EIN GE­NUSS OH­NE GEWISSENSBISSEA

All About Italy (Germany) - - Editorial -

Gi­no Fab­bri ge­hört zu den Vä­tern der ita­lie­ni­schen Pa­tis­se­rie. Von Bologna aus, wo er sein Ge­schäft be­treibt, trägt er da­zu bei, das Ni­veau der Bran­che an­zu­he­ben, in­dem er ei­ne in­no­va­ti­ve Pa­tis­se­rie an­bie­tet, die je­doch tief in der Tra­di­ti­on ver­wur­zelt ist.

Manch­mal baut man sich sei­ne Chan­cen auf, manch­mal bie­ten sie sich ei­nem, und in die­sem Fal­le braucht man Zeit, um zu ent­de­cken, dass es wel­che wa­ren. Gi­no Fab­bri hat erst im Nach­hin­ein ge­merkt, dass der Som­mer­job, den er An­fang der 60er Jah­re ge­macht hat­te, der Weg in die Zu­kunft war und ihn da­zu führ­te, ei­ner der Vä­ter der ita­lie­ni­schen Pa­tis­se­rie zu wer­den. Heu­te ist er über 60, aber da­mals war er ein Te­enager, der ei­nen klei­nen Job such­te, um sei­ne Fa­mi­lie fi­nan­zi­ell zu un­ter­stüt­zen. „Ich be­gann da­mit, um nicht auf der Stra­ße her­um­zu­lun­gern: mein Va­ter frag­te ei­nen Kon­di­tor aus mei­nem Hei­mat­ort Cas­ten­a­so, ob er ei­ne Hilfs­kraft be­nö­tig­te, und so fing ich an, mich in sei­ner Back­stu­be nütz­lich zu ma­chen und al­le Tä­tig­kei­ten zu ver­rich­ten“.

Gi­no Fab­bri ist in ers­ter Li­nie ein sehr freund­li­cher Mensch, und das be­weist er in dem Ge­spräch, das wir mit ihm füh­ren, wäh­rend er von ei­nem sei­ner Kon­di­to­ren-tref­fen, die er in ganz Ita­li­en hält, nach Bologna zu­rück­kehrt, die Stadt, in der er sei­ne Kon­di­to­rei hat, die er 1982 zu­sam­men mit sei­ner Frau Mo­re­na er­öff­net hat. Und au­ßer­dem ist Fab­bri ein Pro­fi, das wird uns klar, als er uns von sei­ner Ar­beits­wei­se er­zählt: hell­wach, aus­ge­gli­chen und per­fek­tio­nis­tisch. Er geht kei­ne Kom­pro­mis­se ein, wenn dar­un­ter die Qua­li­tät lei­det. In ei­ner Zeit, in der Bio an­ge­sagt ist, zeigt sich Gi­no als Vor­läu­fer, denn die Ent­schei­dung, nur fri­sche und aus­ge­zeich­ne­te Roh­stof­fe zu ver­wen­den, hat er schon lan­ge be­vor die­se „Mo­de“aus­brach, ge­trof­fen. „In ei­ner Zeit, die noch un­be­denk­lich war, ver­stand ich, nach­dem ich für kur­ze Zeit halb­ver­ar­bei­te­te Pro­duk­te ver­wen­de­te, dass ich mich auf das Hand­werk ver­le­gen woll­te. Das merk­te man bei der Qua­li­tät, und ich ma­che nicht ger­ne nur un­ge­fäh­re Sa­chen. Ich weiß nicht, bis zu wel­chem Punkt die Ent­schei­dung für Bio­pro­duk­te aus wirk­li­cher Über­zeu­gung oder ein­fach aus ei­nem Trend kommt. Ich fra­ge mich das, wenn ich mer­ke, dass die Kennt­nis­se feh­len. Man kann sich nicht da­für ent­schei­den, die­se Roh­ma­te­ria­li­en zu ver­wen­den, wenn man nicht weiß, wo­durch sie sich von an­de­ren un­ter­schei­den. Wenn es kei­nen Ver­gleich gibt, kann man die Qua­li­tät nicht er­ken­nen.“Sei­ne Schu­le war die Ar­beit und dort hat er viel ge­lernt, aber heu­te steht sei­ne lan­ge Lauf­bahn im Di­enst neu­er Schütz­lin­ge, jun­ger Leu­te, die den gu­ten Ruf der ita­lie­ni­schen Pa­tis­se­rie hoch­hal­ten wol­len. Er ist un­ter an­de­rem Prä­si­dent der Aka­de­mie für Kon­di­tor­meis­ter und wur­de 2015, zu­sam­men mit den Kon­di­to­ren For­co­ne, Boc­cia

Ich un­ter­schei­de im­mer zwi­schen ei­ner lie­be­vol­len und ei­ner ef­fekt­vol­len Pa­tis­se­rie: ich kann bei­des, aber mein Herz schlägt für die ers­te­re.

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