Das Gi­tar­ren-Mek­ka in der schwä­bi­schen Pro­vinz

Die Bee Gees und Sun­ri­se Ave­nue pil­gern nach Jet­tin­gen-Scheppach. Bei Sta­ti­on Mu­sic be­kom­men Pop­stars In­stru­men­te, die es nicht über­all gibt.

Alb Bote (Münsingen) - - WIRTSCHAFT - Von Pia Rei­ser

Schmuck­los ist noch ei­ne freund­li­che Be­schrei­bung für die­ses Ge­wer­be­ge­biet in Jet­tin­gen-Scheppach (Kreis Günz­burg). Das 7000-Ein­woh­ner-Städt­chen liegt in der schwä­bisch-bay­ri­schen Pro­vinz, di­rekt an der A8 zwi­schen Ulm und Augs­burg. Und doch fah­ren hier bis­wei­len schi­cke Li­mou­si­nen vor dem ehe­ma­li­gen Al­di-Markt vor. Hier kann man die Band Sun­ri­se Ave­nue an­tref­fen. Auch die Bee Gees und die Söh­ne Mann­heims wa­ren schon da. Oder die Bas­sis­ten der Band von Ot­to Waal­kes, von Her­bert Grö­ne­mey­er und Ho­ward Car­pen­da­le. Sie al­le pil­gern hier­her, um sich bei Sta­ti­on Mu­sic mit neu­en Gi­tar­ren, Bäs­sen und Schlag­zeu­gen ein­zu­de­cken.

In­ha­ber und Ge­schäfts­füh­rer des Mu­sik­han­dels sind Hans-Pe­ter Bent­hei­mer (53) und Lothar Wal­ter (56). Bei­de sind selbst lei­den­schaft­li­che Mu­si­ker und ha­ben ihr Hob­by zum Be­ruf ge­macht. Ur­sprüng­lich stu­dier­te Wal­ter Ju­ra, Bent­hei­mer ar­bei­te­te als Kran­ken­pfle­ger. Nun ver­kau­fen sie ed­le Bäs­se, Gi­tar­ren und Schlag­zeu­ge an in­ter­na­tio­nal be­kann­te Bands.

Wie ge­winnt man sol­che Mu­si­ker als Kun­den? „Die VIPs kom­men über das Pro­dukt“, er­zählt Wal­ter. Denn Sta­ti­on Mu­sic hat nicht nur die gro­ßen Mar­ken wie Fen­der und Gib­son im An­ge­bot, son­dern auch klei­ne, ex­klu­si­ve Bou­tique-Her­stel­ler. Et­wa Ja­mes Truss­art, der E-Gi­tar­ren aus Stahl fer­tigt. Der Schau­spie­ler und Mu­si­ker Jan Jo­sef Lie­fers hat sich da­von ei­ne be­stellt. Oder die Mar­ke Alem­bic, die hand­ge­fer­tig­te Bäs­se aus be­son­ders ge­mus­ter­ten Höl­zern her­stellt. Das teu­ers­te Mo­dell kos­tet knapp 19 000 €. „Wenn man sel­ber Mu­si­ker ist, sucht man nach Qua­li­tät und aus­ge­fal­le­nen Din­gen, die nicht an je­der Ecke hän­gen“, sagt Wal­ter.

In­ha­ber und Grün­der von Sta­ti­on Mu­sic

Auch die gro­ße Aus­wahl bringt Kun­den: Rund 3000 Gi­tar­ren und 1200 Bäs­se rei­hen sich an den Wän­den. 200 Schlag­zeug­sät­ze ste­hen auf rund 1000 Qua­drat­me­tern. Im Pre­mi­um-Be­reich sei es un­ab­ding­bar, das In­stru­ment vor dem Kauf in die Hand zu neh­men und aus­zu­pro­bie­ren, sagt Wal­ter. „Aber dann muss der La­den die Aus­wahl auch da ha­ben und nicht nur zwei Mo­del­le von ei­ne­mHer­stel­ler.“

