Abendzeitung München

Kuntz, der „türkischst­e Deutsche“

Sein Vertrag am Bosporus läuft bis zur EM 2024 in Deutschlan­d. Wird Klose sein DFB-Nachfolger?

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Stefan Kuntz scherzte, lachte, seine Augen strahlten. „Hier zu sein ist so, als würde ich nach Hause zurückkehr­en“, sagte der neue Trainer der Türkei voller „Stolz“bei seiner Vorstellun­g am Montag in Istanbul: „Als ich meiner Familie zum ersten Mal von dem Angebot erzählte, sagten sie zu mir: ‘Können wir auch in die Türkei kommen?’ Ich glaube, ich könnte kein größeres Kompliment machen.“

Endgültig alle Sympathien erobert hatte Kuntz, als er versprach gemeinsam mit seiner Familie in die Türkei zu ziehen, Türkisch lernen zu wollen. „Ich will der deutschest­e Türke oder türkischst­e Deutsche werden“, sagte Kuntz.

Der ehemalige Stürmer geht seine Mission voller Elan an. Er wolle eine Mannschaft „schaffen, auf die das ganze Land stolz sein kann“, sagte der 58-Jährige: „Ich kenne das Potenzial türkischer Spieler. Wir werden diesen Spielern Organisati­on und Struktur geben.“Sein Vertrag läuft bis Sommer 2024 – also inklusive der EM in drei Jahren in Deutschlan­d.

Die Türkei sehnt sich unter dem neuen Hoffnungst­räger aus Deutschlan­d nach neuen Erfolgen. „Wir glauben an ihn. Wir vertrauen ihm. Wir wollen viele Jahre zusammenar­beiten“, sagte Verbandspr­äsident Nihat Özdemir über Kuntz, der in der Saison 1995/96 für Besiktas auf Torejagd ging: „Heute beginnen wir eine neue Ära für den türkischen Fußball.“Nationalma­nnschaftsd­irektor und ExBundesli­ga-Profi Hamit Altintop, der den Deal mit Kuntz einfädelte, meinte,

Ziel unter Kuntz sei es, „eine junge, moderne Mannschaft“zu formen, die „taktisch auf höchstem Niveau spielen wird“.

Kuntz hatte dreimal in Folge mit der U21 das EM-Finale erreicht und dabei zweimal den Titel geholt, kein Wunder, dass der DFB seinen Talenteent­wickler nur mit einem weinenden Auge gehen ließ.

Unklar ist zugleich, wer dem Erfolgstra­iner beim DFB als Chef der U21 nachfolgen soll: Der „Kicker“bringt Rio-Weltmeiste­r Miro Klose ins Spiel, der gerade erst seine Thrombose-Erkrankung überstande­n hat und nun eine Aufgabe als Chefcoach sucht. Ebenfalls zum Kandidaten­kreis zählen Hannes Wolf (Trainer U19-Nationalma­nnschaft) und Antonio di Salvo (bislang Kuntz’ Co-Trainer). Womöglich begleitet der Ex-Löwe seinen Chef aber auch an den Bospurus.

schnell wiederzube­leben. Die ehemaligen Bundesliga-Profis Caglar Söyüncü (Leicester City) und Hakan Calhanoglu (Inter Mailand) sind noch die größten Stars, aber einige Talente wie Kerem Aktürkoglu, Orkun Kökcü oder Merih Demiral suchen ihren Weg nach oben.

Doch mit entwicklun­gsfähigen Spielern kennt sich Kuntz ja bekanntlic­h gut aus. Sein Debüt steigt am 8. Oktober in Istanbul in der WM-Qualifikat­ion gegen Norwegen um Bundesliga­star Erling Haaland. Ab jetzt beginne die „Arbeit“richtig, sagte Kuntz.

Er soll so schnell wie möglich an die alten Erfolge anknüpfen, seit dem dritten Platz bei der WM 2002 und dem EM-Aus im Halbfinale gegen Deutschlan­d 2008 ging für die Türkei bei den großen Turnieren nicht mehr viel – wenn sie denn überhaupt dabei war. Auch mit der Quali für Katar wird es schwierig.

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Dabei hatte er einen gelungenen Einstand vor eigenem Publikum gegeben und wurde zu Recht mit Sprechchör­en gefeiert. Messi erspielte sich im MNMWunders­turm
Foto: dpa
„Als würde ich nach Hause zurückkehr­en“: Stefan Kuntz schwärmt bei seiner Vorstellun­g von der Türkei. Dabei hatte er einen gelungenen Einstand vor eigenem Publikum gegeben und wurde zu Recht mit Sprechchör­en gefeiert. Messi erspielte sich im MNMWunders­turm Foto: dpa
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Kandidat für die Kuntz-Nachfolge: Miroslav Klose. Foto: dpa
Spätestens 2024 soll die Türkei dann bei der EM wieder eine Hauptrolle spielen – in Deutschlan­d, der Heimat von Kuntz.
Einfach wird es sicher nicht für Kuntz und Co., die Nationalma­nnschaft Kandidat für die Kuntz-Nachfolge: Miroslav Klose. Foto: dpa Spätestens 2024 soll die Türkei dann bei der EM wieder eine Hauptrolle spielen – in Deutschlan­d, der Heimat von Kuntz.

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