„Ich stot­te­re heu­te im­mer noch“

Emi­ly Bl­unt gilt mit ih­rem Film „Ma­ry Pop­pins“als Os­car­fa­vo­ri­tin – und steht zu ih­rem klei­nen Ma­kel

Aller-Zeitung - - PANORAMA -

Sie spie­len in „Ma­ry Pop­pins“die Haupt­rol­le des Kin­der­mäd­chens. Ha­ben Sie selbst Nan­nyEr­fah­rung?

Mein ers­ter Job war Ba­by­sit­ting mit 14. Spä­ter ha­be ich in der Gas­tro­no­mie ge­ar­bei­tet. Mit an­de­ren Wor­ten: Ich ha­be das Ge­schirr ab­ge­wa­schen.

Hat es ei­ne Ma­ry-pop­pins-fi­gur in Ih­rer Kind­heit ge­ge­ben?

Ich wür­de sa­gen, dass es die Mut­ter mei­ner Mut­ter war. Wir rie­fen sie Na­na. Ei­ne ma­gi­sche Per­son. Ziem­lich ex­zen­trisch, aber auch lus­tig, warm und lie­be­voll. Sie hat ei­nen Rie­sen­ein­fluss auf mich ge­habt.

So­wohl im Ori­gi­nal als auch jetzt bei ih­rer Rück­kehr ver­lässt das Kin­der­mäd­chen am En­de die Fa­mi­lie.

Ich er­in­ne­re mich, dass ich als Kind dar­über sehr be­trübt war. Und mei­ne äl­te­re Toch­ter jetzt auch.

Sie ha­ben mit ihr die „Rück­kehr von Ma­ry Pop­pins“ge­se­hen?

Sie hat­te das Ori­gi­nal ge­se­hen und fand es toll – bis auf das En­de. Als wir zur Vor­stel­lung von mei­nem Film fuh­ren, frag­te Ha­zel: „Sie geht am En­de nicht weg, oder?“Ich ant­wor­te­te: „Wir wer­den se­hen ...“Und dann kommt die Sze­ne wo ich sa­ge: „Es ist Zeit ...“Da sieht Ha­zel mich an, und sie heult „Nein!“

War­um ist Ma­ry Pop­pins auch bei Er­wach­se­nen so be­liebt?

Ich glau­be, es ist ih­re Fä­hig­keit, das Kind in Er­wach­se­nen wie­der her­vor­zu­ho­len. Für mich war sie die ers­te ech­te Su­per­hel­din im Ki­no.

Sie sind mit Ih­rem Mann John Kras­in­ski seit acht Jah­ren ver­hei­ra­tet und ha­ben die­ses Jahr zum ers­ten Mal ei­nen Film mit ihm ge­dreht.

Er war der Re­gis­seur, und ich durf­te - wie der Ti­tel „A Qu­iet Place“ver­rät - nichts sa­gen.

Das mag hel­fen, wenn man Pri­vat­und Be­rufs­le­ben ver­mischt. Im Ernst: Ist das schwie­rig?

Mit sehr viel Whis­key in­tus geht al­les (lacht). Wir ver­trau­en ein­an­der, und das en­det nicht, wenn wir aus dem Haus ge­hen. Es hat un­heim­lich Spaß ge­macht, mit John am Set zu sein. Wir sind seit­her im­mer noch sehr (lacht). gut be­freun­det

Klingt nach ei­ner wirk­lich glück­li­chen Ehe.

Ich ha­be mit John den Jack­pot ge­won­nen. Nicht nur als Ehe­mann, son­dern auch als Va­ter. Er ist ein un­glaub­lich gu­ter Pa­pa.

Ha­zel ist vier Jah­re alt und Vio­let zwei. Wie schwer ist es für Sie, Jobs und Kin­der zu ko­or­di­nie­ren?

Wir kön­nen uns als Fa­mi­lie un­glaub­lich glück­lich schät­zen.

