Alb Bote (Muensingen)

Der An­ders-Ma­cher

Die School­craft Gm­bH, ge­grün­det vom Up­fin­ger Fa­bi­an Rö­ken, ist in den Top-Ten beim Lan­des­prei­ses für jun­ge Un­ter­neh­men. Da­bei ist ihm ge­sell­schaft­li­che Re­le­vanz wich­ti­ger als Ge­winn­ma­xi­mie­rung.

- Von Si­mon Wa­gner Business · Winfried Kretschmann · Schloss Groß-Siegharts · Stuttgart · Germany · Luxembourg · Kraftwerk · Austria · England · New Zealand · L-Bank · St. Johann

Ganz gleich wie es aus­geht am 24. No­vem­ber, der Up­fin­ger Fa­bi­an Rö­ken darf sich mit sei­nem Team schon jetzt als Ge­win­ner füh­len. Das Un­ter­neh­men School­craft Gm­bH, das der 42-jäh­ri­ge vor acht Jah­ren ge­grün­det hat, zählt zum er­lauch­ten Kreis je­ner zehn Un­ter­neh­men, die nach wie vor im Ren­nen um den Lan­des­preis für jun­ge Un­ter­neh­men 2020 sind.

In die­sem Jahr ha­ben sich ins­ge­samt 619 Kan­di­da­ten aus dem ge­sam­ten Land, so vie­le wie noch nie, um den al­le zwei Jah­re von der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­re­gie­rung und der L-Bank aus­ge­lob­ten Preis be­wor­ben. Die Top-Ten sind En­de No­vem­ber zu ei­nem Festakt mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann und Edith Wey­mayr, der Vor­stands­vor­sit­zen­den der L-Bank, ins Neue Schloss nach Stutt­gart ein­ge­la­den. Dort wer­den nicht nur die zehn bes­ten Un­ter­neh­men ge­ehrt, son­dern auch die drei Erst­plat­zier­ten be­nannt, die mit Geld­prei­sen in Hö­he von 40 000, 30 000 und 20 000 Eu­ro be­dacht wer­den. Mit ins­ge­samt 90 000 Eu­ro ist der Lan­des­preis ei­ner der höchst do­tier­ten, re­nom­mier­tes­ten und teil­nah­me­stärks­ten Un­ter­neh­mer­prei­se in Deutsch­land.

Hoff­nung auf ei­nen war­men Geld­se­gen darf sich Fa­bi­an Rö­kens School­craft Gm­bH al­so wei­ter­hin ma­chen. Re­nom­mee gibt es durch den Ein­zug in die Lis­te der zehn Bes­ten in­des schon jetzt. Die Vor-Ju­ry ließ sich von der Ge­schäfts­idee aus St. Jo­hann of­fen­bar über­zeu­gen. Mög­li­cher­wei­se auch, weil sie, oh­ne dass sie es be­ab­sich­tigt hät­te, den Nerv der Co­ro­na-Zeit trifft.

Die School­craf­ter Gm­bH bie­tet ei­ne Soft­ware­lö­sung zur Un­ter­richts­vor­be­rei­tung mit der sich Ar­beits­ma­te­ria­li­en wie Ar­beits­blät­ter oder gleich gan­ze Ar­beits­hef­te in ver­schie­de­nen Dif­fe­ren­zie­rungs­stu­fen und Schwie­rig­keits­gra­den be­quem am PC und per Maus­klick er­stel­len und ver­än­dern las­sen. Beim Works­heet Craf­ter ge­he es dar­um, In­hal­te und Werk­zeu­ge zur Ver­fü­gung zu stel­len, „mit de­nen die Lehr­kräf­te selbst­stän­dig ar­bei­ten kön­nen“, er­läu­tert Fa­bi­an Rö­ken das Prin­zip. Das Pro­gramm er­laubt es zu­dem, in­ter­ak­ti­ve Blät­ter mit be­reit­ste­hen­den Baustei­nen zu er­stel­len, die et­wa über ein Ta­blet ab­ge­ru­fen und kon­trol­liert wer­den kön­nen. Be­stand­teil der Soft­ware ist auch ei­ne Bör­se, über die Lehr­kräf­te Ar­beits­blät­ter aus­tau­schen. Und die Ide­en ge­hen Rö­ken nicht aus: Für die Zu­kunft plant er ei­ne da­ten­si­che­re Platt­form, vor­be­hal­ten. Sie auf wei­te­re auf der sich Leh­rer und Schul­ar­ten aus­zu­wei­ten, sei zwar Schü­ler un­kom­pli­ziert Ma­te­ria­li­en

ei­nennd8 zu­schi­cken kön­nen.

