Psy­cho­spiel­chen und blan­ker Wil­le

Ti­tel­ver­tei­di­ger Lan­ge hat beim Iron­man auf Ha­waii vie­le Jä­ger / Ki­en­le gif­tet ge­gen Kon­kur­ren­ten

Aller-Zeitung - - SPORT - VON JENS MARX

KAI­LUA-KO­NA. Der ver­hin­der­te Top-fa­vo­rit Jan Fro­de­no will den Ein­peit­scher am Stre­cken­rand ge­ben, der Kampf der ver­blei­ben­den Tri­ath­longi­gan­ten um den Blu­men­kranz auf Ha­waii wird aber auch so er­bit­tert ge­nug. Nach den Psy­cho­spiel­chen vor dem Start an die­sem Sams­tag um 6.35 Uhr Orts­zeit am Pier von Kai­lua-ko­na zählt für Ti­tel­ver­tei­di­ger Patrick Lan­ge, sei­nen deut­schen Num­mer-ein­sher­aus­for­de­rer Se­bas­ti­an Ki­en­le und die in­ter­na­tio­na­len Jä­ger nur ei­nes: der Sieg beim le­gen­därs­ten al­ler Iron­man.

Dass Zwei­fach-cham­pi­on Fro­de­no nach dem Dra­ma von 2017 nun we­gen ei­ner Stress­frak­tur in der Hüf­te vor we­ni­gen Wo­chen nicht am Start ist, be­dau­ert Lan­ge. „Ich hät­te ihn sehr ger­ne auf der Stre­cke im Wett­kampf ge­schla­gen. Da­durch wä­re ein po­ten­zi­el­ler Sieg noch viel wert­vol­ler“, sag­te der 32-Jäh­ri­ge in ei­nem In­ter­view. „Ihn zu schla­gen, ist ei­ne der größ­ten Tro­phä­en, die man sich im Mo­ment in un­se­rem Sport an die Wand na­geln kann“, mein­te auch der 34 Jah­re al­te Ki­en­le in Rich­tung von Kum­pel Fro­de­no.

Die Chan­cen auf den ei­ge­nen Tri­umph stei­gen zwar, die 40. Auf­la­ge auf Ha­waii wird aber den­noch gna­den­los. Lan­ge wird al­les dar­an set­zen müs­sen, die star­ken Rad­fah­rer in der zwei­ten Dis­zi­plin nicht zu weit weg­fah­ren zu las­sen. „Mir stellt sich halt die Fra­ge: Wie viel mehr geht da noch bei der Kon­kur­renz? Wie viel schnel­ler wol­len die noch auf den Rad fah­ren?“, sag­te Lan­ge, nach­dem vor ei­nem Jahr be­reits die Best­zei­ten fie­len.

Dass er den er­wie­sen star­ken Rad­fah­rer Ki­en­le erst auf Nach­fra­ge zum Fa­vo­ri­ten­kreis rech­net, passt ins Bild der Sti­che­lei­en im Kampf um die Fort­set­zung der deut­schen Ära, die Ki­en­le 2014 mit dem Ti­tel­ge­winn star­te­te und Lan­ge im ver­gan­ge­nen Jahr nach Fro­de­nos Dop­pel­pack 2015 und 2016 wei­ter­führ­te.

„Wenn man es freund­lich aus­drü­cken will, dann tes­tet er die Gren­zen aus, und er über­schrei­tet sie auch“, gif­te­te jüngst Ki­en­le in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung“in Rich­tung Lan­ge. Ge­meint ist des­sen eher zu­rück­hal­ten­des Ver­hal­ten auf dem Rad, auf dem Wind­schat­ten­fah­ren strikt ver­bo­ten ist. „Es wird drauf an­kom­men, ob Patrick auf dem Rad ar­bei­ten muss oder ob er sich eher größ­ten­teils ver­ste­cken kann“, sag­te Ki­en­le.

Vor ei­nem Jahr stell­te Lan­ge bei sei­nem Tri­umph in 8:01:40 St­un­den ei­nen Stre­cken­re­kord auf. Schon im Jahr zu­vor war er den Ma­ra­thon in 2:39:45 St­un­den ge­lau­fen und da­mit schnel­ler als je ein Ath­let bei ei­ner WM auf Ha­waii. „Man kann sich ei­gent­lich bis zum Schluss nie si­cher füh­len“, sag­te der Vor­jah­res­vier­te Ki­en­le, den Lan­ge bei sei­ner Auf­hol­jagd vor zwölf Mo­na­ten auch lo­cker über­holt hat­te.

Jä­ger von Lan­ge gibt es reich­lich. Seit sei­nem Sieg vor ei­nem Jahr ge­wann der Hes­se kein gro­ßes Ren­nen mehr. „Was heißt ver­un­si­chern?“, ent­geg­ne­te Lan­ge auf die ent­spre­chen­de Fra­ge. „Ich weiß ja, wor­an es lag.“Er war mit der neu­en Si­tua­ti­on nicht zu­recht ge­kom­men, der Ge­jag­te zu sein. „Im Lau­fe des Jah­res wur­de es bes­ser, ich konn­te bes­ser mit der Si­tua­ti­on um­ge­hen. Am En­de des Tages zählt aber eh nur Ha­waii.“

FO­TO: DPA

Patrick Lan­ge ju­belt 2017 über sei­nen Sieg auf Ha­waii.

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