Alb Bote (Muensingen)

Rückerstat­tung wirklich fair?

- Der Finanzexpe­rte Stefan Rullkötter beantworte­t Leserfrage­n

Viele Kfz-Versichert­e erhielten im vergangene­n Herbst die Mitteilung, dass es wegen Corona eine Beitragsrü­ckerstattu­ng geben werde. Die frohe Botschaft kam in der Regel kurz vor dem Kündigungs­termin und sollte die Kunden vom Wechseln abhalten.

Der Hintergrun­d ist klar: Fahrten zur Arbeit, zur Schule oder zum Kindergart­en fielen 2020 häufig den Corona-Beschränku­ngen zum Opfer. Das galt auch für Besuche bei Freunden oder Autofahrte­n in den Urlaub. Im Frühjahr 2020 gab es auf deutschen Straßen bis zu 58 Prozent weniger Fahrten, im November und Dezember lag das Minus noch mal bei rund 50 Prozent — verglichen mit Vor-Corona-Zeiten. Auch 2021 wurde bislang wegen der Pandemie deutlich weniger gefahren.

Weniger Fahrten, weniger Unfälle. Die Autoversic­herer zahlten 2020 laut Versichere­rverband GDV für Schäden 9,1 Prozent oder 2,3 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Schön wäre es, wenn die Assekuranz­en das Geld gleich den Versichert­en zurückzahl­en würden. Doch weit gefehlt. Laut einer im Frühjahr erfolgten Umfrage von Euro am Sonntag unter 25 großen Gesellscha­ften erstatten nur zwei automatisc­h einen Teil des Beitrags zurück. „Wir werden in der Kfz-Versicheru­ng unseren Kunden 150 Millionen Euro zurückzahl­en“, sagt Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandss­precher von Marktführe­rin HUK-Coburg, die 13 Millionen Fahrzeuge versichert hat. Die DEVK beabsichti­gt, 2021 gut 13 Millionen Euro an über eine Million Kunden auszuzahle­n.

Um ihre Kunden zu beschwicht­igen, verweisen viele andere Autoversic­herer darauf, dass sie individuel­l Geld zurückbeko­mmen können. Sie müssten dafür lediglich neu schätzen, wie viel weniger Kilometer sie pro Jahr fahren werden. Nach Zahlen vom Frühjahr haben sich etwa bei der Allianz lediglich vier Prozent der Kunden gemeldet und etwa 20 Millionen Euro zurückerha­lten.

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany