Alb Bote (Muensingen)

Hauk weist Vor­wür­fe zu­rück

Op­po­si­ti­on kann Land­wirt­schafts­mi­nis­ter kei­ne Kum­pa­nei nach­wei­sen. Da­für ge­rät „SoKo Tier­schutz“we­gen zu­rück­ge­hal­te­ner In­for­ma­tio­nen in die Kri­tik.

- Von Jens Schmitz Boblingen · ARD (broadcaster) · Soko · Cottbus

In ei­ner mit Span­nung er­war­te­ten Land­tags-An­hö­rung hat Lan­des-Agrar­mi­nis­ter Pe­ter Hauk (CDU) am Di­ens­tag Vor­wür­fe zu­rück­ge­wie­sen, er ha­be am Schlacht­hof Gär­trin­gen Maß­nah­men ge­gen Tier­quä­le­rei un­ter­bun­den. Der Mi­nis­ter warf statt des­sen der Or­ga­ni­sa­ti­on „SoKo Tier­schutz“vor, durch Zu­rück­hal­ten von Vi­deo­ma­te­ri­al ver­län­ger­te Tier­wohl­ge­fähr­dung in Kauf ge­nom­men zu ha­ben.

Der Gär­trin­ger Schlacht­hof im Kreis Bö­blin­gen ist seit An­fang Sep­tem­ber ge­schlos­sen. En­de Au­gust hat­te „SoKo Tier­schutz“Vi­deo-Auf­nah­men on­li­ne ge­stellt, auf de­nen Miss­hand­lun­gen von Tie­ren zu se­hen sind. Ei­ne Wo­che spä­ter be­rich­te­te das ARD-Ma­ga­zin „Fakt“an­hand des SoKo-Ma­te­ri­als über die Vor­wür­fe. Der Schlacht­hof ist ei­ne ge­nos­sen­schaft­lich ge­führ­te Ein­rich­tung von Bau­ern und Metz­gern.

„Was mich da­bei är­gert: Nicht zum ers­ten Mal wur­de von SoKo Tier­schutz Ma­te­ri­al zu­rück­ge­hal­ten, bis ein ge­eig­ne­ter Sen­de­ter­min ge­fun­den war“, sag­te Hauk. „Nach­dem die Auf­nah­men vom Ju­li stamm­ten, hät­te ich er­war­tet, dass zum Wohl der Tie­re die Bil­der un­mit­tel­bar an die Staats­an­walt­schaft über­ge­ben wer­den. Aber das ist nicht pas­siert.“

Zwangs­geld hat mit spä­te­ren Vor­wür­fen zu Tier­leid nichts zu tun.

Pe­ter Hauk Agrar­mi­nis­ter

Sein Mi­nis­te­ri­um ha­be An­fang Au­gust von der Exis­tenz der Bil­der er­fah­ren. Auf­for­de­run­gen, das Ma­te­ri­al den amt­li­chen Stel­len zur Ver­fü­gung zu stel­len, sei SoKo Tier­schutz aber bis Mit­te Sep­tem­ber nicht nach­ge­kom­men.

Die öf­fent­li­che An­hö­rung im Agrar­aus­schuss des Land­tags war von den Op­po­si­ti­ons­frak­tio­nen SPD und FDP an­ge­setzt wor­den – auch weil in­zwi­schen be­kannt ge­wor­den war, dass Hauk im April ein Zwangs­geld des Land­rats­am­tes Bö­blin­gen aus­ge­setzt hat­te, das für die Über­wa­chung des Schlacht­ho­fes zu­stän­dig ist. Der Be­trieb soll­te da­mit zur Be­sei­ti­gung von Miss­stän­den be­wegt wer­den. Der Vor­sit­zen­de der Schlacht­hof­ge­nos­sen­schaft, Wil­helm Deng­ler, ist CDU-Mit­glied wie Hauk selbst.