Sprung­haf­te Nach­fra­ge

„Seit Co­ro­na er­le­ben wir

Me­ga­boom“, sagt Rö­ken. „Wir sind re­gel­recht über­rannt wor­den.“Die Zahl der ver­kauf­ten Li­zen­zen im deutsch­spra­chi­gen Jah­re gibt es die St. Jo­han­ner

Raum (in­klu­si­ve Lu­xem­burg) sei School­craft Gm­bH. Nun er­reich­te das von 250 000 sprung­haft auf von Fa­bi­an Rö­ken ge­grün­de­te Un­ter­neh­men 280 000 an­ge­stie­gen, freut er sich. die Top-Ten des Lan­des­preis Doch nach wie vor bleibt die Soft­ware für jun­ge Un­ter­neh­men. Grund- und För­der­schu­len tech­nisch oh­ne Wei­te­res mög­lich, aber: „Das wol­len wir ge­ra­de nicht ma­chen.“

Denn nicht nur in der Or­ga­ni­sa­ti­on des di­gi­ta­len Schul­all­tags geht Rö­ken neue We­ge, auch was die in­ter­ne Or­ga­ni­sa­ti­on der School­craft Gm­bH be­trifft. Be­wusst hat er sich für das Mo­dell des So­zi­al­un­ter­neh­mens ent­schie­den. Obers­tes Ziel sei da­bei nicht Ge­winn­ma­xi­mie­rung oder Wachs­tum um je­den Preis, er­klärt er, son­dern mit­zu­hel­fen, ge­sell­schaft­li­che Pro­ble­me zu lö­sen und or­ga­nisch zu wach­sen. Statt dem 20 Köp­fe zäh­len­de Mit­ar­bei­ter­team – es ar­bei­tet ver­streut und ver­netzt in Deutsch­land, Ös­ter­reich, En­g­land oder gar in Neu­see­land – ei­ne hö­he­re Ar­beits­be­las­tung zu­zu­mu­ten oder es durch frem­de Ge­sich­ter auf­zu­sto­cken, will er den ge­wach­se­nen Te­am­geist nicht ge­fähr­den. „Wir ha­ben ei­nen ex­trem tol­len Te­am­zu­sam­men­halt“, sagt er über die Soft­ware­ent­wick­ler, Il­lus­tra­to­ren, Re­dak­teu­re und tech­ni­schen Di­enst­leis­ter im (vir­tu­el­len) Hau­se von School­craft.

Zur Zuf­rie­den­heit sei­ner Mit­ar­bei­ter trägt mög­li­cher­wei­se auch die Art und Wei­se bei, wie in­ter­ne Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wer­den. Statt auf be­to­nier­te Hier­ar­chi­en setzt Rö­ken dar­auf, dass al­le Mit­ar­bei­ter im Un­ter­neh­men (fast) al­le Ent­schei­dun­gen tref­fen kön­nen, nach­dem ver­schie­de­ne Ex­per­ti­sen ein­ge­holt wur­den. Ver­trau­en zu ge­ben und zu neh­men, ist Rö­ken wich­tig: „Mei­ne Mit­ar­bei­ter sol­len nicht nur we­gen des Gel­des ar­bei­ten.“

Für Fa­bi­an Rö­ken ist die School­craft Gm­bH der vier­te An­lauf in die Selbst­stän­dig­keit, aber das ers­te Mal, dass er all sei­ne Träu­me ver­wirk­licht ha­be, wie er sagt. Auch wenn er jetzt vie­le Din­ge an­ders macht, so fühlt er sich in sei­nem Weg doch be­stärkt: „Ich hat­te noch nie so ein pro­fi­ta­bles Un­ter­neh­men“, sagt er fast schon über­rascht. Der wirt­schaft­li­che Er­folg: ein Ef­fekt und nicht das Ziel.

 ?? Fo­to: Ga­by Hoess ?? Fa­bi­an Rö­kens School­craft Gm­bH aus St. Jo­hann zählt schon jetzt zu den zehn in­no­va­tivs­ten Un­ter­neh­men des Lan­des.
Fo­to: Ga­by Hoess Fa­bi­an Rö­kens School­craft Gm­bH aus St. Jo­hann zählt schon jetzt zu den zehn in­no­va­tivs­ten Un­ter­neh­men des Lan­des.

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