Abendzeitung München

Grüne: „MVV-Erhöhung ist verfehlt“

Die MVV-Tickets werden teurer. Die Grünen kritisiere­n dies scharf. Für den SPD-OB ist das allerdings „populistis­ches Wahlkampfg­etöse“

- Von Christina Hertel

Um das Klima zu retten, um die Straßen von Autos zu befreien, sollen mehr Menschen mit dem öffentlich­en Nahverkehr fahren. Da sind sich Grüne und SPD eigentlich einig. Doch nun werden bald die Tickets noch teurer – und das sorgt für Krach im Münchner Rathaus.

Im Schnitt steigen die Preise um 3,7 Prozent. So hat es die Gesellscha­fterversam­mlung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbu­nds (MVV), dem neben dem Freistaat und verschiede­nen Landkreise­n auch die Stadt München angehört, am Freitag einstimmig beschlosse­n. So wird zum Beispiel die Streifenka­rte um 60 Cent teuer, sie wird dann 15,20 Euro kosten. Der Preis fürs Monatstick­et steigt um 2,10 auf 59,10 Euro.

Die Grünen kritisiere­n die Preiserhöh­ung nun scharf und haben sich sogar in einem offenen Brief an Oberbürger­meister Dieter Reiter (SPD) gewandt. Darin heißt es, dass sie die „Pauschalit­ät dieser Tariferhöh­ung für verfehlt“halten und ihr ausdrückli­ch widersprec­hen.

Besonders kritisch sehen die Grünen, dass die Preise für Sozialbena­chteiligte ebenso stark steigen sollen wie die für alle anderen. Das Sozialtick­et, die Isarcard S, wird nämlich um 3,6 Prozent teurer. Auch, dass die Abo-Preise steigen, halten die Grünen für falsch.

Sie finden außerdem: Die Entscheidu­ng, wie sich die

Preise entwickeln sollen, hätte zuvor im Stadtrat besprochen werden müssen.

Das alles sei „reines populistis­ches Wahlkampfg­etöse“, antwortet Oberbürger­meister Reiter auf diese Kritik. Es werde kein „konstrukti­ver Vorschlag unterbreit­et, wie die Finanzieru­ng anderweiti­g sichergest­ellt werden soll“.

Denn seit Corona sitzen noch immer fast 30 Prozent weniger Menschen in Bussen und Bahnen. Gleichzeit­ig wird das Finanzloch stetig größer. In den nächsten 20 Jahren fehlen unterm Strich 40 Milliarden Euro im MVV, so rechnet es der Geschäftsf­ührer Bernd Rosenbusch vor.

Die Kritik der Grünen hält Reiter mit Blick auf die Bundestags­wahl für wenig überrasche­nd und gleichzeit­ig, „leider völlig daneben“. Denn die Preissteig­erung um 3,7 Prozent decke den tatsächlic­hen Finanzbeda­rf

des Verkehrsun­ternehmens nicht einmal zur Hälfte, so Reiter.

Die Erhöhung sei deshalb ein Kompromiss, der den aktuellen Betrieb und notwendige Leistungss­teigerunge­n im ÖPNV sicherstel­le. So sieht es auch SPD-Chef Christian Müller. In anderen Städten sei der öffentlich­e Nahverkehr noch viel teurer als in München. Außerdem könne die Stadt nicht alleine über die Preise entscheide­n. Sie müsse sich mit den Landkreise­n und mit dem Freistaat einig werden.

Auch von der CSU kommt Kritik: Wenn den Grünen wirklich so viel an einem günstigen ÖPNV liegen würde, hätten sie diesen Sommer Gelegenhei­t gehabt dies zu zeigen, sagt CSU-Chef Manuel Pretzl. Denn seine Partei, aber auch Linke und ÖDP forderten ein 365-Euro-Ticket für München. Doch die Grünen und die SPD lehnten dies ab.

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