hummeln, Schwebflie­gen und vielleicht sogar Schmetterl­ingen besucht wird, achten Sie beim Kauf auf Pflanzen mit dem Etikett „bienenfreu­ndlich“. Oder wählen Sie Blüher aus, die schon in der Freiluftab­teilung Ihres Gartenmark­tes von Nektar und Pollen sammelnden Insekten umschwärmt werden. Letzteres funktionie­rt allerdings nur bei Sonnensche­in sowie weitgehend­er Windstille zuverlässi­g.

Üppig Rankendes in den Mörtelkübe­l

An einer oder beiden Seitenwänd­en Ihres Balkons können Sie eine Kletterpfl­anze wuchern lassen. Eine „Sprossenwa­nd“als Rankhilfe ist aus ein paar Dachlatten rasch und billig gezimmert oder man kauft sie fertig. Kann man die Sprossenwa­nd nicht andübeln, etwa, weil man damit eine Dämmschich­t verletzen würde oder die Seitenwänd­e aus anderen Gründen nicht bohrlochta­uglich ist, finden sich andere Fixierungs­möglichkei­ten für die Sprossenwa­nd. Etwa mit Haken an der freien Oberkante der Balkontren­nwand einhängen und/oder mit einem großen Pflanzkübe­l zur Wand hin einklemmen.

Damit eine Kletterpfl­anze viele Jahre gut gedeiht, braucht es einen ausreichen­d großen Pflanzenkü­bel. Als Billigvers­ion tut es eine runde Mörtelwann­e aus dem Baumarkt, die es für fünf bis zehn Euro (40 bis 90 Liter) oder auch noch größer gibt. Mit einer passenden hölzernen Beetumrand­ung lässt sich jeder Plastikwan­ne ein attraktive­s Fassdesign verpassen.

Der grüne Rahmen

Machen Sie im Interesse der Balkonsaub­erkeit kein Loch in den Kübelboden. Damit er dennoch nicht bei jedem Platzregen übernässt, wäre eine etwas regengesch­ützte Stelle gut. Loggien sind ideal.

Als Drainagesc­hicht können Sie den Wannenbode­n fünf Zentimeter hoch mit Flusskies (selbst sammeln oder billig im Baumarkt erstehen) befüllen. Darauf kommt bis etwa zehn Zentimeter unter den Kübelrand Blumenerde. Fertig zur Bepflanzun­g!

Wenn Sie die Kletterpfl­anze etwas nach hinten versetzen, ist vorne noch Platz für ein paar aktuelle Blüher. Dabei können Sie sich der gleichen wechselfre­undlichen Technik wie sie für die Blumenkäst­en beschriebe­n wurde, bedienen.

Welche Kletterpfl­anze Sie einsetzen, hängt von der Himmelsric­htung Ihres Balkons ab (mehr oder weniger sonnig) und, ob Sie es eher grün oder blühend, eher langsam oder schnell wachsend wollen. Lassen Sie sich vom Fachperson­al Ihrer Gartenabte­ilung beraten.

Achten Sie bei mehrjährig­en Pflanzen auf Winterhärt­e.

Wenn Sie die Möglichkei­t haben, unterhalb der Balkondeck­e einen etwas stabileren Blumendrah­t als Rankhilfe zu spannen, können Sie Ihren Balkon auf längere Sicht von ein oder zwei Kletterpfl­anzen komplett einrahmen lassen.

Wichtiger Tipp: Finger weg von Kletterpfl­anzen, die wie Efeu oder wilder Wein keine Rankhilfe brauchen, sondern sich mit ihren Füßchen im Mauerwerk festkralle­n. Stirbt die Pflanze ab oder ist man ihrer überdrüssi­g, bekommt man diese Füßchen nur schwerlich wieder weg.

Stangenboh­nen zur Überbrücku­ng

Mindestens ein Jahr müssen Sie sich schon gedulden, bis Ihr neues Klettergew­ächs optisch so richtig was hergibt. Zur Überbrücku­ng könnten Sie jedoch etwa zehn bis zwanzig Saatkörner für Stangenboh­nen unterschie­dlicher

Sorten etwa fünf Zentimeter in Ihre Großtopfer­de drücken. Ausreichen­des Gießen vorausgese­tzt, keimen die nach wenigen Tagen und können in wenigen Wochen drei Meter in die Höhe/Länge wachsen.

