Jun­ge Leu­te wol­len star­ke Mar­ken

Lan­ge ha­ben Deich­mann und C&A auf Ei­gen­mar­ken ge­setzt – das ist vor­bei

Aller-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON ERICH REI­MANN

DÜS­SEL­DORF. Al­di tut es, Deich­mann tut es und dem­nächst auch C&A: Im­mer mehr stark auf preis­be­wuss­te Kun­den aus­ge­rich­te­te Han­dels­ket­ten er­gän­zen ihr nor­ma­les An­ge­bot an güns­ti­gen Ei­gen­mar­ken mit den Pro­duk­ten nam­haf­ter Mar­ken­her­stel­ler. Der Trend hat den Le­bens­mit­tel­han­del eben­so er­fasst wie den Schuh- und Mo­de­han­del.

Für den Han­dels­ex­per­ten Mar­tin Fass­nacht von der Wirt­schafts­hoch­schu­le WHU steht in­zwi­schen fest: „Auch gro­ße Han­dels­ket­ten wie Al­di, Deich­mann oder C&A kön­nen heu­te nicht mehr auf Mar­ken ver­zich­ten.“

C&A ist ge­ra­de da­bei, auf den Zug auf­zu­sprin­gen. Der neue Chef des Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens, Alain Ca­par­ros, kün­dig­te kürz­lich in ei­nem In­ter­view mit dem Fach­blatt „Tex­til­wirt­schaft“an, er wol­le das An­ge­bot des zu­letzt schwä­cheln­den Bil­lig­an­bie­ters künf­tig „oben mit ei­ni­gen Fremd­mar­ken ab­run­den, die man bei C&A bis­her nicht er­war­tet“. Denn C&A müs­se neue Kun­den jen­seits der Stamm­kund­schaft ge­win­nen.

Tat­säch­lich hat der Tex­til­händ­ler neue Im­pul­se drin­gend nö­tig. Das Un­ter­neh­men spürt die wach­sen­de Kon­kur­renz durch Tex­til­dis­coun­ter wie Pri­mark, H&M und Za­ra so­wie durch On­line­händ­ler wie Za­lan­do deut­lich. Der Mo­de­händ­ler sei nicht mo­disch, nicht mo­dern ge­nug, be­män­gelt Ca­par­ros. Und al­lein mit den Ei­gen­mar­ken sei das schwer zu än­dern. Des­halb wol­le er ge­zielt be­kann­te La­bel ins An­ge­bot in­te­grie­ren. Noch in die­sem Som­mer sol­len des­halb die ers­ten Mar­ken­pro­duk­te in den C&a-re­ga­len auf­tau­chen.

Für Fass­nacht ist die Stra­te­gie durch­aus fol­ge­rich­tig. „Ge­ra­de im Fa­shion-be­reich spie­len star­ke Mar­ken ei­ne gro­ße Rol­le. Man kauft Mo­de ja nicht nur, um sich vor Käl­te zu schüt­zen, son­dern auch, um sich wohl zu füh­len und um an­de­re da­mit zu be­ein­dru­cken“, be­tont er.

Vor al­lem ei­ne wich­ti­ge Ziel­grup­pe ist oh­ne Mar­ken heu­te kaum noch zu er­rei­chen: „Ge­ra­de jun­ge Leu­te wol­len star­ke Mar­ken. Die Ei­gen­mar­ken der Händ­ler al­lein rei­chen ih­nen nicht“, be­tont Fass­nacht. Und die Ju­gend sei ei­ne wich­ti­ge Ziel­grup­pe. Sie ge­be über die Jah­re hin­weg mehr Geld aus als die äl­te­re Ge­ne­ra­ti­on.

Auch bei Eu­ro­pas größ­tem Schuh­händ­ler Deich­mann sind des­halb längst ne­ben den preis­wer­ten Ei­gen­mar­ken­pro­duk­ten, die das Un­ter­neh­men groß­ge­macht ha­ben, auch be­kann­te Mar­ken zu fin­den.

Vor al­lem bei den Sport­mar­ken wie Adi­das, Ni­ke und Pu­ma ha­be Deich­mann sein An­ge­bot deut­lich aus­ge­wei­tet, ver­riet Fir­men­chef Hein­rich Deich­mann kürz­lich in ei­nem In­ter­view. Der Grund: Deich­mann kön­ne da­mit „zu­sätz­li­che Ziel­grup­pen er­rei­chen und hö­he­re Ver­kaufs­prei­se er­zie­len“.

FO­TO: DPA

Mar­ken­mo­de ist ge­fragt: Auch Bil­lig­an­bie­ter mö­gen sich dem Trend hin zu hö­her­prei­si­gen Pro­duk­ten nicht ent­zie­hen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.