Als Schau­spie­le­rin ha­be ich den Lu­xus, ein­fach mal sechs Mo­na­te nicht zu ar­bei­ten und nur

Zeit mit den Mäd­chen zu ver­brin­gen. Au­ßer­dem nut­zen John und ich je­de Ge­le­gen­heit, um selbst für 24 St­un­den nach Hau­se zu flie­gen. Ich war noch nie län­ger als ei­ne Wo­che von mei­nen Kin­dern ge­trennt und ihr Va­ter noch nie län­ger als zwei Wo­chen.

Sie ge­hen sehr of­fen da­mit um, dass Sie stot­tern.

Des­halb ha­be ich auch in der Schu­le Thea­ter ge­spielt, weil es mir ge­hol­fen hat. Ich stot­te­re heu­te noch im­mer, wenn ich mü­de bin oder am Te­le­fon. Es wird nie ganz ver­schwin­den. Es liegt in den Ge­nen.

Ha­ben Sie Angst, dass Ih­re Kin­der spä­ter ge­hän­selt wer­den könn­ten?

Ich weiß, dass sich das nicht ver­mei­den lässt. Und es wird als Mut­ter für mich sehr hart sein, wenn es pas­siert. Aber mei­ne Äl­te­re geht auf ei­ne Schu­le, wo re­spekt­vol­les und gü­ti­ges Ver­hal­ten un­ter­ein­an­der ge­pre­digt wird – ge­nau­so wie bei uns zu Hau­se. Am En­de ist für mich wich­tig, dass mei­ne Kin­der selbst mit­füh­len­de Men­schen sind – mit ei­nem aus­ge­präg­ten Sinn für Ge­rech­tig­keit.

Ich fürch­te mich da­vor, je­man­den zu ver­lie­ren, den ich lie­be. Ich ha­be das bis­lang nur ein­mal er­lebt, als mei­ne Na­na ge­stor­ben ist. Ich war am Bo­den zer­stört. Jetzt, wo ich äl­ter wer­de, ken­ne ich schon Freun­de, die ein El­tern­teil ver­lo­ren ha­ben. Ich ver­su­che, ein­fach nicht dar­an zu den­ken.

Weih­nach­ten steht vor der Tür. Wie und wo fei­ern Sie?

Wir wer­den in New York sein und wie­der ei­nen Tan­nen­baum auf­stel­len, der viel zu groß für un­ser Ap­par­te­ment ist (lacht). Wir ver­su­chen, es mit den Ge­schen­ken für un­se­re Kin­der nicht zu über­trei­ben, und wol­len, dass es ein­fach schön und be­sinn­lich wird. Mit bun­ten Lich­tern und Ker­zen und Weih­nachts­ge­bäck.

Sin­gen Sie auch „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“?

Ja. Wer hat Ih­nen denn das ver­ra­ten? (lacht) Ich ha­be das als Kind im­mer ge­sun­gen. Es war mein ers­tes So­lo im Schul­chor. Ich ha­be es al­ler­dings lan­ge nicht mehr ge­sun­gen. Vi­el­leicht soll­te ich es heu­te Nacht in der Du­sche noch mal üben.

In­ter­view: Dierk Sin­der­man

FO­TO: IMAGO FO­TO: JAY MAIDMENT FO­TO: GK FILMS

Ha­ben Sie Ängs­te? Emi­ly Bl­unt (re.) in ih­rer Rol­le als Ma­ry Pop­pins. 54 Jah­re nach der ers­ten Ver­fil­mung der Ge­schich­te nach der Ro­man­vor­la­ge der Aus­tra­lie­rin Pa­me­la Lyn­wood Tra­vers kommt die Fort­set­zung am 20. De­zem­ber in die deut­schen Ki­nos. Ei­nen Gol­den Glo­be ge­wann Bl­unt für ih­re Haupt­rol­le in „Vic­to­ria, die jun­ge Kö­ni­gin“von 2009. Stil­voll: Emi­ly Bl­unt ist für die Haupt­rol­le in „Ma­ry Pop­pins“für den Os­car als bes­te Haupt­dar­stel­le­rin no­mi­niert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.