In der gro­ßen Hal­le ste­hen aber auch Ein­stei­ger­gi­tar­ren für 200 €. Block­flö­ten sucht­man ver­geb­lich, denn Sta­ti­on Mu­sic be­schränkt sich auf Gi­tar­ren, Bäs­se, Schlag­zeu­ge, Di­gi­tal-Pia­nos und Be­schal­lungs­an­la­gen wie Ver­stär­ker. „Wir sind lang­haa­ri­ge Rock­mu­si­ker, da hat man na­tür­lich sei­ne Kli­en­tel, die man be­dient“, sagt Wal­ter. Rock- und Blues­mu­si­ker sind ih­re Kun­den, eben­so wie jung ge­blie­be­ne Aka­de­mi­ker aus der Rock’n’Roll-Ge­ne­ra­ti­on, die sich nun die In­stru­men­te leis­ten kön­nen, von de­nen sie in ih­rer Ju­gend ge­träumt ha­ben. „Das sind die kauf­kräf­tigs­ten Kun­den bei uns.“

Et­wa die Hälf­te sei­nesJah­res­um­sat­zes von 4 Mio. €macht Sta­ti­on Mu­sic mit dem On­line-Shop. Je­doch we­ni­ger mit High-End-In­stru­men­ten, denn da­für kom­men die Kun­den meist vor­bei. „Je hö­her­prei­si­ger, des­to en­ger wird der Kon­takt“, er­zählt Wal­ter.

Ge­gen den Mu­sik­han­dels­rie­sen Tho­mann, der 2016 mit On­li­ne­ver­käu­fen knapp 700 Mio. € Um­satz mach­te, kommt Sta­ti­on Mu­sic on­line nicht an. Doch Wal­ter und Bent­hei­mer pfle­gen ih­ren On­line-Auf­tritt. Durch Ver­lin­kun­gen als Händ­ler auf Sei­ten der Bou­tique-Her­stel­ler kann es neue Kun­den für sei­ne teu­ren In­stru­men­te ge­win­nen. „In der Ni­sche ha­ben wir un­se­re Chan­ce“, sagt Wal­ter. Je­doch wür­den die gro­ßen On­line-Händ­ler eben­falls in die­se Ni­schen vor­sto­ßen, wenn ge­nü­gend Kun­den nach be­stimm­ten Mo­del­len fra­gen. „Ob­wohl Lä­den wie wir die Mar­ken ein­ge­führt ha­ben.“

Für die Zu­kunft sieht Wal­ter nicht schwarz, denn: „Re­gio­nal sind wir gut auf­ge­stellt.“Der Groß­teil der Kun­den kommt aus dem süd­deut­schen Raum zwi­schen Stutt­gart, Mün­chen, Kemp­ten und Würz­burg. Kon­kur­renz ha­ben sie hier kaum. „Als Händ­ler für Bäs­se mi­schen wir mit un­se­rer gro­ßen Aus­wahl so­gar in der Welt­spit­ze mit“, sagt Wal­ter nicht oh­ne Stolz. Auch das Fach­ma­ga­zin „Bass Pro­fes­sor“be­ti­telt sein Un­ter­neh­men als eu­ro­pa­wei­ten Markt­füh­rer im Edel­bass-Be­reich.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist Sta­ti­on Mu­sic ste­tig ge­wach­sen, jetzt ist Kon­so­li­die­rung an­ge­sagt. „Uns reicht un­se­re Grö­ße. Die zu sta­bi­li­sie­ren ist in der heu­ti­gen Zeit viel wert“, be­tont Bent­hei­mer. Schließ­lich ge­be es ten­den­zi­ell im­mer we­ni­ger jun­ge Men­schen, die ein In­stru­ment spie­len. Zwar ge­be es im­mer Wel­len mit neu­en Mu­si­kern: „Dann kommt wie­der ein Ed Shee­ran und al­le wol­len Gi­tar­re spie­len.“So ein Schub feh­le ge­ra­de ein biss­chen.

Wir sind Rock­mu­si­ker, da hat man na­tür­lich sei­ne Kli­en­tel, die man be­dient. Lothar Wal­ter

Fo­tos: Da­ve Sto­nies

Ei­ne Gi­tar­re des Her­stel­lers Ja­mes Truss­art im Stil, wie sie Mark Knopf­ler spielt.

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