Man kön­ne „den Ver­dacht des Par­tei­en­klün­gels und des Amts­miss­brauchs nicht mehr hin­weg­ka­schie­ren“, hat­te SPD-Tier­schutz­spre­cher Jonas We­ber im Vor­feld der Sit­zung er­klärt. FDP-Kol­le­ge Klaus Ho­her rüg­te ei­nen „Freund­schafts­dienst“und „das of­fen­sicht­li­che Fehl­ver­hal­ten des Land­wirt­schafts­mi­nis­ters Hauk“.

Doch der kon­ter­te: Bei dem Zwangs­geld im Früh­jahr sei es über­haupt nicht um Vor­wür­fe von Tier­quä­le­rei ge­gan­gen. Hauks Mi­nis­te­ri­um hat­te 2018 in ei­nem Mo­ni­to­ring al­le Schlacht­hö­fe des Lan­des auf Miss­stän­de un­ter­sucht. Da­bei gab es auch für Gär­trin­gen ei­ne Män­gel­lis­te. Wie Hauk nun be­ton­te, ha­be aber nichts da­von mit un­mit­tel­ba­rem Tier­leid zu tun ge­habt. In so ei­nem Fall hät­te das Land­rats­amt, wie er sag­te, gar kein Zwangs­geld ver­hän­gen dür­fen, son­dern un­mit­tel­bar Ab­hil­fe schaf­fen müs­sen – not­falls durch ei­ne Be­triebs­schlie­ßung.

Der Mi­nis­ter räum­te ein, dass es im Win­ter 2019/20 ei­ne an­o­ny- me An­zei­ge ge­gen den Schlacht- hof ge­ge­ben ha­be, in der es auch­ndha­be um Tier­leid ge­gan­gen sei. Die­ser sei aber wie von vom der Staats­an­walt­schaft Land­rats­amt nach­ge­gan­gen wor­den – die Vor­wür­fe wur­den nicht be­stä­tigt. Dar­auf müs­se er sich als Mi­nis­ter ver­las­sen dür­fen. Die Be­haup­tung ei­ner per­sön­li­chen Ver­bin­dung zu Schlacht­hof-Chef Deng­ler, der in­zwi­schen sei­ne De­mis­si­on zum Jah­res­en­de er­klärt hat, wies Hauk zu­rück. Er den Be­trieb auf des­sen Ein­la­dung im Fe­bru­ar be­sich­tigt, noch be­vor das Zwangs­geld fest­ge­setzt wur­de. Der Schlacht­hof hat­te seit dem Mo­ni­to­ring nur Tei­le der Män­gel­lis­te ab­ge­ar­bei­tet. Im März und April sei Deng­ler mehr­fach schrift­lich im Mi­nis­te­ri­um vor­stel­lig ge­wor­den, um sich über das Land­rats­amt zu be­schwe­ren. Hauk ha­be be­stä­tigt, dass die Lis­te un­ver­än­dert ab­zu­ar­bei­ten sei. Le­dig­lich auf dem Hö­he­punkt der Co­ro­na-Kri­se, als es über­all im Land um Un­ter­stüt­zung für die Wirt­schaft und um die Auf­recht­er­hal­tung der Le­bens­mit­tel­ket­te ging, ha­be er ent­schie­den, die vom Land­rat in­zwi­schen fest­ge­setz­ten Zwangs­gel­der von 12 000 Eu­ro aus­zu­set­zen un­ter der Auf­la­ge, dass der Schlacht­hof ein Lö­sungs­kon­zept er­ar­bei­te. Im Au­gust ha­be man dem Land­rats­amt mit­ge­teilt, dass das Zwangs­geld wie­der ein­ge­setzt wer­den kön­ne. Der Op­po­si­ti­on ge­lang es in der knapp zwei­ein­halb­stün­di­gen Sit­zung nicht, Hauks Darstel­lung zu widerlegen.

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Fo­to: Se­bas­ti­an Gollnow, dpa In­zwi­schen ge­schlos­sen: Der Schlacht­hof Gär­trin­gen. Hier hat­te es Miss­stän­de ge­ge­ben.

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