Der Ober­pfäl­zer Gau­di­bursch und das Frei­bier

Ka­ba­rett Hel­mut A. Bin­ser be­geis­tert im fast aus­ver­kauf­ten Pfarr­zen­trum in Aichach mit sei­nen Lie­dern und skur­ri­len Ge­schich­ten. Da­bei ist er nicht ge­ra­de tief­grün­dig, schon gar nicht po­li­tisch, aber höchst un­ter­halt­sam

Aichacher Nachrichten - - Kultur - VON BRI­GIT­TE GLAS

Aichach Ein Ober­pfäl­zer Ori­gi­nal war da: Le­bens­lus­tig, hu­mor­voll und zünf­tig prä­sen­tier­te Hel­mut A. Bin­ser im so gut wie aus­ver­kauf­ten Aich­a­cher Pfarr­zen­trum St. Micha­el sein vier­tes Büh­nen­pro­gramm „Oh­ne Frei­bier wär’ das nie pas­siert...“. Ei­nen gan­zen Abend lang lach­te sich das Pu­bli­kum schlapp über lus­ti­ge bis ab­sur­de Lie­der und al­ler­lei skur­ri­le Ge­schich­ten aus dem All­tag des Mu­sik­ka­ba­ret­tis­ten. Das Pro­gramm ist in­halt­lich nicht ge­ra­de tief­grün­dig und schon gar nicht po­li­tisch, aber höchst un­ter­halt­sam.

Hel­mut A. Bin­ser, der stets fast ganz in schwarz ge­klei­de­te Mann – nur die Schu­he sind knall­rot – mit Hut und Horn­bril­le, be­gann in Aichach pas­send zum Pro­gramm­ti­tel gleich mit sei­nem „Frei­bierLied“. Es ist eh die Ka­ta­stro­phe schlecht­hin, wenn es Frei­bier gibt und er nicht weiß, wo. Das Mo­tiv vom Al­ko­hol zieht sich fort­an durch den Abend. Wie im­mer hat er auf der Büh­ne sein Bier und Schnupf­ta­bak da­bei. Und er ko­ket­tiert mit sei­ner Kör­per­fül­le. Aber Bin­ser hat so­fort den Draht zum Pu­bli­kum ge­fun­den. Sei­ne Lie­der be­glei­tet er auf Gi­tar­re und Zieh­har­mo­ni­ka. Die­se hat er „Karl­hein­zi“ge­tauft, nach­dem er „Mark Knopf­ler“, we­gen der Knöp­fe, oder noch bö­ser und fast schon ge­mein, „Uschi Glas“, we­gen der Fal­ten im Balg, ver­wor­fen hat­te.

Sei­ne Gi­tar­re muss er vor je­dem Lied stim­men und er­zählt so­lan­ge ei­nen „Stim­mungs­witz“von der Art: Tref­fen sich zwei al­te Frau­en auf dem Fried­hof. Sagt die ei­ne: „Du hast es gut, du darfst schon gie­ßen, ich muss noch ko­chen!“Von Zu­rück­hal­tung oder Pie­tät hält er nichts. Aber man nimmt’s ihm ab. Al­les, was er bringt, wirkt ge­ra­de­her­aus und au­then­tisch. Den Aich­a­chern hat es ge­fal­len.

In sei­nen Ge­schich­ten be­fasst er sich mit dem, was ihm im All­tag so al­les wi­der­fährt. Was bei­spiels­wei­se un­wei­ger­lich pas­siert, wenn er ei­ne Do­se To­ma­ten­fisch öff­net. Oder was ihm auf ei­nem Ams­ter­dam-Trip so al­les pas­siert, mit dem ja kei­ner rech­nen kann. Oder wenn er „Via­gra für den Mühl­ba­cher Fritz“aus der Apo­the­ke ho­len muss. Oder die schwie­ri­ge Ent­schei­dung zwi­schen Aro­nal und Elmex, wenn er mal wie­der erst um fünf Uhr mor­gens heim­kommt. Ganz ab­ge­se­hen von sei­nem sport­li­chen Er­folg, dem zwei­ten Platz im „Blit­zer-Ma­ra­thon“.

Brei­ten Raum nimmt auch noch sein öko­lo­gisch ori­en­tier­ter Nach­bar ein, mit dem er so gar nicht zu­recht­kommt. „Der fahrt mit dem Radl,

„Va­len­tins­tag“heißt sein bit­ter­bö­ser Ab­sturz­hit

ob­wohl er an Füh­rer­schein hat.“Das kann nur ei­nes be­deu­ten: „Mei Nach­bar is a Depp!“

Das Pu­bli­kum ging von An­fang an mit und hat­te selbst nach meh­re­ren Zu­ga­ben noch nicht ge­nug. Da sang der Bin­ser so­gar auf Eng­lisch „It’s a Blues = Es ist was Blau­es“und sei­nen bit­ter­bö­sen Ab­sturz­hit „Va­len­tins­tag“. Und ganz zum Schluss: „Weil i die sche­ens­ten Plat­zerl kenn, bin i a scho in Aichach g’wen.“

Foto: Bri­git­te Glas

Hel­mut A. Bin­ser be­geis­ter­te das Pu­bli­kum im fast aus­ver­kauf­ten Aich­a­cher Pfarr­zen­trum.

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