Re­gie­rung in At­hen kri­selt

Grie­chen­land Mi­nis­ter tritt we­gen Na­mens­streit um Ma­ze­do­ni­en zu­rück.

Alb Bote (Münsingen) - - VORDERSEITE - Igor St­ein­le

Der grie­chi­sche Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras hat nach dem Rück­tritt des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters we­gen der Ma­ze­do­ni­en­fra­ge ei­ne so­for­ti­ge Ver­trau­ens­ab­stim­mung ge­for­dert. Zu­vor nahm Tsi­pras den Rück­tritt von Pa­nos Kam­me­nos von der rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei Un­ab­hän­gi­ge Grie­chen (Anel) an. Die­ser lehnt die Ei­ni­gung mit Ma­ze­do­ni­en im Na­mens­streit ab. Die grie­chi­sche Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on aus Tsi­pras‘ Sy­ri­za-Par­tei und der Anel ver­fügt im Par­la­ment über ei­ne knap­pe Mehr­heit.

Die ers­ten Roh­re wur­den be­reits ver­legt, ab 2020 soll die Ost­se­e­pipe­line Nord Stream 2 rus­si­sches Gas di­rekt nach Deutsch­land trans­por­tie­ren. Ob es so­weit kom­men wird, ist al­ler­dings noch nicht si­cher. Denn die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­su­chen ve­he­ment, das Pro­jekt zu ver­hin­dern. So set­zen sie der­zeit ge­zielt deut­sche Un­ter­neh­men un­ter Druck, die am Bau der Gas­lei­tung be­tei­ligt sind.

„Wir be­to­nen wei­ter­hin, dass sich Fir­men, die sich im rus­si­schen Ener­gie­ex­port-Sek­tor en­ga­gie­ren, an et­was be­tei­li­gen, das mit ei­nem er­heb­li­chen Sank­ti­ons­ri­si­ko ver­bun­den ist“, heißt es in ei­nem Brief des US-Bot­schaf­ters Richard Gren­ell an meh­re­re Un­ter­neh­men, der der „Bild am Sonn­tag“vor­liegt. „Im Er­geb­nis un­ter­gra­ben Fir­men, die den Bau un­ter­stüt­zen, ak­tiv die Si­cher­heit der Ukrai­ne und Eu­ro­pas“, schreibt der Bot­schaf­ter.

Deut­sche Un­ter­neh­men ge­ra­ten nicht zum ers­ten Mal ins Vi­sier des Bot­schaf­ters. Be­reits En­de 2018 droh­te er mit Sank­tio­nen. Nun warn­te er Fir­men er­neut vor Re­pu­ta­ti­ons­ver­lust, Sank­tio­nen und Ge­fah­ren für die Ener­gie­si­cher­heit. „Der Brief ist nicht als Dro­hung auf­zu­fas­sen, son­dern als kla­re Bot­schaft der US-Po­li­tik“, sag­te ein Spre­cher.

Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas woll­te auf die er­neu­te Pro­vo­ka­ti­on nicht re­agie­ren. Al­ler­dings hat­te er be­reits ver­gan­ge­ne Wo­che die schär­fer wer­den­de Kri­tik der US-Re­gie­rung an Nord Stream 2 zu­rück­ge­wie­sen. „Fra­gen der eu­ro­päi­schen Ener­gie­po­li­tik müs­sen in Eu­ro­pa ent­schie­den wer­den, nicht in den USA“, er­klär­te der SPD-Po­li­ti­ker.

Doch stößt die Pi­pe­line auch in der EU auf Wi­der­stand. Vor al­lem ost­eu­ro­päi­sche Staa­ten wol­len das Pro­jekt stop­pen. Sie ar­gu­men­tie­ren mit der Be­dro­hung, die von Russ­land aus­ge­he. Aber auch Dä­ne­mark hat si­cher­heits­po­li­ti­sche Be­den­ken. Ber­lin hin­ge­gen weist stets dar­auf hin, dass Nord Stream 2 ein rein wirt­schaft­li­ches Pro­jekt sei. Ein Rück­zug deut­scher Un­ter­neh­men wür­de das Pro­jekt nicht ver­hin­dern, son­dern le­dig­lich da­zu füh­ren, dass die Pi­pe­line von Russ­land al­lei­ne ge­baut wür­de, sag­te Maas zu­letzt.

Schar­fe Kri­tik am Ver­hal­ten des Bot­schaf­ters kam aus dem Bun­des­tag. „Dass sich der US-Bot­schaf­ter jetzt mit di­rek­ten Dro­hun­gen an deut­sche Un­ter­neh­men wen­det, ist ei­ne neue und un­ak­zep­ta­ble ein­sei­ti­ge Ver­schär­fung des Tons im trans­at­lan­ti­schen Ver­hält­nis“, sag­te der au­ßen­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Jür­gen Hardt. Die Bun­des­re­gie­rung soll­te Pro­test ein­le­gen. Fa­bio De Ma­si, Frak­ti­ons­vi­ze der Lin­ken, wur­de noch deut­li­cher: „Der US-Bot­schaf­ter hat of­fen­bar den Ein­druck ge­won­nen, er sei der Statt­hal­ter ei­nes Im­pe­ra­tors aus Wa­shing­ton in Deutsch­land.“Sank­tio­nen ge­gen Un­ter­neh­men sei­en völ­ker­rechts­wid­rig.

Fo­to: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaf­ter in Deutsch­land Richard Gren­ell eckt an.

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