Hoch­span­nung in Lon­don

Am Di­ens­tag ent­schei­den­de Br­ex­it-ab­stim­mung – Op­po­si­ti­on droht mit Miss­trau­ens­vo­tum ge­gen May

Aller-Zeitung - - POLITIK - VON SIL­VIA KUSIDLO UND HOLGER MEHLIG

LON­DON. Kurz vor der ent­schei­den­den Br­ex­it-ab­stim­mung nimmt der Macht­kampf zwi­schen der bri­ti­schen Re­gie­rung und dem Par­la­ment an Schär­fe zu. Die Op­po­si­ti­on um La­bour-chef Je­re­my Cor­byn er­höh­te den Druck auf Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May und droh­te er­neut mit ei­nem Miss­trau­ens­vo­tum. Am Sonn­tag gab es zu­dem bri­ti­sche Me­dien­be­rich­te über Plä­ne von Re­bel­len aus der Re­gie­rungs­frak­ti­on, dem Ka­bi­nett das Heft aus der Hand zu neh­men.

Soll­te das Ab­kom­men bei der Ab­stim­mung am Di­ens­tag durch­fal­len, wä­re das „ein ka­ta­stro­pha­ler und un­ver­zeih­li­cher Ver­trau­ens­bruch in un­se­re De­mo­kra­tie“, schrieb May im „Sun­day Ex­press“. „Es ist an der Zeit, die Spie­le zu ver­ges­sen und das zu tun, was für unser Land rich­tig ist.“

May be­ton­te, das Ab­kom­men brin­ge Lon­don die Kon­trol­le über die ei­ge­nen Gren­zen, Ge­set­ze, Han­dels­po­li­tik und Küs­ten­ge­wäs­ser zu­rück. Auch die Kon­trol­le über das Geld wer­de wie­der­er­langt, weil kei­ne Rie­sen­sum­men mehr nach Brüs­sel ge­schickt wer­den müss­ten.

Die Ab­stim­mung über das Br­ex­it-ab­kom­men zwi­schen Lon­don und den 27 an­de­ren Mit­glieds­staa­ten ist zwar für Di­ens­tag ge­plant, ei­ne Uhr­zeit steht aber nicht fest. Ei­ne Nie­der­la­ge Mays gilt als wahr­schein­lich. Die Fol­ge könn­te ein un­ge­re­gel­ter Eu-aus­tritt am 29. März sein. In dem Fall droht Cha­os in der Wirt­schaft und vie­len an­de­ren Be­rei­chen.

Auch die ver­blei­ben­den Eu-mit­glie­der und de­ren Wirt­schaft wür­de ein sol­cher „No De­al“mit zu­sätz­li­chen Mil­li­ar­den­kos­ten be­las­ten. Bis En­de kom­men­den Jah­res müss­te al­lein Deutsch­land bis zu 4,2 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sätz­lich in den Eu-haus­halt ein­zah­len, be­rich­te­te die Fun­keMe­di­en­grup­pe un­ter Be­ru­fung auf Be­rech­nun­gen des re­nom­mier­ten Brüs­se­ler Brue­gel-for­schungs­in­sti­tuts. Dies wä­re der deut­sche An­teil zum Aus­gleich ei­ner Lü­cke von ins­ge­samt 16,5 Mil­li­ar­den Eu­ro, die im Eu-haus­halt von April 2019 bis En­de 2020 bei ei­nem bri­ti­schen Eu-aus­tritt oh­ne Ab­kom­men ent­ste­hen wür­de. Groß­bri­tan­ni­en ist nach Deutsch­land der größ­te Net­to­zah­ler in der EU. Den Mehr­kos­ten für Deutsch­land stün­den nur et­wa 200 Mil­lio­nen Eu­ro Er­lö­se aus den Zoll­ein­nah­men ge­gen­über.

Auch in Groß­bri­tan­ni­en lie­gen mit Blick auf die Wirt­schaft die Ner­ven blank. Arz­nei­mit­tel­eng­päs­se, Pro­ble­me bei der Zu­lie­fe­rung wich­ti­ger Tei­le für die Au­to­in­dus­trie oder Man­gel an be­stimm­ten Le­bens­mit­teln wer­den bei ei­nem „No De­al“nicht aus­ge­schlos­sen.

Das Par­la­ment in Lon­don ist in Sa­chen Br­ex­it heil­los zer­strit­ten. La­bour-chef Cor­byn setzt auf Neu­wah­len. Das for­der­ten auch De­mons­tran­ten am Sonn­abend in Lon­don, die dort nach dem Vor­bild der fran­zö­si­schen Gelb­wes­tenBe­we­gung ge­gen die Re­gie­rung pro­tes­tier­ten.

FOTO: DOMINIC LIPINSKI/DPA

De­mons­tran­ten in Lon­don ha­ben sich nach fran­zö­si­schem Vor­bild gel­be Warn­wes­ten über­ge­zo­gen. Sie for­dern Neu­wah­len.

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