Lust an der Zer­stö­rung

Alb Bote (Münsingen) - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Ste­fan Ke­gel

geht es um Zer­stö­rung, nicht um po­li­ti­sche Ak­tio­nen, sagt Oli­ver Mal­chow, Chef der Ge­werk­schaft der Po­li­zei.

Herr Mal­chow, wird der Links­ex­tre­mis­mus in Deutsch­land in Ih­ren Au­gen un­ter­schätzt?

Oli­ver Mal­chow:

Ich glau­be nicht, dass er un­ter­schätzt wird, schon gar nicht von Sei­ten der Po­li­zei. Am En­de sind so­wohl Rechts- als auch Links­ex­tre­mis­mus po­li­tisch mo­ti­vier­te Straf­ta­ten mit teil­wei­se schlim­men Fol­gen. Die Po­li­zei hat die Auf­ga­be sie auf­zu­klä­ren, oh­ne sie zu be­wer­ten. Wir sa­gen nicht, dass der St­ein­wurf von rechts schlim­mer als der von links ist.

Ist das ge­sell­schaft­li­che Bild links­ex­trem mo­ti­vier­ter Ge­walt in der Ge­sell­schaft ein an­de­res als je­nes von rechts­ex­trem ge­trie­be­nen Ta­ten?

Es kann sein, dass der ei­ne oder an­de­re Bür­ger links­ex­tre­me Ge­walt eher to­le­riert, weil er den Tä­tern un­ter­stellt, mit ei­nem gu­ten Ziel zu han­deln. In der Mas­se der Ge­sell­schaft glau­be ich das aber nicht. Durch die G20-Kra­wal­le in Ham­burg, die Ge­walt­ta­ten in der Ri­ga­er Stra­ße in Ber­lin oder in Leip­zig hat es da ein Um­den­ken ge­ge­ben. Dort ha­ben die Au­to­no­men den Men­schen vor Au­gen ge­führt, dass es ih­nen nur um Zer­stö­rung geht und nicht um po­li­ti­sche Ak­tio­nen.

Un­ter­schei­det sich der Um­gang mit Po­li­zis­ten je nach po­li­ti­scher Ver­or­tung der De­mons­tran­ten?

Je mehr Groß­de­mons­tra­tio­nen mit ge­walt­tä­ti­gen Aus­schrei­tun­gen wir ha­ben, des­to mehr Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te gibt es, auch ge­gen die Po­li­zei. Es ist ja nicht so, dass die Rech­ten sich an die Re­geln hal­ten wür­den. In Chem­nitz gab es teils hef­ti­ge Atta­cken ge­gen die Po­li­zei. Das ken­nen wir aus der lin­ken Sze­ne schon lan­ge. Von dort kom­men ja auch ge­ziel­te An­grif­fe ge­gen ein­zel­ne Po­li­zis­ten, die als Ver­tre­ter des Staa­tes an­ge­grif­fen wer­den.

Hat sich durch den Auf­stieg von AfD oder Pe­gi­da die links­ex­tre­me Sze­ne ra­di­ka­li­siert?

Ich glau­be nicht, dass sich die links­ex­tre­me Sze­ne wei­ter ra­di­ka­li­siert hat. Aber es gibt heu­te mehr An­läs­se für sie, ak­tiv zu wer­den. De­mons­tra­tio­nen rech­ter Grup­pie­run­gen wie Pe­gi­da wer­den dann zum An­lass für Ge­gen­de­mons­tra­tio­nen oder für ge­walt­sa­me Über­grif­fe ge­nutzt, auch ge­gen Po­li­zis­ten. An den Er­eig­nis­sen in der Ri­ga­er Stra­ße oder beim G20-Gip­fel kann man ja ab­le­sen, dass es kei­ne Rech­ten braucht, da­mit Links­ex­tre­me Straf­ta­ten be­ge­hen. Im Ham­burg ha­ben Links­ex­tre­me ge­zielt schwers­te Straf­ta­ten or­ga­ni­siert – mit der Be­reit­schaft, Men­schen zu tö­ten.

Fo­to: dpa

Oli­ver Mal­chow, Chef der Ge­werk­schaft der Po­li­zei.

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