Die Cdu-che­fin hat ei­ne gu­te Start­po­si­ti­on

Kramp-kar­ren­bau­er muss jetzt in­halt­li­che Leer­stel­len fül­len

Aller-Zeitung - - TAGESTHEMEN - VON DANIELA VATES

▶ Schwung, das ist das Wort der St­un­de in der CDU. Schwung nut­zen, Schwung ho­len – dy­na­misch klingt das und durch­weg po­si­tiv, als sto­ße sich die Par­tei en­er­gisch und kräf­tig ab von der Start­po­si­ti­on bei ei­nem Ski­ab­fahrts­lauf, um un­ten dann nach di­ver­sen Steil­kur­ven mit Best­zeit ge­fei­ert zu wer­den. Gu­te Stim­mung ver­brei­ten, das nutzt – vor al­lem auch zur ei­ge­nen Mo­ti­va­ti­on.

An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er hat im De­zem­ber ei­ne nach vie­len Mer­kel-jah­ren be­freit wir­ken­de Par­tei über­nom­men, aber auch ei­ne er­schöpf­te – ei­ne, die sich selbst nicht mehr rich­tig über den Weg trau­te und sich vor der AFD fürch­te­te.

Wie zer­ris­sen die CDU war, zeig­te sich im knap­pen Er­geb­nis der Vor­sit­zen­den­wahl. Den­noch star­tet die neue Par­tei­che­fin nun erst mal un­ter ganz gu­ten Be­din­gun­gen, mit Son­ne und gu­ter Sicht al­so: Die CSU mit Mar­kus Sö­der an der Spit­ze hat auf den Sof­tie­mo­dus ge­schal­tet.

Der an­de­re Wi­der­sa­cher, Fried­rich Merz, hat sich aus Ab­nei­gung ge­gen al­le Pos­ten un­ter­halb de­nen mit der Ord­nungs­num­mer eins nach der Nie­der­la­ge im Kampf um den Cdu-vor­sitz in ei­ne Be­ra­ter­rol­le ge­fügt.

Aber ei­ne Par­tei braucht auch In­hal­te, das lässt sich an­ge­sichts von Per­so­nal­que­re­len leicht ver­ges­sen. Es gibt das ewi­ge Kla­ge­lied ei­nes Teils der CDU, die Par­tei sei nicht mehr kon­ser­va­tiv ge­nug. Mit der kon­kre­te­ren Be­schrei­bung der ge­fühl­ten Leer­stel­le ha­per­te es meist ein we­nig. Und die CDU ge­wann Wah­len, weil Mer­kel als Per­son glänz­te – und auch, weil sie die The­men an­de­rer Par­tei­en um­setz­te.

Den­noch mach­te sich ein Un­be­ha­gen breit, auch weil an die Stel­le der al­ten Schlag­wor­te kei­ne neu­en rutsch­ten. Was nicht ge­lun­gen ist in die­ser Zeit: de­nen, die dem Ges­tern nach­trau­ern, ei­nen oder am bes­ten meh­re­re neue Schät­ze in die Hand zu ge­ben, die als Ori­en­tie­rung die­nen – ganz kon­kre­te und nicht nur ei­ne po­lier­te Do­se mit der Auf­schrift „Die Mit­te“und „So­zia­le Markt­wirt­schaft“. Das lag auch dar­an, dass nicht al­le der Ent­täusch­ten sich mit­zie­hen las­sen woll­ten. Aber eben nicht nur.

An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er scheint dies Ver­säum­nis nun an­ge­hen zu wol­len. Die all­ge­mei­ne Di­enst­pflicht, die sie vor­ge­schla­gen hat, ist schon in der Wort­kom­bi­na­ti­on – Di­enst und Pflicht – ei­ne Ver­nei­gung vor den Hü­tern des kon­ser­va­ti­ven CDU-HER­zens. Die Flücht­lings­po­li­tik will die neue Che­fin mit ei­nem ei­ge­nen Kon­gress noch mal ak­tiv in den Fo­kus neh­men. Dass sie ein wirt­schafts­po­li­ti­sches Kon­zept braucht, scheint ihr be­wusst.

Es ist ei­ne gu­te Aus­gangs­si­tua­ti­on. Aber das Ren­nen ist nicht ge­lau­fen. Die Eu­ro­pa­wahl und die Land­tags­wah­len in drei ost­deut­schen Län­dern kön­nen den Schwung jäh ab­brem­sen. Da­nach wird es um die Kanz­ler­kan­di­da­tur ge­hen. Merz hält sich wei­ter in der Nä­he der Start­zo­ne auf.

ZITAT DES TA­GES Wenn der nächs­te Ge­halts­scheck En­de des Mo­nats nicht kommt, dann krie­ge ich Pa­nik. Fre­da Mcdo­nald, Us-staats­be­diens­te­te, be­kommt we­gen des Shut­downs kein Ge­halt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.