Um­welt­mi­nis­te­rin für mehr Steu­er auf Ben­zin, Gas und Heiz­öl

Aus­stoß von Koh­len­di­oxid soll ge­senkt und Strom in Deutsch­land bil­li­ger wer­den

Aller-Zeitung - - ERSTE SEITE - VON CHRIS­TI­AN WÖLBERT

HAN­NO­VER. Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) will Ben­zin, Gas und Heiz­öl stär­ker be­steu­ern und so ei­nen An­reiz für mehr Kli­ma­schutz schaf­fen. Im Ge­gen­zug kön­ne Strom güns­ti­ger wer­den, schlug sie in ei­ner Grund­satz­re­de in Ber­lin vor. CDU und FDP in Nie­der­sach­sen re­agier­ten auf den Vor­stoß mit schar­fer Kri­tik. Auch in der SPD gibt es Vor­be­hal­te.

Schul­zes Ziel: Der Aus­stoß des Treib­haus­ga­ses Koh­len­di­oxid (CO2) soll spür­bar sin­ken. In ih­rer Grund­satz­re­de for­der­te sie, „fos­si­le Ener­gie­trä­ger, die zum Hei­zen oder für den Ver­kehr ge­nutzt wer­den“, zu ver­teu­ern. Da­bei hat die Um­welt­mi­nis­te­rin die Au­tos be­son­ders im Vi­sier – und da­bei die Ben­zi­ner, die an­ders als Die­sel­au­tos vor al­lem CO2 in die Luft pus­ten. Es sei „aben­teu­er­lich“, dass die Treib­haus- gas­emis­sio­nen im Ver­kehrs­be­reich in Deutsch­land seit 1990 nicht ge­sun­ken sei­en, sag­te Schul­ze. Die Po­li­tik müs­se dar­um An­rei­ze für den Kauf von Elek­tro­au­tos set­zen. Die­se wür­den be­reits heu­te zu 40 Pro­zent mit Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en be­trie­ben, im Jahr 2030 zu zwei Drit­teln.

Nie­der­sach­sens Cdu-frak­ti­ons­chef Dirk To­e­pffer warn­te, dass sol­che Steu­er­er­hö­hun­gen be­son­ders Pend­ler und Fa­mi­li­en trä­fen. Fdp-frak­ti­ons­chef Jörg Bo­de sag­te: „Dar­un­ter wer­den haupt­säch­lich Men­schen lei­den, die so­wie­so je­den Cent um­dre­hen müs­sen.“Elek­tro­au­tos sei­en für vie­le auf­grund der ho­hen An­schaf­fungs­kos­ten kei­ne Al­ter­na­ti­ve.

Kri­tik kam auch vom Ar­beit­ge­ber­ver­band Nie­der­sach­sen­me­tall, der vie­le Au­to­zu­lie­fe­rer ver­tritt. „Man kann sich des Ein­drucks nicht er­weh­ren, dass der­zeit al­les ge­tan wird, um der Au­to­mo­bil­bran­che in Deutsch­land Knüp­pel zwi­schen die Bei­ne zu wer­fen“, sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Vol­ker Schmidt. Schul­zes Vor­schlag ha­be das Zeug, vie­le Tau­send Ar­beits­plät­ze zu ge­fähr­den.

Schul­ze ver­weist auf die jüngs­ten Er­kennt­nis­se der For­schung: Sie zeig­ten, dass der Kli­ma­wan­del noch ent­schie­de­ner be­kämpft wer­den müs­se als bis­her. Der An­stieg der Tem­pestank ra­tu­ren füh­re zu Hun­gers­nö­ten und „neu­en welt­wei­ten Flücht­lings­be­we­gun­gen“. Der Mi­nis­te­rin schwebt vor, mit den Mehr­ein­nah­men die Strom­kos­ten für die Ver­brau­cher zu sen­ken. „Ein sol­ches Sys­tem darf ins­ge­samt zu kei­ner Net­to­m­ehr­be­las­tung der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger füh­ren“, sag­te sie. Nie­der­sach­sens Um­welt­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) be­grüß­te die „grund­sätz­li­che Über­le­gung“sei­ner Par­tei­kol­le­gin. Die Lö­sung dür­fe aber ein­zel­ne Grup­pen wie Pend­ler, Mie­ter oder Un­ter­neh­men nicht be­las­ten. Prio­ri­tät ha­be ei­ne „ech­te Strom­preis­brem­se“, un­ter an­de­rem durch ei­ne Sen­kung der Strom­steu­er.

Rü­cken­de­ckung er­hielt die Spd-po­li­ti­ke­rin am Frei­tag von den Grü­nen. „Ei­ne fai­re Be­steue­rung der fos­si­len Ener­gi­en for­dern wir schon lan­ge“, er­klär­te die um­welt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen im Land­tag, Im­ke Byl.

FO­TO: RO­LAND WEIH­RAUCH/DPA

Sorgt ei­ne hö­he­re Ben­zin­steu­er für we­ni­ger Au­tos?

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