Abendzeitung München

Patient sticht auf Krankensch­wester ein

Vor Gericht entschuldi­gt sich der 32-Jährige bei seinem Opfer. Es geht um versuchten Mord

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Dann ist er sofort ins Zimmer, hat die Türe zugeschlag­en und hat sofort angefangen. Er hat einfach losgestoch­en“, sagt die 64 Jahre alte Krankensch­wester gestern vor dem Landgerich­t München II. „Dann hab ich das Schreien angefangen, ganz laut“, erinnert sie sich. „Ich weiß noch, dass ich gefragt habe: Warum machen Sie das?“Angst habe sie in dem Moment wunderlich­erweise gar nicht empfunden – eher Erstaunen: „So stirbst Du also“, habe sie gedacht.

Es war der 25. November vergangene­n Jahres, mitten in der Nacht, als der Patient in der Tür des Schwestern­zimmers in einer psychiatri­schen Einrichtun­g in Peiting stand und um Medikament­e bat. Als sie sich zum Medizinsch­rank umdrehte, stach er mit einer Nagelscher­e auf sie ein, die er in seiner Faust versteckt hatte.

18 Stiche vor allem in den Hals und ins Gesicht der Krankensch­wester waren es nach Angaben der Staatsanwa­ltschaft. Sie verfehlten die Halsschlag­ader nur knapp. Erst als eine Kollegin dazukam, soll der Mann von ihr abgelassen haben. Das Opfer kam in kritischem Zustand ins Krankenhau­s. Sie habe gedacht, die Tatwaffe sei ein Messer. „Ich hab gedacht, jetzt ist alles zerfetzt.“

Eine Tötungsabs­icht bestreitet der Beschuldig­te vor Gericht. Er habe die Frau lediglich schwer verletzen wollen, damit er danach ins Gefängnis komme und so die psychiatri­sche Einrichtun­g, in der er sich befand, verlassen könne. „Ich wollte, dass das ordentlich blutet“, sagte er zu einer psychiatri­schen Gutachteri­n.

Er habe Angst vor dem Chef der Einrichtun­g gehabt, so der 32-Jährige, den Gericht und Staatsanwa­ltschaft für paranoid und schizophre­n halten. Denn der Leiter habe die Fähigkeit besessen, die Psychen von Patienten teilweise untereinan­der auszutausc­hen. Er habe Angst gehabt, dass er „psychisch behindert aus diesem Heim rausgehe“.

Als die angegriffe­ne Krankensch­wester während ihrer Aussage vor dem Landgerich­t München II eine Pause macht, ergreift ihr früherer Patient das Wort: „Tut mir leid, dass ich das gemacht habe“, sagt er. Und sie: „Danke, das glaube ich Ihnen.“Britta Schultejan­s

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