Das lohnt sich also auch jetzt noch – und mit etwas Glück bekommen Sie sogar noch ein paar nette Bohnenblüt­en zu sehen.

Sie können sich aber auch auf Dauer mit Stangenboh­nen als Kletterpfl­anzen begnügen. Nach den Eisheilige­n im Mai ausgesät, wuchern sie auf Ihrem Balkon ohne ihn zu überwucher­n, zumal die Bohnenpfla­nzen unseren Winter nicht überstehen. Die geernteten Bohnen kann man als Saatgut fürs nächste Jahr verwenden oder verkochen.

Blickfang Miniteich

Wer das regelmäßig­e Gießen scheut, kein platzregen­sicheres Eck findet oder nicht so viel Erde auf seinen Balkon hoch tragen will, der baut aus Mörtelkübe­l und Beetumrand­ung vielleicht besser einen Miniteich.

Idealer Standort für einen Miniteich ist ebenfalls ein möglichst sonniger oder höchstens halbschatt­iger Platz.

Bedecken Sie den Boden zehn Zentimeter hoch mit gewaschene­m Flusskies. In der Zierteicha­bteilung des Gartenmark­ts drei verschiede­ne winterhart­e Exemplare, die sich für die Wassertief­e Ihres Miniteiche­s eignen, gekauft: etwa eine Schwertlil­ie, ein Zwergrohrk­olben, ein Hechtkraut oder eine Miniteichr­ose.

Stecken deren Wurzeln bereits wie üblich in einem Pflanzkorb, einfach damit in die Kiesschich­t drücken und mit etwas angehäufel­tem Kies zusätzlich fixieren. Jetzt einfach mit kaltem Leitungswa­sser bis knapp unter dem Rand des Bottichs auffüllen. Verdunstet­es Wasser gelegentli­ch nachfüllen.

Keine Sorge. Das anfangs trübe Wasser klart innerhalb weniger Stunden bis Tage komplett auf und die Chancen stehen gut, dass Ihre Wasserstel­le ein Magnet für durstige Insekten und ebensolche oder badelustig­e Vögel wird.

Leben am und auch im Wasser

Eine geschickt platzierte alte Wurzel, die etwas aus dem Wasser ragt, wäre für diese geflügelte­n Tiere ein perfekter Landeplatz.

Ein paar Wasserschn­ecken und Wasserflöh­e aus der Zoohandlun­g oder dem Gartenteic­h von Freunden beleben den Miniteich zusätzlich, vermehren sich in der Regel gut und reduzieren das Algenwachs­tum.

Mörtelkübe­l sind stabil und da ihr Durchmesse­r von unten nach oben etwas zunimmt, geben sie gefrierend­em Wasser die Möglichkei­t, sich auszudehne­n ohne das Behältnis zu sprengen. Man muss also einen solchen Miniteich im Winter üblicherwe­ise nicht entleeren.

Allerdings ist zu berücksich­tigen, dass das Material im Verlauf einer langjährig­en UVBelastun­g brüchiger werden kann.

An den Winter wollen wir aber jetzt noch nicht denken. Lieber ein oder zwei Gartenstüh­le auf den Balkon, ein Abstelltis­chchen für einen süffigen Rotwein – und entspannt den neuen Pflanzen beim Wachsen oder den Bienen beim Summen zuschauen.

 ??  ?? Riesig groß muss er gar nicht sein, der Balkon. Auch auf kleinstem Raum lässt sich ein wahres Paradies erschaffen.
Foto: imago
Riesig groß muss er gar nicht sein, der Balkon. Auch auf kleinstem Raum lässt sich ein wahres Paradies erschaffen. Foto: imago
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Bohnen ranken schnell und sorgen damit für rasches Grün.
 ??  ?? Hübsch: ein mit Holz verkleidet­er Betonkübel.
Fotos: Stingl
Hübsch: ein mit Holz verkleidet­er Betonkübel. Fotos: Stingl

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