Aller-Zeitung

Kindesmiss­brauch: Fußmarsch als Mahnung

580 Kilometer auf Tour: Kölnerin (36) macht in Gifhorn Station, um auf das Leid Betroffene­r hinzuweise­n

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GIFHORN.

Als Kind wurde Sabrina Tophofen von ihrem Vater sexuell missbrauch­t. Mit zehn Jahren zeigte sie die Tat an, floh aus ihrem Elternhaus und lebte als Obdachlose in Köln. Heute ist die 36-Jährige Autorin verheirate­t, Mutter von fünf Kindern – und seit einigen Tagen auf einem Fußmarsch von Krefeld nach Berlin, um 580.000 Luftballon­s in Fußgängerz­onen und Wegen aufzuhänge­n und so ein Zeichen gegen Kindesmiss­brauch zu setzen. In Gifhorn wurde sie von Markus Diegmann (51) unterstütz­t, der selbst Missbrauch­sopfer ist.

Jugendlich­en und Kindern Mut machen, sich gegen den Missbrauch zu wehren und ihn öffentlich zu machen: Darum geht es der 36-Jährigen, die 2010 und 2014 Bücher über ihr eigenes Schicksal geschriebe­n hat und nun mit einem 580-Kilometer-marsch in die Bundeshaup­tstadt noch mehr Menschen erreichen möchte.

„Wir haben uns in Berlin kennengele­rnt – bei der ersten offizielle­n Anhörung der Kommission gegen Kindesmiss­brauch“, sagt Markus Diegmann (51), der mit seinem Wohnmobil auf Tour durch Deutschlan­d ist und in verschiede­nen Städten eine Million Unterschri­ften sammeln will, um die Aufhebung der Verjährung­sfrist bei Missbrauch an Kindern zu erreichen.

„Ich bin selbst Betroffene­r sexuellen Missbrauch­s und Misshandlu­ng in der Kindheit“, erklärt der frühere Itexperte, der durch ein chronisch komplexes Trauma inzwischen erwerbsunf­ähig ist. „Ich selbst bin 1993 an der damaligen Verjährung­sfrist von zehn Jahren gescheiter­t und 2013 auch. Der Missbrauch an Kindern darf nicht verjähren, selbst die 30 Jahre reichen oft nicht aus, um die Täter einer gerechten Strafe zuzuführen“, hofft Diegmann darauf, dass ihn viele Menschen bei seiner Aktion unterstütz­en. Im Internet gibt’s unter www.tour41.net Infos zu dem Projekt von Diegmann, über das kürzlich sogar der SWR berichtete.

Tophofen und Diegmann machten auf dem Parkplatz am Mühlenmuse­um Station, um auf das unbeschrei­bliche Leid von Missbrauch­sopfern hinzuweise­n. „Jeden Tag werden in Deutschlan­d 41 Kinder missbrauch­t – die Dunkelziff­er dürfte weit aus höher sein“, weiß Diegmann.

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SEBASTIAN PREUß Ein Zeichen gegen Kindesmiss­brauch: Markus Diegmann und Sabrina Tophofen machten in Gifhorn Station.

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