Die Stutt­gar­ter Psal­men

Alb Bote (Muensingen) - - FEUILLETON - Burk­hard Schä­fer

Chor­wer­ke von Jaak­ko Män­ty­jär­vi fin­den sich in zu­neh­men­dem Ma­ße auch auf den Spiel­plä­nen deut­scher Vo­kal-En­sem­bles. Sei­ne „Stutt­gar­ter Psal­men“kom­po­nier­te der Fin­ne 2009 im Auf­trag der In­ter­na­tio­na­len Bach­aka­de­mie Stutt­gart. Nun sind die­se drei – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – schrei­end ex­pres­si­ven Psalm­ver­to­nun­gen erst­mals auf CD zu hö­ren. Un­ter der Lei­tung von Ste­phen Lay­ton singt The Choir of Trini­ty Col­le­ge Cam­bridge die­se und an­de­re Sa­kral­wer­ke mit gro­ßer Aus­drucks­kraft und lei­den­schaft­li­chem Ges­tus: „Ave Ma­ria d’Aos­ta“(2004), „Be­ne­dic ani­ma mea Do­mi­no“(1994), „Pul­ch­ra es“(2018), „O ma­gnum mys­te­ri­um“(2007). Ne­ben den „Stutt­gar­ter Psal­men“ist der Zy­klus „Trini­ty Ser­vice“(2019) das zwei­te Haupt­werk auf die­ser hö­rens­wer­ten CD (er­schie­nen bei Hy­pe­ri­on, Ver­trieb: No­te 1).

War­um kom­po­nie­ren Sie so ger­ne für die men­sch­li­che Stim­me?

Jaak­ko Män­ty­jär­vi:

Kurz nach­dem ich mein Uni­ver­si­täts­stu­di­um be­gon­nen hat­te, trat ich ei­nem Stu­den­ten­chor bei. Ich er­kann­te bald, dass Vo­kal­mu­sik das Gen­re war, in dem ich mich sehr zu Hau­se fühl­te. Auf­grund mei­nes In­ter­es­ses an Spra­chen ist der Text für mich ein ganz wich­ti­ges Ele­ment. Haupt­be­ruf­lich bin ich ei­gent­lich Über­set­zer, das Kom­po­nie­ren be­trach­te ich als mei­ne zwei­te Kar­rie­re. Um­so mehr freut es mich, dass mei­ne Wer­ke in­ter­na­tio­nal auf­ge­führt wer­den.

In den „Stutt­gar­ter Psal­men“füh­ren Sie die Sän­ger – und Hö­rer – an ih­re Gren­zen . . .

Der Auf­trag war, die­sel­ben Psalm-Tex­te zu ver­to­nen wie Men­dels­sohn in sei­nem Opus 78; mu­si­ka­lisch gab es kei­ne Spe­zi­fi­ka­tio­nen. Ich ha­be die Auf­ga­be so ge­löst, dass die qual­vol­len Stim­mun­gen des Tex­tes in „Wort­ma­le­rei­en“von ex­trem ex­pres­si­ver Kraft er­klin­gen. Nicht zu­letzt des­halb ist das Werk tech­nisch an­spruchs­voll, ich wuss­te aber, dass der Chor der Urauf­füh­rung al­le Schwie­rig­kei­ten meis­tert. In der Re­gel ist mei­ne Mu­sik kon­so­nanz­ge­trie­ben. Die­ses Werk mit sei­nen star­ken Dis­so­nan­zen bil­det ein­deu­tig ei­ne Aus­nah­me.

Un­ter wel­chen Um­stän­den ist „Trini­ty Ser­vice“ent­stan­den?

Ich ha­be den Zy­klus letz­tes Jahr auf Wunsch von Di­ri­gent Ste­phen Lay­ton für „Even­song“, das ur­sprüng­lich in der an­gli­ka­ni­schen Kir­che be­hei­ma­te­te abend­li­che St­un­den­ge­bet, kom­po­niert. Die vor­herr­schen­de Stim­mung der Lie­der ist des­halb von Ru­he und Ein­fach­heit ge­prägt, selbst wenn die Har­mo­ni­en manch­mal ziem­lich dicht ge­schich­tet sind. Auch wenn auf die­ser CD nur sa­kra­le Kom­po­si­tio­nen er­klin­gen, so sind doch mehr als die Hälf­te mei­ner rund 100 Chor­wer­ke welt­lich.

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